Möbel statt Müll

Architekturstudentin Victoria Davalos von der FH Münster entwickelt smarte Objekte aus Papprollen


Jürgen Gröninger, Victoria Davalos und Frederik Kopatz platzieren den selbst gebauten Mikroprozessor an der Anlage für den Laser.
Jürgen Gröninger, Victoria Davalos und Frederic Kopatz (v.l.) integrieren den selbst gebauten Schrittmotor in das Laseranlagensystem. (Foto: FH Münster/Pressestelle)
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Münster/Steinfurt (25. Januar 2018). Münster hat viele Studierende. Deshalb auch viele Copy-Shops – und viele Packmittel, die eigentlich entsorgt werden. Dazu gehören auch Papprollen. „Was für eine Verschwendung“, dachte sich Victoria Davalos, die am Fachbereich Architektur der FH Münster, der Münster School of Architecture (MSA), gerade ihre Masterarbeit schreibt. Sie plant, aus genau diesen Papprollen Möbel und Objekte herzustellen – mit dem Einsatz von digitalen Technologien. „Die möchte ich gerne nutzen, um coole Formen, neue Ideen und letztendlich auch smarte Möbel herzustellen, die eine Kommunikation zwischen Mensch und Möbelstück ermöglichen“, erklärt Davalos.

Hilfe dafür holt sie sich im Laserzentrum, das an der FH Münster am Fachbereich Physikalische Technik in Steinfurt angesiedelt ist. „Zunächst bestand nämlich das Problem, dass sich die Rollen nicht in verschiedene Teile trennen ließen ohne auszufransen. Außerdem sind sie unterschiedlich dick. Doch mit einem Laserschnitt ist das Design genau kontrollierbar.“ Der wissenschaftliche Mitarbeiter Jürgen Gröninger vom Laserzentrum war direkt angetan von der Idee und hilft, wo er kann: „Wir freuen uns immer über fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit und spannende Projekte unserer Studierenden. Und ich bin beeindruckt, wie viel technisches Wissen Victoria Davalos mitgebracht hat in die Fertigung des ersten Prototyps.“

Denn Davalos hat sich durch komplizierter Technik nicht von ihrem Ziel abbringen lassen: Durch YouTube-Tutorials hat sie sich das notwendige Wissen angeeignet, um Elektronikbauteile so zu einer Arduino Mikroprozessoreinheit zusammenzufügen und zu programmieren, dass ein Schrittmotor präzise im Takt mit einem Laser arbeitet. Auf diesen Schrittmotor klemmt sie eine konstruierte Halterung inklusive Papprolle. Der Schrittmotor dreht sich, und so kann der Laser präzise schneiden oder definierte Konturen für Halterungen heraustrennen. „Ich studiere sehr gerne im Digitalen Labor von Prof. Ulrich Blum am Fachbereich Architektur, da habe ich zum Studienstart ein Arduino Starterkoffer mit Kabeln, Sensoren und Motoren bekommen und ich dachte mir, dass das die perfekte Möglichkeit wäre, neue Arten des Entwerfens zu entdecken.“

Um die Rollen miteinander zu verbinden und Stabilität in das Möbelstück zu bekommen, benutzt Davalos einen selbst entwickelten Clip, der natürlich aus dem 3D-Laserdrucker kommt und auch Teil ihrer Masterarbeit ist. Mit ihren Ideen hat sie bereits ein Stipendium gewonnen, das es ihr ermöglicht, nach Abschluss der Thesis im digital bestens ausgestatteten Co-Working-Space fab lab am Münsteraner Hafen zu arbeiten. Tatkräftige Unterstützung in diesem interdisziplinären Projekt bekommt sie von ihrem Freund Frederik Kopatz. „Ich finde es richtig cool, nicht nur architektonisch zu denken“, sagt die Ecuadorianerin, die vor neun Jahren nach Deutschland kam. „Jeden Tag realisieren wir etwas, es gibt immer ein Ergebnis.“


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