Prof. i. Vertr. Bernd Schnoklake

Welche Gründe haben Sie zu der Entscheidung geführt, Architektur zu studieren?
Da gab es keine Entscheidung, ich konnte nichts Anderes. Relativ banal - Ausschlussverfahren, etwas Anderes konnte ich mir halt nicht vorstellen.

Mit Ihrer Masterthesis haben Sie als einer von insgesamt vier Preisträgern den Bruno Taut-Preis gewinnen können, bevor dieser eingestellt wurde. Dabei handelt es sich um den höchst dotierten Nachwuchsförderpreis der Republik. Welchen Einfluss hatte diese Förderung auf Ihren weiteren Lebensweg?
Es war für mich eine große Ehre den Preis zu erhalten. Der Preis wurde mir von der Bundesarchitektenkammer und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien verliehen und gab mir die Möglichkeit, mich nach meinem Studium noch weiterzubilden und zu studieren.
Die Förderung hat mir auf meinem weiteren Lebensweg stark geholfen, z.B. wurde mir auf diese Weise das postgraduale Studium in Krakau ermöglicht - zudem habe ich parallel bereits erste Schritte in Richtung Selbstständigkeit getan, sodass ich mich frei und unabhängig entwickeln konnte.

Halten Sie es für wichtig, dass man die Erfahrung des Auslandssemesters innerhalb des Studiums macht? Den Schritt an eine andere Hochschule wagt?
Ich selber habe mein gesamtes Studium an der MSA absolviert und dementsprechend kann ich nicht allzu viel zum Studienort- bzw. Hochschulwechsel sagen. Das postgraduale Studium in Krakau war aber eine tolle Erfahrung. Zum Praxissemester im Ausland habe ich jedoch von Kollegen und meinen Studierenden ausschließlich positives Feedback erhalten.

Nach Ihrem Studium haben Sie in verschiedenen Architekturbüros gearbeitet, z.B. auch bei Bolles + Wilson. Wie hat diese Zeit Sie geprägt?
Natürlich haben mich die Erfahrungen dort stark geprägt. Dort konnte ich schon als Student vier Jahre arbeiten, begonnen habe ich in der Modellbauwerkstatt und anschließend dann in der Wettbewerbsabteilung, anschließend als fester Mitarbeiter an teils großen Projekten.
Mein erster (von aktuell zweien) Büropartner, Dirk Betz, arbeitet sehr strukturiert, während ich, eben auch wegen der Zeit bei Bolles + Wilson, eher spielerisch an die Dinge herangehe. Das ergänzt sich sehr gut, sodass wir zusammen effektiv arbeiten können.
Die Zeit war extrem hilfreich und prägend. Immerhin ist es ein hoch angesehenes Büro und begleitend zum Studium aber auch danach war das für mich ein prima Start.
Natürlich prägt diese Zeit auch architektonisch. Jetzt, in den letzten Jahren, tritt die eigene Linie jedoch deutlich stärker hervor.

Wie kam es dazu, dass Sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben?
Mir hat sich sehr schnell die Chance dazu geboten - jedoch bin ich die Sache sehr naiv und blauäugig angegangen. Ich hatte damals einen Auftrag für ein privates Wohnhaus - ein holpriger Start. Ich habe dann sogar daran gezweifelt, ob es eine gute Idee war sich selbstständig zu machen.
Das Schlüsselprojekt war danach eine freie Projektpartnerschaft mit der Architekturwerkstatt Münster für ein Wohnhaus am der Promenade. Ich habe das als eine Art Förderung begriffen, indem mir als jungem Architekten die Möglichkeit geboten wurde ein hoch anspruchsvolles Projekt zu entwickeln, in Gremien zu präsentieren und zu vertreten, sowie in großen Schritten mit zu verwirklichen. Dafür bin ich noch heute sehr dankbar.
Nach einer gewissen Zeit habe ich mich dann jedoch aus diesem Format herausgelöst um eigene Wege zu gehen. Als Übergang zwischen dem Studium und der Selbstständigkeit war es jedoch extrem viel wert.

Gibt es bestimmte Merkmale in Ihrer Lehre? Möchten Sie den Studierenden gerne etwas mit auf den Weg geben?
Am einfachsten wäre es, ihr setzt euch in der nächsten Korrektur neben mich - dann merkt ihr es (lacht).
Ich versuche eine sehr individuelle Korrektur zu geben. Ich glaube, der wichtigste Teil meiner Lehrveranstaltung ist die Korrektur. Ich lasse hier viele Freiheiten zu und bringe die Studierenden dazu, sich selbst Regeln und Tools zu definieren. Diese können untereinander stark variieren, zu denen ich dann entsprechend individuelle Korrekturen gebe, damit jeder seinen Weg gehen kann und eine angepasste Beratung erhält. Ich möchte keinen Stil aufzeigen, ich traue mir zu, parallel mehrere Wege zu betreuen. Das ist zum Teil intensiv, aber ich glaube, dass das der einzige Weg ist meine Studierenden in die  selbstständiger Arbeit zu führen. Wir versuchen stets die Reflektion der getätigten Schritte im Prozess. Erst wenn hier Verständnis eintritt beginnen wir mit der inhaltlichen Korrektur und erst abschließend mit der helfenden Hand.

