Kulturgüter im Notfall effektiv schützen

Studierende der FH Münster visualisieren die wichtigsten Handlungsschritte – Material frei nutzbar


Hände, die das aufgeschlagene Handbuch halten
Zu den von den Designer*innen entwickelten Materialien gehört ein umfangreiches Handbuch, das sämtliche Organisationsstufen von der Bergung, Erstversorgung und Dokumentation bis hin zum Transport mit Hilfe von schnell verständlichen Illustrationen erläutert. (Foto: Tobias Moser)
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Münster (29. März 2022). Im Notfall muss es schnell gehen − aber trotzdem planvoll und effektiv. Nur so können wertvolle Kulturgüter, Kunstgegenstände und empfindliche Archivalien, die durch Hochwasser, Brand oder sonstige Katastrophen bedroht sind, effektiv gerettet werden. „Bei unseren Einsätzen sind wir auf freiwillige Helferinnen und Helfer angewiesen, die wir zügig einweisen müssen“, erklärt Birgit Geller. „Dies wird uns jetzt zum Glück deutlich leichter von der Hand gehen“, so die Leiterin der Restaurierungswerkstatt des LWL-Archivamts für Westfalen, die unter anderem bei der verheerenden Flutkatastrophe des letzten Sommers im Einsatz war. Denn ab sofort können sie und ihre Fachkolleg*innen auf ein visuelles Leit- und Anleitungssystem zurückgreifen, das vier Nachwuchsdesigner*innen der FH Münster entwickelt haben. Unter fh.ms/kultur-notfall stehen die entwickelten Materialien allen Interessierten zur Verfügung.

Dazu gehören unter anderem ein Handbuch mit schnell verständlichen Illustrationen – gedruckt auf reißfestem und wasserfesten Material –, Roll-ups mit kurzen Anweisungen zur Übersicht und ein visuelles Leitsystem. „Es ist wirklich toll, was die Studierenden geleistet haben“, lobt Dr. Sabine Happ vom Universitätsarchiv der WWU Münster. Sie hatte im letzten Jahr – damals noch in ihrer Funktion als Leiterin des Notfallverbunds Münster – Unterstützung beim Fachbereich Design der FH Münster, der Münster School of Design (MSD), gesucht: „Wir haben uns gefragt, wie wir Helferinnen und Helfern in akuten Notfallsituationen die zielgerichtete Vorgehensweise schneller und effektiver vermitteln können.“

In einem Kommunikationsdesign-Praxisseminar entstanden daraufhin Ideen, die Happ so begeisterten, dass sie erfolgreich einen Förderantrag bei der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) stellte. Dadurch konnte sie das Modellprojekt dann tatsächlich bei den Studierenden Hanna Breimann, Kim Janke, Tobias Moser und Annemarie Woeste in Auftrag geben. „Jetzt haben wir das Material an all unsere Partnerorganisationen und die Feuerwehr verteilt, sodass es im Notfall direkt zur Hand ist. Aber auch bei Schulungen, die wir regelmäßig durchführen, wird es zum Einsatz kommen“, erklärt die Historikerin. Damit es auch deutschlandweit genutzt werden kann, stellt der Notfallverbund Münster alle Materialien frei zum Download zur Verfügung.

Für die vier jungen Nachwuchsdesigner*innen war es ein tolles Gefühl, die Ergebnisse ihrer Arbeit nun tatsächlich vor Augen zu haben. „Bei dem Projekt haben wir sehr viel gelernt und viele spannende Erfahrungen gemacht“, berichtet Woeste. „Mitten im Projekt kam dann die schreckliche Flutkatastrophe, die unsere Arbeit direkt betroffen und uns gezeigt hat, wie aktuell das Thema wirklich ist“, ergänzt Moser. Alle vier haben mittlerweile erfolgreich ihren Bachelorabschluss gemeistert und studieren nun in diversen Masterprogrammen weiter.




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