Foto: Anne Holtkötter

Bei einem freien Träger der Jugendhilfe hat Michael Beu als Erzieher gearbeitet. Nun hat der 43-Jährige dort eine volle Stelle als Sozialpädagoge. Der Cuxhavener trägt mehr Verantwortung als zuvor und arbeitet mehr konzeptionell, und zu seinen Aufgaben gehört zum Beispiel, soziale Trainings- und Antiaggressionskurse durchzuführen. Auf der Absolventenfeier im Frühjahr hielt der Papa eines Sohnes ("er war das erste BASA-online-Kind im Hörsaal") den Rückblick aus studentischer Sicht. Unter anderem dazu befragten wir ihn in einem Interview.

In Ihrer Abschiedsrede sagten Sie neben all den Dankesworten und lustigen Erinnerungen auch das hier: "Wir arbeiten nun mit mehr Wissen, mehr Erfahrung und vielleicht auch einer anderen Haltung zum Beruf als zuvor." Bestätigt sich dies nun auch in der Praxis?
Ja, natürlich habe ich rein technisch gesehen nach vier Jahren berufsbegleitendem Studium mehr Wissen und mehr Erfahrung. Ich habe während der Zeit an der Hochschule einfach eine andere, verantwortlichere Haltung zum Beruf bekommen. Ich wusste mehr und erkannte die Hintergründe. Die Haltung haben mir die Lehrenden nicht beigebracht, aber sie haben mir geholfen, sie wieder in mir selbst zu entdecken.

Sie sagten auch: "Und wir sollten dies genauso beginnen und fortsetzen wie wir hier studiert haben: Mit Optimismus, mit Freude und Geduld, dann wird unser Tun und Handeln in der Sozialen Arbeit genauso belohnt werden, wie wir heute hier!". Das klingt wirklich sehr wohlwollend. Sieht Ihre praktische Arbeit nicht auch ganz anders aus? Frust statt Lohn, Misserfolg statt Erfolg?
Ich war und bin überwältigt von der Zeit an der FH Münster. Wir hatten wirklich Glück, dass hier alles gestimmt hat: die Dozenten, die Kommilitonen und die Inhalte. Zwar war das Studium höchst anspruchsvoll, dennoch haben wir es mit Optimismus, Freude und Geduld geschafft. Wer schon einmal in der Sozialen Arbeit tätig war, der weiß, dass es auch hier kaum anders geht. Wir müssen uns die Euphorie des Studiums zu Nutze machen, um Veränderung herbeizuführen und einen guten und hoffnungsvollen Weg in eine Arbeit zu finden, die ebenfalls viel von uns abverlangt.

Wie sieht es mit dem "lebenslangen Lernen" für Sie aus?
Interne und externe Ausbildungen sind bei unserem Träger immer an der Tagesordnung. Dennoch würde ich gerne auch noch den Master absolvieren. Meine Frau meinte schmunzelnd, dass ich dies auch gerne machen könne, aber nur, wenn ich aus dem gemeinsamen Haushalt ausziehen würde. Ich lebe aber sehr gern dort.

Was macht Ihnen in Ihrem Job am meisten Spaß?
Ich liebe daran das Ungewisse. Ich weiß nicht, was mich am nächsten Tag erwartet - das ist spannend und wird nie langweilig.

Was wünschen Sie sich prinzipiell für das Berufsfeld Soziale Arbeit?
Ich wünsche mir, dass wir uns besser organisieren und die Interessen der Sozialarbeiter mehr Gehör finden. Was sagt das über eine Gesellschaft, die mehr Geld ausgibt für Menschen, die sich um Geld kümmern, als Menschen, die sich um Menschen kümmern?

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