Im Sommer 2014 startete das Kooperationsprojekt der Fachhochschule Münster mit dem Evangelischen Fachverband für Erzieherische Hilfen in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe zum Thema "Partizipation von Eltern mit Kindern in stationären Erziehungshilfen". Das Projekt wird gefördert durch die Diakonie-RWL und die GlücksSpirale. Die fachliche und wissenschaftliche Begleitung übernehmen über eine Laufzeit von 24 Monaten Dr. Nicole Knuth und Dr. Remi Stork der Diakonie RWL sowie Prof. Dr. Hansbauer, Martina Kriener und Martin Gies von der Fachhochschule Münster.

Eine praxisnahe Umsetzung erfolgt durch die Beteiligung von neun Einrichtungen aus dem Rheinland und Westfalen-Lippe. Sowohl auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Untersuchung sowie im Austausch und der Diskussion mit Fachkräften und Eltern aus den beteiligten Einrichtungen, wird folgenden Fragen nachgegangen:

  • Wie nehmen Einrichtungen der stationären Erziehungshilfe Partizipation von Eltern wahr?
  • Welche Ansätze und Möglichkeiten der Partizipation sind bereits vorhanden?
  • Welche Partizipations-Erwartungen richten Eltern an stationäre Einrichtungen, in denen ihre Kinder leben?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, Eltern intensiver an der Arbeit dort zu beteiligen?
  • Unter welchen Voraussetzungen kann die Partizipation von Eltern gelingen?
  • Wie lässt sich Elternpartizipation auf Dauer in Einrichtungen der stationären Erziehungshilfe verankern?

Das Thema Elternpartizipation wurde in der Forschung bislang eher randständig behandelt. Die Debatten um "Kinderschutz" und den "Runden Tisch Heimerziehung" haben vor allem zu einer Stärkung der Beteiligungsrechte von Kindern und Jugendlichen sowie einem Ausbau ihrer Beschwerdemöglichkeiten (§ 45 Abs. 2 Nr. 3 SGB VIII) beigetragen. Hingegen ist die Stärkung der Partizipationsmöglichkeiten von Eltern kaum ein Thema, obwohl Eltern und Familien vielfach eine wichtige Ressource für Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen sind.

Partizipation von Eltern bedeutet mehr als Elternarbeit, die auf eine Verbesserung ihrer Erziehungskompetenz abzielt. Elternpartizipation beruht auf dem Recht von Eltern, über die Hilfeplanung hinausgehend, an der Entwicklung ihrer Kinder teilzuhaben und aktiv an deren Alltag und der Gestaltung von Rahmenbedingungen mitzuwirken. Die Umsetzung dieses Anspruchs gestaltet sich für die Einrichtungen nicht immer einfach. Gleichzeitig haben Eltern in der Regel ein großes Interesse daran, dass es ihrem Kind in der Einrichtung gut geht - auch wenn sie selbst über eine nicht immer gelungene und gelingende Beziehung zum Kind verfügen. Die Idee des Projektes ist es, die Eltern auch als Bürger_innen mit Erfahrungen, Kompetenzen und Ideen, als Ressource in der Gestaltung des Lebens- und Betreuungsalltags, bei konzeptionellen Weiterentwicklungen, in der Kommunikation zwischen Eltern und Einrichtungen zu begreifen. Darin liegt ein Potential für gelingende Erziehungsprozesse in den stationären Hilfen, das noch vielfach ungenutzt bleibt.

Bisher gibt es erst wenige Versuche, dieses grundsätzliche Wohlwollen der Eltern den eigenen Kindern gegenüber aufzugreifen. Das Forschungsprojekt setzt an dieser Stelle an. Es hat zum Ziel, eine angemessene Praxis zu entwickeln und im Ergebnis konkrete, praxistaugliche Möglichkeiten der Elternpartizipation für das Handlungsfeld der stationären Erziehungshilfen modellhaft zu erarbeiten. Das Projekt will durch die Verzahnung von Praxisforschung und Praxisentwicklung:

  • Wissen schaffen: Interessen, Bedürfnisse, Inhalte und Ansätze bzgl. Der Partizipation von Eltern an der Gestaltung des Lebens- und Betreuungsalltags u.a.m. erkunden und konkretisieren;
  • Ideen entwickeln: Entwicklung von Bausteinen für Elternpartizipation;
  • Konzepte erproben: Einrichtungen setzen gemeinsam mit Eltern mindestens eine der entwickelten Ideen in ihrer Praxis um;
  • Kultur entwickeln: Unterstützung einer "neuen" Einrichtungskultur zu einer stärkeren Öffnung für Eltern (nachhaltig);
  • Ergebnisse verbreiten über die beteiligten Einrichtungen hinaus (z.B. Fachtagung, Veröffentlichung, Konzeption eines Fortbildungsangebotes des Fachverbandes)

Für die Zusammenarbeit konnten dafür folgende neun Einrichtungen gewonnen werden:

Der Ablauf des Projektes wird in der nachstehenden Tabelle im zeitlichen Verlauf veranschaulicht. Die während des Projekts entstandenen Materialien und Zwischenergebnisse sind durch Links hinterlegt. Weiter wird eine Liste der Veröffentlichungen und Präsentationen am Ende der Seite aufgeführt.

