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Verena Gude und Nina Krude

Wie seid ihr auf die Caribbean Winter School aufmerksam geworden? Was war die Motivation, euch zu bewerben?
Uns haben verschiedene Freunde aus höheren Semestern von der Carribean Winter School (CWS) berichtet. Sie haben uns von einer tollen Erfahrung erzählt, dort mitzumachen.

Die Motivation, an der Winter School teilzunehmen, ist natürlich aus verschiedenen Gründen sehr hoch.

Kuba ist ein Land, das wir schon immer gerne einmal bereist hätten. Gerade jetzt, zu diesem Zeitpunkt - man weiß nicht, wie Kuba sich in den nächsten Jahren entwickelt. Sicherlich wird viel passieren. Das Land wird in vielerlei Hinsicht große Fortschritte machen, was natürlich sehr gut ist. Aber es ist nicht gewiss, ob es auch so authentisch bleibt, wie wir es erleben durften.

Zeitlich liegt die CWS sehr günstig für uns, genau zwischen dem Winter- und dem Sommersemester. So kann man die vorlesungsfreie Zeit nutzen und erhält einen vollkommen anderen Einfluss im Vergleich zum Büroalltag.

Natürlich kann man so auch sehr effektiv den kalten Winter in Deutschland überbrücken. Die Karibik lockt aber mit weit mehr als nur gutem Wetter.

Was muss man mitbringen um an der CWS teilzunehmen?
Das Bewerbungsverfahren, um für die CWS zugelassen zu werden, verlangt von den Bewerberinnen und Bewerbern ein Motivationsschreiben, ein Portfolio mit einer Übersicht über die bisherigen Arbeiten aus dem Studium und dem persönlichen Lebenslauf.

Neben "hardskills" wie unter anderem ausreichenden Englischkenntnissen wird ebenso Teamfähigkeit verlangt. Man sollte offen sein für andere Kulturen und sich diesen nicht verschließen. Außerdem schadet es nicht, wenn man Freude am Reisen hat - so kann man das Land besser kennenlernen und sieht die vielen verschiedenen Facetten der dortigen Kultur.

Welche Erwartungen hattet ihr vor dem Kurs an die CWS?
Auf jeden Fall der eben schon genannte kulturelle Austausch. Der direkte Kontakt zu den einheimischen Studierenden, sodass sich neue Freundschaften entwickeln und Kontakte geknüpft werden können. Das passiert natürlich alles in englischer Sprache, die sich dadurch noch verbessern sollte.

Architektonisch haben wir uns vor allem erhofft, neue Herangehensweisen kennen zu lernen. Die dortigen Bedingungen sind grundverschieden zum hier herrschenden mitteleuropäischen Klima. Daraus ergibt sich ein vollkommen anderer Ansatz, bezogen auch auf die Konstruktion von Gebäuden und die rechtlichen Vorgaben.

Wie sehen die drei Wochen während der CWS aus?
Von Montag bis Freitag wird durchgehend am Projekt gearbeitet. Es geht morgens früh los und je nach Aufgabenstellung und Arbeitsaufwand sitzt man auch mal länger vor den Bildschirmen. Samstags finden dann die (Zwischen-) Präsentationen statt. Die ganze Woche über sind die Professoren vor Ort und geben Rückmeldung zu den Fortschritten der einzelnen Gruppen. Im Laufe der drei Wochen gibt es abends mehrere Vorlesungen der teilnehmenden Professoren zu unterschiedlichen Themen.

Die Unterkunft liegt direkt auf dem Campus der CUJAE, einer der Hochschulen von La Habana. Wir durften in der "casa blanca" arbeiten, eine Villa von 1916, die im Rahmen der Revolution dem ehemaligen Besitzer enteignet wurde und jetzt der Universität gehört. Dort arbeitet man im Säulengang oder im Garten unter Palmen. Das Ambiente ist herrlich - die Versuchung ist groß, die Sonne zu genießen.

Sonntags ist frei, wir haben an den beiden ersten Wochenenden Ausflüge unternommen. Da sind alle Teilnehmer dabei, das stärkt dann nochmal das Gemeinschaftsgefühl. Wir waren in Varadero am Strand und in Viñales auf einer Tabakplantage.

Mit welcher Thematik hat sich die CWS in diesem Jahr befasst? Was war die Aufgabe?
Die Aufgabe wurde uns von den Professoren gestellt. Das zu beplanende Grundstück liegt im Herzen von La Havanna, eine sehr prominente Stelle. Vielleicht vergleichbar mit dem Potsdamer Platz in Berlin. Projektentwicklung, Analyse, Entwurf und Konstruktion. Alles in drei Wochen. Ein straffes Programm für die kurze Zeit, vor allem weil das Grundstück und die Aufgabe sehr komplex sind. Das macht aber auch den Reiz aus, in kurzer Zeit einen stimmigen Entwurf aufzusetzen. Durch die intensive Auseinandersetzung haben alle Projekte ein hohes Niveau und der Austausch unter den Gruppen ist dabei nicht zu unterschätzen.

Die CWS fand in La Habana statt. Sicherlich sind die Bedingungen, dort zu arbeiten anders als hier in Münster. In welchen Punkten unterscheidet sich die Arbeitsweise in der Karibik im Gegensatz zu der bei uns in Deutschland?
Man gewöhnt sich schnell an die neuen Bedingungen. Das reicht von Stromausfall und nicht ausreichender Stromversorgung für so viele Laptops, bis hin zum Zugang zu unterstützender Literatur aus der Bibliothek. Was auch sehr ungewohnt am Anfang war, ist der fehlende Internetzugang. Man ist es gewöhnt "mal eben schnell" etwas im Netz nach zu lesen oder Referenzprojekte nachzuschlagen. Das ist dort nur an ausgewählten Wifi-Hotspots möglich. Und selbst dauert es eine Weile bis die gesuchten Bilder und Artikel angezeigt werden.