Was glauben Sie, wie sich die Lehre in der Architektur zukünftig entwickeln wird?
Ich lasse hier mal die globale Antwort. Für die lokale Frage wünschte ich mir den Rückgang auf eine offenere Präsentationskultur des Geleisteten. Stolz über die eigene Leistung, Selbstvertrauen diese zu vertreten und Offenheit getätigte Kritik als Bereicherung wahrzunehmen waren in meinen Studienjahren stark vertreten. Die daraus gewonnene Haltung hilft mir noch heute im Diskurs über meine und anderer Leute Arbeit.

Eine Haltung zur Architektur zu entwickeln - Dieses Thema wird zurzeit in Deutschland viel diskutiert. Wie kann man den Studierenden diesen Weg aufzeigen?
Im Prinzip schließt das genau an die vorherige Frage an. Das, was ich den Studierenden versuche aufzuzeigen, die Reflektion der eigenen Herangehensweise. Die möchte ich nicht "überstülpen", sondern ich versuche eine Haltung zu produzieren, die individuell ist. In der Praxis verhält es sich später genauso. Wir sind im Büro drei Partner, die alle unterschiedliche Ideen und Herangehensweisen haben. Und nur indem wir uns auf einen Konsens bezüglich des Qualitätsanspruchs einigen, ist es uns möglich zu dritt gemeinsam Projekte zu realisieren.

Ihr Architekturbüro Schnoklake Betz Dömer Architekten ist vielen Studierenden durch verschiedene Projekte bekannt. Sie konnten bereits spannende Projekte realisieren. Welche Haltung vertreten Sie mit Ihren Projekten in der Architektur?
Indem wir im Büro sehr unterschiedliche Einflüsse haben, spiegelt es genau das wieder, wie ich mit den Studierenden in der Lehre verfahre. Und so ist das, was ich mit den Studierenden erarbeite auch authentisch.
Erst wenn man sich einer formalen oder ästhetischen Haltung entzieht und versucht eine Kommunikationsbasis über Qualität und Inhalte zu etablieren finden wir die passende Antwort auf die jeweilige Frage hinter der Aufgabenstellung. Üblicherweise ist die formale Antwort dann stark variierend.
Das ist natürlich nicht immer populär, aufgrund dieser Haltung und ggf. der "fehlenden Handschrift" konnten wir bestimmt manche Projekte nicht für uns gewinnen.
Wir haben lange Zeit daran gehadert, dass wir eine große Bandbreite anbieten und vorher nicht versprechen können, in welche Richtung sich ein Projekt entwickeln wird.
Aber mittlerweile empfinde ich dies als Qualität und Stärke.
Dabei steht die Ästhetik eher in zweiter Reihe. Das Entscheidende ist dabei der Lösungsansatz und der Mehrwert den man darüber transportiert.

Welches Ihrer Projekte war für Sie bisher besonders spannend zu entwickeln?
Natürlich ist jedes Projekt eine neue Herausforderung und mein Tätigkeitsfeld im Büro wandelt sich entsprechend mit. Der Generalist, von der ersten Idee bis zum Schluss dabei zu sein, bis hin zum Unternehmerischen. Der Beruf an sich ist einfach unheimlich facettenreich - das war jetzt der Wahlwerbespruch für: Warum muss ich Architektur studieren (lacht).
Aber natürlich ist das Wohnhaus an der Promenade für mich ein Schlüsselprojekt gewesen - die populäre Lage, ein hoher Anspruch von Bauherrenseite und gleich so früh ein solches Projekt überantwortet zu bekommen ist natürlich toll.

Abschließend um den Bogen nach Münster zu spannen, was hat Sie bewogen, in einer eher kleineren Stadt wie Münster zu bleiben?
Ja, das ist so ein Punkt. Mit der Entscheidung zu bleiben hatte ich das eine oder andere Mal zu hadern. Wir trauen uns in der Architektur oft einiges, jedoch geht dies unserer Meinung nach in provinziellen Mustern unter.
Das ist natürlich ein Manko und ein Grund, weshalb man immer wieder nach ein paar Jahren reflektierend zurückschaut und sich fragt, warum man nicht woanders hingegangen ist wo es andere Möglichkeiten gegeben hätte gäbe, die man ggf. besser hätte bedienen können.
Es kommt leider regelmäßig vor, dass wir in lokalen Wettbewerbsverfahren nicht zum Zug kommen, wohingegen wir in Direktverfahren oft gut ankommen. Da wo wir unsere Haltung und Lösungsansätze selber und direkt vermitteln können sind wir zur Zeit besser als im anonymen Wettbewerb - es ist also noch Hoffnung da auch hier vielfältigere Themen zu etablieren.
Andererseits haben sich hier vor Ort über die Projekte, über die wir eben schon gesprochen haben, Möglichkeiten ergeben, die auch interessant waren. Natürlich hat man immer die große Bühne vor Augen, aber ich finde es selber recht unreflektiert. Wo kann ich meine Fähigkeiten einsetzen? Und wenn sich eben wie hier in Münster für uns einige Möglichkeiten bieten, wieso nicht hier?
Und indem wir uns hier verortet haben, baut man sich natürlich durch die verschiedenen Projekte lokal die Reputation auf.
Dadurch bietet uns sich jetzt die Möglichkeit, auch weiter außerhalb Projekte realisieren zu dürfen, bald haben wir z.B. auch Vorhaben in Berlin oder Speyer - der Radius wird also größer.
Außerdem kann ich mich so an der MSA beteiligen - den Draht habe ich nie verloren.

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