Projektschritt & Erläuterung

Zeitlicher Verlauf

Projektstart

Juni 2014

Interviews mit Eltern von Kindern in stationärer Erziehungshilfe

In Annäherung an die Thematik und zur Vorbereitung der Workshops werden fokussierte, leitfadengestützte Interviews mit hohen narrativen Anteilen durchgeführt, transkribiert und ausgewertet. Es gilt, die subjektiven Sichtweisen Erfahrungen und Erwartungen der Eltern zu erheben und daraus Anregungen und Hinweise auf partizipationsrelevante Themen zu erhalten.

Juni - September 2014

Veranstaltung zum Projektauftakt

Zur Auftaktveranstaltung werden Eltern und Fachkräfte der beteiligten Einrichtungen nach Münster eingeladen, die Ergebnisse der Interviews präsentiert und diskutiert. Die Eltern und Fachkräfte stellen gemeinsam ihre Einrichtung mit ihren Ideen und Vorstellungen von Elternpartizipation vor, lernen sich kennen und tauschen sich aus.

29. September 2014

Presseartikel der Ev. Diakonie RWL

Workshops mit Eltern und Fachkräften

Vier Wochenend-Workshops werden gemeinsam mit Eltern und pädagogischen Fachkräften durchgeführt, welche sich an der Methode der Zukunftswerkstatt orientieren. Es finden jeweils zwei in Westfalen-Lippe und im Rheinland statt. Die Ergebnisse der Interviews werden dort in Arbeitsphasen mit den Eltern und Fachkräften, sowohl getrennt als auch gemeinsam, ergänzt, vertieft und verdichtet.

November 2014 - Januar 2015

Erstes Werkstattgespräch mit den Projektteilnehmer_innen aus den beteiligten Einrichtungen

In einemWerkstattgesprächen werden gemeinsam mit Eltern und Fachkräften die Entwürfe der konzeptionelle Bausteine diskutiert, geprüft und weiterentwickelt. Zudem werden sowohl Fragen der strukturellen Übertragung, als auch konkrete Umsetzungsmöglichkeiten erörtert.

29. April 2015

Presseartikel der Diakonie RWL

Zweites Werkstattgespräch mit den Projektteilnehmer_innen aus den beteiligten Einrichtungen

Das zweite Werkstattgespräch dient dazu, gemeinsam eine Zwischenbilanz der Umsetzungsphase zu ziehen. Hierzu berichten Eltern und Fachkräfte der teilnehmenden Einrichtungen vom Stand ihrer Projekte und tauschen sich über Fragen und Herausforderungen aus

17. November 2015

Artikel der FH-Münster

Entwicklung und Implementierung der Konzeptbausteine

Die neun beteiligten Einrichtungen setzen mindestens einen der entwickelten Konzeptbausteine um. Sie werden in drei Beratungsterminen durch die FH Münster und die Diakonie RWL wissenschaftlich begleitet.

Ab Juni 2015 - Januar 2016

Abschlusstagung & Veröffentlichung

Das Gesamtergebnis des Projekts wird im Rahmen einer Abschlusstagung vorgestellt und veröffentlicht. Abschließend werden die Ergebnisse verbreitet.
Präsentation der Abschlusstagung

Artikel über die Abschlusstagung

Im Mai 2016

 

Veröffentlichungen:

Forschungsnotiz, Partizipation von Eltern mit Kindern in stationären Erziehungshilfen. In: Forum Erziehungshilfen, Heft 2/2015. S. 95-96.

Meldung der Diakonie RWL vom 29.03.2016., Sabine Damaschke: Modellprojekt stationäre Erziehungshilfe. Wo Eltern von Heimkindern mitentscheiden.

Präsentationen:

Evangelischer Erziehungsverband e.V. Fachbeirat: Vorstellung ausgewählter Ergebnisse des Projekts. Erfurt am 09.03.2016.

Forschungskolloquium Erziehungshilfen der IGfH und des ISS: Vorstellung des Projektdesigns und erster Zwischenergebnisse. Frankfurt a.M. am 06.03.2015.

Forum-Management des ev. Fachverbandes für Erzieherische Hilfen Rheinland-Westfalen-Lippe: Vorstellung des Projektes, Diskussion der Zwischenergebnisse, Kurzbefragung der Teilnehmer_innen. Düsseldorf am
19.03.2015

Fachkongress "Fremdunterbringung qualifizieren - Praxiswende einleiten": Projektvorstellung, Darstellung Zwischenergebnisse. Hochschule Rhein-Main, Wiesbaden am
22. September 2015

Seite drucken