Wissenschaftlerteam der FH Münster gewinnt den Biogas-Innovationspreis der Deutschen Landwirtschaft

Dr. Elmar Brügging und Tobias Weide erhalten Auszeichnung für ihre Forschungsarbeit zur dunklen Fermentation


Preisträger
Preisverleihung mit Abstand (v.l.): Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Dr. Elmar Brügging und Tobias Weide von der FH Münster, Prof. Dr. Michael Nelles, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Deutschen Biomasseforschungszentrums gGmbH (DBFZ). (Foto: DBFZ)

Münster/Steinfurt (26. November 2020). Noch ist es Zukunftsmusik, geht es aber nach Dr. Elmar Brügging und Tobias Weide von der FH Münster, wird es in absehbarer Zeit Realität: Biogasanlagen produzieren nicht nur Methan, sondern gleichzeitig auch Wasserstoff. Möglich macht das die sogenannte dunkle Fermentation, die die beiden Wissenschaftler seit rund vier Jahren erforschen, unter anderem im Rahmen des deutsch-niederländischen Interreg VA Projekts BioTecH2. Und dafür wurden sie jetzt ausgezeichnet – mit dem Biogas-Innovationspreis in der Kategorie Wissenschaft der Deutschen Landwirtschaft. Wegen Corona fand die Preisverleihung gestern (25. November) digital statt.

Bei der dunklen Fermentation werden organische Stoffe in einer zweistufigen Versuchsanlage von Mikroorganismen unter Abwesenheit von Sauerstoff und Licht vor allem in Wasserstoff und flüchtige organische Säuren umgewandelt. Und das funktioniert tatsächlich, erläutert Brügging. „Wir wissen inzwischen, dass durch dieses Verfahren Wasserstoff in gleicher Qualität erzeugt werden kann wie Biogasanlagen Methan produzieren.“ Zum Einsatz kommen vor allem Reststoffe, die ansonsten ungenutzt bleiben. „Wir verwenden vor allem Abwasser aus der Lebensmittelindustrie, weil darin besonders viel Zucker und Stärke enthalten ist. Damit funktioniert das Verfahren aktuell noch am besten“, so Doktorand Weide. Passend zu seiner Forschung hatte er die dunkle Fermentation als Vortragsthema beim Biogas-Innovationskongress eingereicht.

Ihr Verfahren ist vielversprechend, jetzt wollen die beiden Wissenschaftler das Spektrum erweitern – durch das Projekt „HyTech“. „Momentan bewegen wir uns noch im Technikumsmaßstab, also in einer Größenordnung von zehn bis 100 Litern. Das soll sich ändern. Wir möchten in den Pilotmaßstab, um unser Verfahren startklar zu machen für die Anwendung in der Industrie“, sagt Brügging. Das Abwasser weist durch die dunkle Fermentation und anschließende Methanerzeugung als vorgereinigtes Abwasser deutlich geringe Schmutzfrachten auf. „Es gibt aber noch weitere Anwendungsfelder, die wir erforschen wollen.“ Die Resonanz der Industrieunternehmen auf die Abwasserthematik sei bislang oft gering. „Die Abwasserbehandlung wird sehr stiefmütterlich behandelt, ist aber absolut notwendig. Wir wollen das Thema attraktiver machen und dafür sorgen, CO2-reduzierte Energieträger wie Wasserstoff und Methan tatsächlich in Betrieben einzusetzen“, erklärt Weide. Nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes, sondern auch mit Blick auf die Preisentwicklung von CO2 sei das ein erstrebenswertes Ziel.

Der Biogas-Innovationspreis in der Kategorie Wissenschaft der Deutschen Landwirtschaft ist mit 10.000 Euro dotiert.




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