Der große Spielkarten-Check

Masterstudierende der FH Münster setzen industrielle Bildverarbeitung in eigenen Projekten ein


Alica Leiers und Jonas Homrighausen
Ihr Programm erkennt Musiknoten, selbst wenn sie nur abfotografiert werden: Alica Leiers und Jonas Homrighausen machen den Test. (Foto: FH Münster/Theresa Gerks)
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Münster/Steinfurt (10. Februar 2020). Die Idee für seine Projektarbeit ist Christian Herrmann im Zug eingefallen. „Ich kaufe online gern gebrauchte Spielkarten“, erzählt er. Und während er die Listen mit angebotenen Karten durchscrollte, fragte er sich: Wie kann man eigentlich feststellen, ob es sich bei der gebrauchten Karte um eine gut oder schlecht erhaltene Karte handelt? „Viele Karten haben ja Gebrauchsspuren – Kratzer, Knicke, Löcher.“ Seine Projektarbeitsidee war geboren. Zusammen mit seinen Kommilitonen Alexander Sundermeier, Adrian Schulz und Marc Otten hat er einen Apparat konstruiert, der genau das beantwortet: Nämlich automatisch erkennt, welche Mängel die eingelegte Karte hat. Das Ganze ist entstanden in der Veranstaltung „Industrielle Bildverarbeitung“ am Fachbereich Physikingenieurwesen der FH Münster, in der Masterstudierende ein Projekt nach ihrer eigenen Idee umsetzen.

„Gerade im professionellen Karten-Grading ist der Zustand von seltenen Karten ein Riesending, um einen entsprechenden Verkaufswert festzulegen“, erläutert Sundermeier. „Das geht so weit, dass manche Karten sogar manipuliert werden. Wir wollen einen objektiven Rahmen für diese Fälle schaffen.“ Das Analysegerät der Gruppe ordnet in diesem Fall dem Zustand von Yu-Gi-Oh!-Karten – Sammelkarten einer japanischen Manga-Serie, deren seltene Exemplare online für mehrere Tausend Euro gehandelt werden – einen spezifischen Wert zu; so lassen sich einzelne Karten einfach miteinander vergleichen.

Eine andere Gruppe hat eine Software entwickelt, die Noten vom Blatt selbstständig erkennt. „Für eingescannte Noten gibt es schon Programme. Es gibt aber noch keines, bei dem man seine Noten einfach abfotografieren kann“, erklärt Jonas Homrighausen. „Das war unsere Herausforderung.“ Der Computer muss nämlich in der Lage sein, das Bild – das er selbst nur als schwarze und weiße Pixel wahrnimmt – in die richtigen Musiknoten inklusive Pausentaktung umzuwandeln. Homrighausen hat deshalb zusammen mit seinen Kommilitonen Alica Leiers, Andre Strotmeier und Marieke Wewers ein komplett neues Programm mit mehr als 1000 Zeilen Code geschrieben. Jetzt funktioniert es und läuft sogar, wenn man das Notenblatt mit dem Smartphone abknipst: Foto machen, der Computer rechnet und zeigt schlussendlich die Notenbezeichnungen an. Er kann sie sogar selbst in verschiedenen Synthesizer-Modi abspielen.

„Die Studierenden haben höchst aktuelle Fragestellungen aus der industriellen Bildverarbeitung hier im Praktikum auf eigene Projekte übertragen“, lobt Prof. Dr. Thomas Rose. „Oberflächenfehler werden für die Qualitätskontrolle heutzutage sehr häufig per Kamera ermittelt.“ Genauso wichtig war aber auch das Projektmanagement. „Im Kern geht es uns darum, dass die Studierenden einen Lernprozess durchlaufen. Dass sie frei ein Projekt angehen und sich organisieren. Und dabei einen Schritt zurückgehen und einen neuen Ansatz ausprobieren, wenn mal etwas nicht klappt“, erklärt Marek Michalewicz, der die Veranstaltung als wissenschaftlicher Mitarbeiter betreut.




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