Plotten, also das Drucken der Präsentationspläne auf großformatigem Papier ist dort ebenfalls nur schwer möglich. Daher werden alle Präsentation über den Beamer auf die Wand geworfen. Eigentlich fanden wir das gar nicht schlecht, das ist deutlich umweltschonender. Allerdings birgt das natürlich auch Schwierigkeiten bezüglich des Maßstabs. Modellbau war auch nur sehr bedingt möglich. Weder Material noch Werkstätten sind vorhanden. Daher wird deutlich mehr skizziert oder am Laptop gezeichnet.

Auch der Planungsprozess ist anders aufgebaut. Wie eben schon gesagt ist das dortige Klima vollkommen anders als bei uns in Zentraleuropa - das hat einen großen Einfluss auf die Architektur. Sei es Grundrissanordnung, Low-Tech-Lösungen nicht nur das Lüftungssystem betreffend etc. Dass große Fenster und Balkone zur Nordseite ausgerichtet werden, würde hier nur in speziellen Fällen geplant werden. Dort ist die Sonne aber stark negativ behaftet, Schattenwurf und Auffangen des Windes durch die Fassade und die Gebäudeform sind sehr wichtige Aspekte.

Habt ihr die Möglichkeit genutzt, vor oder nach dem Workshop in Kuba zu reisen? Wenn ja, welche Eindrücke habt ihr von dem Land mitgenommen?
Da wir alle Kurse und Prüfungen absolviert hatten, konnten wir bereits zwei Wochen vor Beginn der CWS nach Kuba reisen. Wir haben versucht möglichst viel aufzunehmen und kaum eine Möglichkeit ausgelassen, das Land intensiv kennenzulernen.

Landschaftlich unheimlich schön, nette und hilfsbereite Menschen und natürlich Karibikstrände. Die sahen aus wie in der Werbebroschüre vom Reisebüro (lacht).

La Habana hat über zwei Millionen Einwohner, eine sehr lebendige Stadt. Eine solche Urbanität hätten wir nicht erwartet, aber es hat wirklich Spaß gemacht.
Auf unserer Tour sind wir vor allem in den Osten des Landes gefahren, Trinidad, Santiago de Cuba und Baracoa um ein paar Städte zu nennen. Je weiter wir weg von Havanna waren, desto weniger Touristen sind wir begegnet. In Baracoa, eine kleine Stadt am äußersten Nordosten der Insel, waren fast nur Einheimische. Da fanden wir es dann besonders interessant, abends die Salsa-Casas zu besuchen und sich von der Musik und der Stimmung tragen zu lassen und den ein oder anderen Mojito zum Durstlöschen vom vielen Tanzen zu trinken.

Zu Anfang haben wir gefragt, welche Erwartungen ihr an die CWS hattet. Haben sich die Erwartungen bestätigt oder hättet ihr vielleicht Verbesserungsvorschläge für die kommenden Winter Schools?
Wir haben auf jeden Fall eine neue, uns bisher unbekannte Kultur kennengelernt und viele neue Eindrücke gewonnen. Auch der Austausch mit den anderen Studierenden, aber auch mit den Einheimischen war in etwa so, wie wir es uns erhofft hatten.

Die Teilnahme am Kurs ist nicht allzu günstig, daher würden wir dazu raten sich frühzeitig um ein Förderprogramm oder ein Stipendium z.B. vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zu bemühen.

Auch die Aufgabe war deutlich umfangreicher, als wir es erwartet hätten. Der Analyseteil war sehr intensiv, weshalb einige Gruppen am Ende unter Zeitdruck geraten sind. Dadurch muss man wirklich viel arbeiten und hat während des Kurses nicht allzu viel Zeit, sich umzuschauen. Aber das ist ja auch der ursprüngliche Grund, weshalb wir überhaupt in Kuba waren, der Kurs. Und mit den zwei Wochen Urlaub vorher und den Wochenendausflügen war das in der Summe ziemlich fair.

Würdet ihr die Teilnahme an der CWS weiterempfehlen und wenn ja, welche Tipps würdet ihr euren Nachfolgerinnen und Nachfolgern mit auf den Weg geben?
Auf jeden Fall! Klare Empfehlung unsererseits. Nutzt die Zeit vorher oder nachher, um das Land kennenzulernen. Das ist nicht nur als Urlaub und Freizeit sehr schön, sondern hat uns auch als Vorbereitung für den Kurs geholfen, um erste Eindrücke zu sammeln.

Das Visum zu verlängern ist nicht kompliziert, solange alle Unterlagen vorhanden sind (lacht). Da sollte man sich vorher auf jeden Fall informieren.

Abenteuerlust mitbringen und sich nicht von anderen Verhältnissen einschüchtern lassen, z.B. die Sanitäreinrichtungen im Land.

Im kommenden Jahr feiert die CWS ihr zehnjähriges Bestehen, da sollen auch Alumni der CWS teilnehmen. Dazu sind viele weitere Ideen geplant. Wir haben schon überlegt, im kommenden Jahr eine weitere Reise in die Karibik zu unternehmen und dann auch vorbeizuschauen. Die Professoren von diesem Jahr werden auch vor Ort sein, wir würden uns freuen auch die kubanischen Teilnehmer wiederzutreffen. Vielleicht klappt es ja.

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