Was brauchen erwerbstätige pflegende Angehörige?

Zwei Generationen Bietenbeck: Heike Bietenbeck pflegt neben ihrer Berufstätigkeit ihre Schwiegermutter - Foto: Nicole Jakobs

Einen Angehörigen zu pflegen ist ein Vollzeitjob - was, wenn die pflegende Person außerdem berufstätig ist? Wie lassen sich Job und Pflege vereinbaren? Mit welchen Schwierigkeiten müssen erwerbstätige pflegende Angehörige umgehen, welche Hilfen stehen ihnen zur Verfügung?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Fachkreis "Erwerbstätige pflegende Angehörige" des Gesundheitsförderungsnetzwerkes reges:BOR. Netzwerkpartner aus dem Bereich der Pflege, Anbieter von Unterstützungsleistungen und Arbeitgebervertreter analysieren darin die Angebote für pflegende Angehörige im Kreis Borken, aber auch die Hemmnisse, diese Angebote wahrzunehmen.

Befragung von Betroffenen

Was erwerbstätige pflegende Angehörige tatsächlich brauchen, können sie am besten selbst beantworten. Darum hat das Projektteam der FH Münster Ende 2019 einen Fragebogen für erwerbstätige pflegende Angehörige entwickelt. Er soll mit Hilfe der Netzwerkpartner die Situation der Betroffenen erfassen und Ansatzpunkte für die Unterstützung und Gesunderhaltung dieser häufig belasteten Gruppe liefern.

Der geplante Befragungsstart musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Zudem war schnell klar, dass der Fragebogen auch diese neue, einschneidende Situation berücksichtigen muss, um aussagekräftige Ergebnisse liefern zu können. Daher entschied das FH-Team gemeinsam mit einem Netzwerkpartner zunächst qualitative Interviews mit erwerbstätigen pflegenden Angehörigen durchzuführen.

Dank der Unterstützung des Netzwerkpartners konnten die Interviews rasch organisiert und realisiert werden. "Die Interviews ermöglichen uns einen intensiven Einblick in den Alltag pflegender Angehöriger: welchen Belastungen sie ausgesetzt sind, welche Strukturen sie im Kreis Borken nutzen, welche Ressourcen sie für ihre Gesundheit nutzen und welche Angebote sie sich für die Zukunft wünschen." Dabei liege ein Fokus auch auf den Veränderungen durch die Corona-Pandemie, sagt Dr. Corinna Gréa, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projektteam der FH Münster, die die Interviews führte.

Corona brachte auch Verbesserungen

Auch wenn die detaillierte Auswertung der Interviews noch aussteht, ist ein Ergebnis bereits ersichtlich: Für einen Großteil der Befragten haben die einschneidenden Veränderungen durch Corona auch positive Aspekte mit sich gebracht, die ihnen aus heutiger Sicht die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erleichtern.

Die Ergebnisse wird das Team der FH nutzen, um die geplante quantitative Befragung in mehreren Betrieben im Kreis Borken der aktuellen Situation anzupassen. Die Ergebnisse der Befragung werden zudem in die weitere Arbeit des Fachkreises "Erwerbstätige pflegende Angehörige" einfließen und dort mit den Expert*innen diskutiert werden. Im Februar 2021 wird der Fachkreis durch einen so genannten Intensivworkshop seinen Höhepunkt finden: Dabei werden zwei Tage lang Betroffene, aber auch Vertreter der professionellen Pflege, der Kostenträger (etwa Kassen), der Gesundheitsverwaltungen und andere zusammenkommen, um aus den Expertenergebnissen konkrete Projektideen zu entwickeln - die erwerbstätigen pflegenden Angehörigen im Kreis Borken zu Gute kommen.

reges:BOR

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