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Klimawandel vor der Haustür: Student untersuchte Münsters Wetter der vergangenen 60 Jahre

Wie schlägt sich der Klimawandel regional nieder? Der Masterabsolvent Henning Strüwe untersuchte in seiner Abschlussarbeit, wie sich das Wetter im Münsterland über die letzten 60 Jahre verändert hat.

Der Klimawandel ist ein weltweites Streitthema. Die einen protestieren für besseren Umweltschutz, um die globale Erderwärmung aufzuhalten – andere leugnen, dass es sie überhaupt gibt. Henning Strüwe, Masterabsolvent der FH Münster, hat sich derweil die Fakten angesehen – und in seiner Masterarbeit konkret überprüft, wie sich das Klima im Münsterland über die letzten Jahrzehnte entwickelt hat. Er stellte unter anderem fest: Tatsächlich nehmen die Hitzetage in der Region deutlich zu.

Strüwe hat an der Hochschule den Masterstudiengang Technisches Management der Energie-, Gebäude-, Umwelttechnik auf dem Campus in Steinfurt belegt. Als Prof. Dr.-Ing Helmut Grüning potenzielle Themen für Abschlussarbeiten ausschrieb, die in Bezug zu seinem Forschungsprojekt „BeGrüKlim“ stehen, bei dem er an Bewässerungskonzepten für Bäume in Städten arbeitet, hat Strüwe die Neugier gepackt. Teil des Projekts ist die Auswertung der Wetterdaten des Münsterlandes der letzten Jahrzehnte. Den Studenten aus Osnabrück reizte die Herausforderung, Interesse an Wetter und Klima hegte er ohnehin – und bekam vom Professor schließlich die Zusage, das Thema bearbeiten zu können.

Für seine Recherche stützte Strüwe sich einerseits auf Fachliteratur, andererseits aber auf einen riesigen Datensatz, den er vom Deutschen Wetterdienst bezog: Er wertete 13 Wetterstationen im Münsterland aus, bei denen ihm wichtig war, dass sie über aktuelle Daten von 1990 bis 2019 verfügten. Je nach Untersuchungsgegenstand analysierte der Osnabrücker aber auch Daten ab 1960. „Bei der Jahrestemperatur gingen die Daten an einer Station sogar bis Mitte des 19. Jahrhunderts zurück“, sagt Strüwe. „Seit 1853 wurde in Münster die Jahresmitteltemperatur gemessen.“

Als „Fleißarbeit“ bezeichnet der Absolvent das. Gut anderthalb Monate hat er sich allein mit den Daten beschäftigt – und sie schließlich für bestimmte Untersuchungen auch eingegrenzt. Da das „BeGrüKlim“-Projekt von Prof. Grüning in Nottuln angesiedelt ist, hat Strüwe für manche Überprüfungen vier Stationen in der Nähe der Gemeinde im Kreis Coesfeld untersucht. „Das habe ich als eigenes kleines Messnetz definiert. Dadurch ließ sich der Aufwand für die umfangreicheren Auswertungen reduzieren“, so Strüwe.

Bei seiner Datenrecherche stellte der heutige Masterabsolvent fest, dass die Hitzetage im Münsterland über die Jahre zugenommen haben. „Das ist vielleicht nicht überraschend, aber es ließ sich nun für die Region eindeutig bestätigen. Seit 1960 gibt es zum Beispiel eine Verdopplung der Sommer- und Hitzetage.“ Beim Starkregen hat Strüwe jedoch festgestellt, dass dieser über die Jahre im Münsterland konstant geblieben ist – weder haben die Tage mit massiven Regengüssen zu- noch abgenommen.

Doch die Regenzeit hat sich verschoben – vom Frühjahr in den Winter. Das ist Strüwe bei seiner Auswertung klargeworden. „Es wird ja oft davon geredet, dass die Sommer so trocken sind“, erklärt er. „Doch zumindest hier im Münsterland hat sich der Frühling zur trockensten Jahreszeit entwickelt – über die letzten 60 Jahre und besonders die letzten 30 Jahre zeigt sich eine signifikante Zunahme der Trockenheit im Frühling.“ Und die verschärfe wiederum die Situation im Sommer: „Extreme Dürren sind möglich, wenn einem trockenen Sommer bereits ein trockenes Frühjahr vorausgegangen ist. So wie zuletzt im Jahr 2018.“

Und was bedeuten die Ergebnisse der Arbeit nun für das Grün in den Städten, dem sich das Forschungsprojekt seines Prüfers in erster Linie widmet? „Meiner Meinung nach werden gerade junge Bäume unter dieser Trockenheit im Frühjahr leiden, weil sie ein nur gering ausgebildetes Wurzelwerk haben“, sagt Strüwe. „In ihrer Hauptwachstumszeit im Frühjahr gibt es nun ein Niederschlagsdefizit.“

An diesen Umstand knüpft das „BeGrüKlim“-Projekt von Prof. Grüning wiederum an, geht es darin schließlich um die Entwicklung eines Bewässerungssystems für Stadtbäume. Regenwasser soll in einer Art Mini-Rückhaltebecken gesammelt und gespeichert werden, um die Bäume zu bewässern. „Das Grün in den Städten ist wichtig, um die Städte abzukühlen“, sagt der Experte für Wasserversorgung und Entwässerungstechnik über sein Projekt. Schließlich können sich in dichtbebauten Innenstädten sogenannte „Hitzeinseln“ bilden, in denen die Temperatur bis zu 10° Celsius höher liegen kann als im Umland.

Mit der Forschung seines Prüflings ist der Professor sehr zufrieden. „Die Arbeit hat die Grundannahme bestätigt, dass die Starkregentage konstant bleiben. Und auch, dass es eine Verschiebung der Regenzeit in den Winter gibt“, so Grüning. „Und diese lokale Betrachtung der Daten ist neu.“ Insofern nützt ihm die Masterarbeit auch bei seiner eigenen Forschung.

Strüwe hat die Masterarbeit derweil eine berufliche Perspektive gegeben, die er so vorher nicht gesehen hat. Da es in dem Forschungsprojekt und seinen Recherchen um die wassersensitive Stadtentwicklung geht und er festgestellt hat, dass urbanes Grün und das Stadtklima mehr Berücksichtigung in der Stadtplanung finden sollte, wünscht er sich, nach dem Studium in der Stadtplanung zu arbeiten. „Ich hatte zuvor nicht so viele Berührungspunkte mit diesem Themenbereich. Doch diese Schnittmenge aus Meteorologie und Ingenieurwesen – die würde mich auch im Job interessieren.“


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