Überraschend: eine Kapelle aus schmalen Betonstäben

Architekturstudentinnen erhielten Auszeichnung für ihren Wettbewerbsentwurf „Inopinata“


Entwurf
„Inopinata“ heißt der Entwurf von Ursula Hardt und Ines Czarnecki. (Foto: Fabian Puller)
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Münster (7. Juli 2015). Eine Kapelle auf einer kleinen Insel im bayerischen Eibsee - diese Vision hatten Ursula Hardt und Ines Czarnecki vor Augen, bevor sie sich am Concrete Design Competition mit dem Thema „Structure" beteiligten. Die Studentinnen am Fachbereich Architektur der FH Münster, der münster school of architecture (msa), reichten für den Wettbewerbsbeitrag ihren Entwurf aus dem Seminar Baukonstruktion des Wintersemesters 2014/2015 ein. „Die Teilnahme am Wettbewerb hatten wir dabei immer im Hinterkopf", sagt Czarnecki. Die einzige Vorgabe des Veranstalters, der InformationsZentrum Beton GmbH, war es, als Baumaterial primär Beton zu verwenden.

Die Masterstudentinnen nannten ihren Entwurf „Inopinata" - lateinisch für „überraschend". Denn die Kapelle hält für die Besucher immer wieder neue Ausblicke in die umliegende Berg- und Seenlandschaft bereit. Die verschiedenen Perspektiven ergeben sich, weil die angehenden Architektinnen für die in Würfelform gebaute Kapelle mit einer Kantenlänge von zehn Metern die Schichtung von schmalen vorgefertigten Textilbetonstäben vorsehen. Dabei liegen die Stäbe jeder Schicht parallel zueinander mit einem Abstand von einem Meter, wobei ihre Richtung mit jeder Schicht wechselt. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Richtungen und Winkel, die Hardt und Czarnecki aus Daten des Eibsees wie Tiefe, Länge und Umfang abgeleitet haben. Der über zwei schmale Zugänge betretbare „Innenraum" der Kapelle ist ein kleiner, polygonal geformter Hohlraum in der Masse der Stäbe. So ändern sich mit der Tages- und Jahreszeit Lichteinfall und Atmosphäre im Innern der Kapelle.

Der Entwurf fand bei den Juroren eine so große Zustimmung, dass sie die Verfasserinnen als eines von drei Gewinnerteams auszeichneten. Als besonders überzeugend wertete die Jury die Idee, die traditionell raumbildenden Elemente Wand und Decke aufzulösen und ein Raumerlebnis rein aus der Struktur gefügter Stäbe zu entwickeln. „Wir freuen uns sehr über den Erfolg und die gewonnene viertägige Reise nach Venedig samt Einladung zur Internationalen Architekturbiennale 2016", sagte Hardt.

Eine Anerkennung bei dem Wettbewerb, an dem sich 135 Studierende von 33 deutschen Hochschulen beteiligten, erhielten ihre Kommilitoninnen Maike Ahling und Tina Schütte für ihren Entwurf „verSTECKT". In ihm fügten sie der denkmalgeschützten Ruine einer mittelalterlichen Wasserburg einen Festsaal als temporären Veranstaltungsort hinzu.




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