Partnerschaft für eine maßgeschneiderte Förderung

Fachhochschule Münster und Erich Kästner-Schule arbeiten im Autismus-Projekt zusammen


Prof. Dr. Hanns Rüdiger Röttgers, Ute van Ellen, Ulrich Eisenhardt
Die Erich Kästner-Schule wird Partnerschule des „Münsteraner Intensivprogramms für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen“, einem Projekt an der Fachhochschule Münster. Prof. Dr. Hanns Rüdiger Röttgers (r.), Schulleiter Ulrich Eisenhardt und seine Stellvertreterin Ute van Ellen versprechen sich davon eine optimale Förderung der Kinder. (Foto: FH Münster Pressestelle)

Münster (4. April 2012). Autistische Störungen führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und wirksam behandelt werden, zu schweren Beeinträchtigungen der Kommunikation und des sozialen Miteinanders. Prof. Dr. Hanns Rüdiger Röttgers vom Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Münster hat deshalb vor einigen Jahren ein Modellprojekt für Familien initiiert, das auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert: Das „Münsteraner Intensivprogramm für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen" (MIA).

Einige der mit diesem Programm geförderten Kinder gehen in die Erich Kästner-Schule Münster. Sie ist nun erste Partnerschule von MIA. „Die Fachhochschule bietet ein Multimedia-Schulungsprogramm für betroffene Eltern und Lehrer mit Fortbildungen, Informationen und Supervision an", erklärt Röttgers. Außerdem qualifiziert der Hochschullehrer im Praxisprojekt „Autismus-Frühintervention" Studierende zu Schulbegleitern und Integrationshelfern. Sie unterstützen Kinder zu Hause, in Kindergärten, im Schulalltag oder im Sportverein. Eingebunden sind zudem Studierende des Masterstudiengangs Clinical Casework mit der Vertiefungsrichtung Autismus.

Die Erich Kästner-Schule als Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache sei wiederum ein idealer Projektpartner: Sie arbeitet auf der Basis des regulären Grundschulcurriculums und ermöglicht für die Mehrzahl ihrer Schüler den Wechsel in die Regelgrundschulen oder den Übergang in alle weiterführenden Schulformen. Das schaffen immerhin 60 Prozent. „Dieser Erfolg ist mehreren Aspekten zu verdanken: sonderpädagogisch qualifizierten Lehrkräften, kleinen Klassen mit maximal 14 Schülern, einer vorgeschalteten Eingangsklasse und der Orientierung am Stand des jeweiligen Kindes", berichtet Schulleiter Ulrich Eisenhardt. „Optimale Voraussetzungen für die zurzeit sechs Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen", ergänzt Röttgers.

Das Schulkollegium habe neueste Erkenntnisse bereits in den Unterricht übernommen und so für die „Projektkinder" echte Chancen eröffnet. Röttgers: „Die Lehrer der Schule arbeiten genau so, wie es für autistische Kinder erforderlich ist: Der Unterricht ist klar strukturiert, optische Hilfen machen den Alltag auch für autistische Kinder verständlich und berechenbar, die Leistungsanforderungen sind individualisiert."

„Die Erich Kästner-Schule heißt Kinder mit autistischen Störungen und ihre Familien willkommen", so Eisenhardt. Die Unsicherheit, eine passende Schule für ihre Kinder zu finden, sei für Eltern groß. Mit dieser Kooperation können sie sich sicher sein: „Die Erich Kästner-Schule wird für autistische Kinder der Ort werden, in dem sie eine maßgeschneiderte Förderung und eine echte, langfristige Chance bekommen."


Zum Thema:


Das „Münsteraner Intensivprogramm für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen" (MIA) fördert Kinder im Vor- und Grundschulalter durch ein intensives verhaltenstherapeutisches Programm. Es geht speziell auf die Bereiche ein, in denen sie Defizite aufweisen. Neben der Sprache sind dies typischerweise Alltagsfähigkeiten wie Selbstständigkeit beim Essen, bei der Körperpflege und Freizeitgestaltung. Gleichzeitig werden für verschiedene Situationen alternative und sinnvollere Verhaltensweisen und Fähigkeiten entwickelt. Etwa wenn problematisches Verhalten wie unbeherrschbare Wutanfälle oder ein Verharren in Stereotypien und in immer wiederkehrenden, unproduktiven Tätigkeiten auftritt.

„Mit MIA ist eine wirksame Hilfe möglich", sagt Röttgers. Fundierte Angebote seien in Deutschland noch die Ausnahme, auch gebe es in NRW keine entsprechende Förderschule. Dabei könne bei möglichst früher Unterstützung der erste Baustein für weiteres Lernen und eine gute Lebensqualität fast immer erreicht werden: das Sprechen. „Jede Gelegenheit ist eine Lerngelegenheit", sagt Röttgers. Dies spiegele sich in den 30 Stunden wöchentlich wider, in denen sich MIA mit den Kindern beschäftigt. „Mitunter holen sie in sechs Monaten ein Entwicklungsdefizit von zwei Jahren auf."




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