Diese Teilstrategien geben auch die Anforderungen für unsere Prozesse (inklusive Maßnahmen und Instrumente) sowie Strukturen vor. In unserer Transferstrategie sind klare Zyklen zu erkennen: Transfer 1.0 bis Ende 2004, Transfer 2.0 bis Ende 2015 und Transfer 3.0 ab 2016.

Transfer 1.0 - Potenziale heben

Dass Forschung und Transfer heute gelebte Kernprozesse unserer Hochschule sind, beruht auf einem seit 1998 konsequent umgesetzten Grundsatz. Forschung und Lehre sind demnach gleichwertige Säulen, die wechselseitig qualitätssteigernd aufeinander wirken. Da die Lehre damals an Fachhochschulen noch deutlich im Vordergrund stand, galt es zunächst, die Potenziale in der Forschung besonders zu befördern. Deswegen haben wir ab Ende der 90er Jahre als "Forschungsoffensive" ein Anreizsystem aus zwölf Bausteinen  geschaffen.

Weiteres Ziel war es, profilbildend neue Forschungsthemen zu besetzen. Dies erfolgte durch die Beantragung einer Landesförderung für mehrere interdisziplinäre Forschungsstrukturen. Hinsichtlich des Transfers wollten wir intensiver und nun proaktiv mit den regionalen Un- ternehmen Projekte anstoßen. Die bis dahin mit nur einem Mitarbeiter besetzte und im We- sentlichen auf externe Anfragen reaktiv agierende Transferstelle wurde durch drittmittelfinan- zierte branchen-, technologie- oder regionalspezifische Projekte gezielt verstärkt. 2001 star-tete auch "Train - Transfer in Steinfurt" als gemeinsame Initiative mit dem Kreis  Steinfurt.

Transfer 2.0 - Professionalisierung von Strategien, Prozessen, Strukturen

Die Transferstrategie wurde ab 2005 mit dem HEP II sowie ab 2011 mit dem HEP III weiter- entwickelt und feinjustiert, in konkrete Maßnahmen und Instrumente übersetzt sowie erprobt und evaluiert. Die FH Münster verfügt über eine starke Prozessorientierung als Bestandteil des Qualitätsmanagements. Wir haben daher einzelne Transferaktivitäten analysiert, daraus Prozesse abgeleitet und Strukturen professionalisiert. In dieser Zeit entstanden stark verzahnte Teilstrategien u. a. zu Gründung, Beteiligungen sowie Patentierung/Verwertung.  Letztere formulierten wir damals als erste Fachhoch-schule in NRW. Wichtige Strukturelemente in der Teilstrategie zur hochschulinternen Forschungsförderung sind seitdem unsere Forschungsinstitute, mit denen wir die interdisziplinäre Forschung als Transferbasis stimuliert haben. Die auch gesetzlich geregelte Möglichkeit zu kooperativen Promotionen haben wir als Chance genutzt und damit den akademischen Mittelbau gestärkt. 2008 richteten wir als eine der ersten Fachhochschulen bundesweit  das Promotionskolleg ein und legten ergänzend ein internes Stellenprogramm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf.

Seit dem HEP II und noch stärker seit dem HEP III rückte der Aufbau von dualen Studienangeboten sowie die berufliche Weiterbildung  in den Fokus des Wissenstransfers. Wir möchten hiermit mit unserer hohen Sach- und Fachkompetenz auf das verstärkte Bedürfnis nach lebenslangem Lernen reagieren. Das Veranstaltungsangebot "PLUSPUNKT" vermittelt Studierenden Strategien für das Studium und verzahnt die Angebote von Career Service und Gründungsberatung. Und da Vertrauen einer der zentralen Faktoren für erfolgreiche Innovationspartnerschaften ist, wurde das Ziel definiert, langfristige Partnerschaften und Allianzen aufzubauen. Wir haben unsere bestehenden Partnerschaften analysiert, systematisiert und darauf aufsetzend Instrumente entwickelt, diese zu intensivieren und auf das nächste Partnerlevel  zu bringen.

Transfer 3.0 - Transfer 2020 und Teilstrategien für weitere Entwicklungsfelder

Als zentrale Elemente der zukünftigen Ausrichtung hat unsere Hochschule sieben strategische Entwicklungsfelder definiert, die den HEP IV wie ein roter Faden durchziehen. Unter dem Arbeitstitel "Transfer 2020" greifen wir die Verzahnung unserer drei Kernprozesse Bildung, Forschung und Transfer  gezielt auf, bündeln Kräfte und denken über alternative und integrierte Dienstleistungsangebote und Verwertungsformen nach. Es sollen verstärkt zielgerichtete Maßnahmen zur Erschließung und Weiterentwicklung innovativer Geschäftsfelder umgesetzt werden.

Angelehnt an die Konzepte einer "Entrepreneurial University" ist unser Kerngedanke dabei die "Committed University". Auch wenn die finanzielle Leistungsfähigkeit  für unser deutlich erweitertes Angebot langfristig gesichert werden muss, geht es uns aber nicht um Gewinn- oder Rentabilitätsstreben. "Return on Investment" können vielmehr spannende Forschungsfragen, Stärkung des Mittelbaus sowie Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, neue Partnerschaften und gesellschaftliche Impulse für eine lebenswerte, attraktive Region sein. Ergänzend zu Transfer 2020 gehen wir auch auf andere Entwicklungsfelder ein, leiten eigene Teilstrategien ab und hinterlegen sie mit (regional synchronisierten) Maßnahmen.

Austauschprozesse mit vielen gesellschaftlichen Gruppen

Die FH Münster hat sich bei "Science with and for Business" national und teilweise auch international einen Namen erarbeitet. Unsere Strategien und Maßnahmen optimieren wir stetig weiter. Im Sinne der "Third Mission" umfasst unser Transferverständnis aber auch die kulturelle, soziale beziehungsweise politische Dimension und schließt viele Gruppen ein. Vielerorts leisten Hochschulangehörige wertvolle Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen, zeigen Haltung und transferieren Werte wie beispielsweise Toleranz. Mit unserem Entwicklungsfeld "Gesundheit leben" wollen wir "Science with and for Society" nun deutlich sichtbar in der Transferstrategie verankern und klare übergeordnete Ziele definieren sowie Maßnahmen ableiten.

Denn der demografische Wandel mit seinen vielfältigen Auswirkungen auf die medizinische Versorgung und Pflege fordert die Gesundheits- und Sozialsysteme heraus - besonders im Münsterland als eher ländlich geprägtem Raum. Effiziente Gesundheitsfürsorge, Krankheitsvorbeugung und die Förderung eines unabhängigen Alterns sind unerlässlich. Lösungen sollen eine gleichberechtigte Teilhabe und das Wohlbefinden in der Gesellschaft ermöglichen, leider bei begrenztem Kostenbudget. Die FH Münster kann als neutraler Ideenkatalysator, Innovationspartner und Change Manager einen Beitrag leisten, die hohe Daseinsvorsorge und Lebensqualität im Münsterland zu sichern und die entwickelten Modelle auch auf andere Regionen zu übertragen. Folgerichtig setzen wir mit der Teilstrategie "münster.land.leben - Gesundheitsversorgung, Teilhabe und Wohlbefinden im ruralen Raum" konsequent auf unsere bisherigen Erfolgsfaktoren: den Dreiklang von strategischer, wissenschaftlich-analytischer und operativer Ebene, die Berücksichtigung zielgruppenspezifischer Anforderungen durch Einbindung relevanter Akteure entlang der vertikalen und horizontalen Wertschöpfungsketten und nicht zuletzt unsere belastbaren Partnerschaften.

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