Erst in die Werkstatt, dann in den Hörsaal

Sonja Laufenberg ist eine von elf Erstsemestern, die das duale Studium Technische Orthopädie beginnen


Orthopädietechnik-Meister Tobias Quarg zeigt der Auszubildenden, wie ein Gipsmodell in Form geraspelt wird.
Orthopädietechnik-Meister Tobias Quarg zeigt der Auszubildenden, wie ein Gipsmodell in Form geraspelt wird.
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Münster/Steinfurt/Neuss (3. November 2011). Die Schleifmaschine brummt gleichmäßig, feiner Staub verteilt sich in der Werkstatt. Sorgfältig glättet Sonja Laufenberg die Kanten der Unterschenkelorthese aus Carbonfaser. Die 20-Jährige ist eine von elf Studierenden, die zum Wintersemester den dualen Bachelorstudiengang Technische Orthopädie an der Fachhochschule Münster begonnen haben. Die in das Studium integrierte Ausbildung zur Orthopädietechnikerin absolviert Laufenberg in der Neusser Niederlassung des Sanitätshauses Brockers.

„Eine Ausbildung und danach ein Studium – das hätte mir einfach zu lange gedauert“, erinnert sich Sonja Laufenberg. Den dualen Studiengang Technische Orthopädie, der in dieser Form bundesweit einzigartig ist und deshalb über das Münsterland hinaus Beachtung findet, gibt es seit dem vergangenen Jahr. Er ist als Blockmodell konzipiert. Das bedeutet, dass die Studierenden die ersten 14 Monate komplett im Unternehmen verbringen. Im dritten Semester starten die Vorlesungen und Übungen auf dem Steinfurter Campus der Fachhochschule Münster, die Ausbildung läuft dann in den Semesterferien weiter.

„Wir werden Sonja in ihrer Zeit hier bei uns möglichst viel Praxis beibringen“, sagt Tobias Quarg, Orthopädietechnik-Meister bei Brockers. Abdruck nehmen am Patienten, aus Gips Modelle von Körperteilen anfertigen und in Form raspeln sowie schließlich die fertigen Prothesen und Orthesen dem Patienten individuell anpassen – das sind Tätigkeiten, die Laufenberg während der Ausbildung erlernt. „Auch die Fähigkeit, einfühlsam zu sein und Vertrauen aufzubauen, ist in dem Beruf sehr wichtig“, betont Quarg im Hinblick auf den Patientenkontakt. In der Berufsschule, die die Studierenden einmal in der Woche besuchen, ist Pauken angesagt: Für die Gesellenprüfung nach drei Jahren müssen sie sich mit Fachbegriffen aus Anatomie und Anamnese auskennen, zum Beispiel die wichtigsten Muskeln des Menschen benennen können.

Die Studieninhalte an der Hochschule sind vielfältig. Grundlagenfächer wie Elektrotechnik und Humanbiologie stehen genauso auf dem Vorlesungsplan wie Klinische Biomechanik und Konstruktionstechnik. „Durch die enge Verzahnung von Theorie und Praxis an den drei Lernorten Hochschule, Berufskolleg und Ausbildungsbetrieb werden die Studierenden sehr gut auf die Anforderungen der Berufswelt vorbereitet“, so Studiengangsleiter Prof. Dr. Martin Trauth von der Fachhochschule Münster.

Wenn Sonja Laufenberg nach acht Semestern beide Abschlüsse in der Tasche hat, stehen ihr viele Türen offen. Eine Option ist, in dem Sanitätshaus, das ihre Familie in Oberhausen betreibt, mitzuarbeiten. Doch im Moment favorisiert sie eine andere Variante. „Ich würde gerne in die Entwicklung gehen“, so die angehende Ingenieurin. Einstiegsmöglichkeiten bieten Unternehmen, die an Prothesen und orthopädischen Hilfsmitteln forschen, aber auch die Automobilindustrie, zum Beispiel bei der Konzeption von Crashtests.

Wer an dem dualen Studiengang Technische Orthopädie interessiert ist, muss sich möglichst ein Jahr vor Studienbeginn um einen Ausbildungsplatz kümmern.




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