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Fabian Schade und Marius Leetz genießen den abendlichen Blick auf die Stadt Medellín während ihres Auslandssemesters in Kolumbien.

Wenn die erste Vorlesung die letzte ist – das etwas andere Auslandssemester in Kolumbien

Tanzende Menschen, rufende Straßenhändler, die köstliche Früchte anbieten, und der Duft von frittiertem Essen in den bunten Straßen von Medellín – so startete das Auslandssemester von Fabian Schade und Marius Leetz in Kolumbien. „Es kam dann doch irgendwie alles anders als gedacht“, sagten die Masterstudenten. Denn mit Ausbruch des Coronavirus änderten sich die Umstände des Aufenthalts in Lateinamerika gravierend.

Wenn die erste Vorlesung die letzte ist – das etwas andere Auslandssemester in Kolumbien

Tanzende Menschen, rufende Straßenhändler, die köstliche Früchte anbieten, und der Duft von frittiertem Essen in den bunten Straßen von Medellín – so startete das Auslandssemester von Fabian Schade und Marius Leetz in Kolumbien. „Es kam dann doch irgendwie alles anders als gedacht“, sagten die Masterstudenten. Denn mit Ausbruch des Coronavirus änderten sich die Umstände des Aufenthalts in Lateinamerika gravierend.

Marius und Fabian wussten immer, dass sie Erfahrungen im Ausland sammeln wollten, um den eigenen Horizont zu erweitern und über den Tellerrand hinaus zu blicken. Fabian erfuhr von Prof. Dr. Eckhard Finke, Dekan unseres Fachbereichs Maschinenbau, von der Möglichkeit, für ein Semester an der Universidad Pontificia Bolivariana (UPB) in der kolumbianischen Metropole Medellín zu studieren. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Marius Leetz flog er dann im Februar los ins Unbekannte. Als sie von ihrer Vermieterin und deren Mutter mit Empanadas und anderen kolumbianischen Köstlichkeiten am Flughafen abgeholt und begrüßt wurden, waren die beiden direkt begeistert von der unglaublichen Gastfreundschaft, die ihnen entgegengebracht wurde. “In die Menschen Medellíns, auch Paisas genannt, haben wir uns einfach sofort verliebt. So eine Offenheit und Herzlichkeit sind wir aus dem heimischen Westfalen gar nicht gewohnt.”, merkt Marius schmunzelnd an. In den ersten Tagen entdeckten die beiden sowohl die spannende Metropole selbst, als auch den Campus der UPB. „Der ist dort wirklich gigantisch. Wie eine abgeschlossene Stadt mit vielen Laboren, aber auch Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung wie einem Schwimmbad oder Fitnessstudio. Um den Campus zu betreten, benötigt man einen Ausweis, welchen wir direkt am ersten Tag bekommen haben“, erklärt Fabian. Da die Kurse in Kolumbien zeitversetzt starten, konnten sie im ersten Monat einen Intensivsprachkurs besuchen und mit anderen Austauschstudierenden die spanische Sprache trainieren. Dann folgte die erste Vorlesung – doch leider blieb diese auch die letzte, denn in Kolumbien wurde wegen des Coronavirus eine strenge Quarantäne verhängt.

Fabian Schade und Marius Leetz genießen den abendlichen Blick auf die Stadt Medellín während ihres Auslandssemesters in Kolumbien.
Fabian Schade und Marius Leetz genießen den abendlichen Blick auf die Stadt Medellín während ihres Auslandssemesters in Kolumbien.

Die Hochschule wurde daraufhin komplett geschlossen und so begannen auch dort die Online-Kurse – drei Monate Lockdown. „Zurückzufliegen war keine Option, zu viele Pläne, Erwartungen und Ziele lagen noch vor uns“, sagt Marius. Ihr Vorhaben, in der freien Zeit nach dem Studium durch Kolumbien zu reisen und insbesondere Medellín nach und nach zu erkunden, wollten sie aber trotzdem nicht aufgeben. Anfangs durften sie, abhängig von der letzten Zahl des kolumbianischen Personalausweises, jeden dritten Tag eine Stunde einkaufen, dann jeden zweiten Tag, und irgendwann durfte jeder zwei Stunden täglich raus, um Sport zu machen. Ähnliche Regelungen wurden auch in anderen Ländern Lateinamerikas umgesetzt.vAn den Wochenenden herrschte trotzdem eine komplette Ausgangssperre. 

Neben dem Studium blieb noch etwas Zeit, um in der Hängematte mit einem Buch das Leben zu genießen.
Neben dem Studium blieb noch etwas Zeit, um in der Hängematte mit einem Buch das Leben zu genießen.

Nach den drei Monaten mit Ausgangssperre, Onlinevorlesungen und sportlicher Betätigung in den eigenen vier Wänden bekamen Marius und Fabian dann doch noch eine Umzugsgenehmigung und konnten dadurch drei weitere Orte entdecken – natürlich unter Coronabedingungen mit Einhaltung der Abstands- und Maskenpflicht. Sie lebten einen Monat in den Bergen Medellíns in Santa Elena und zwei Wochen in Guarne, im Nordwesten des Landes gelegen, und entdeckten zwei Wochen lang Wasserfälle und Kaffeefarmen in San Rafael, wo sie Affen und viele bunte Vögel direkt vor der Haustür entdecken konnten. Vor Ort lebten sie in WGs mit Einheimischen. „Für unser Spanisch war es optimal. Anfangs sprachen wir die Sprache kaum, inzwischen verstehen wir fast alles“, fasst Fabian zusammen. “Und neben der Sprache natürlich das Eintauchen in die unbekannte Kultur mit ihren besonderen Facetten und anderen Ansichten. Eben genau die ersehnte Blickfelderweiterung.”, fügt Marius an.

Ein Angelausflug mit den „Parceros“ durfte auf ihrer Reise natürlich auch nicht fehlen.
Ein Angelausflug mit den „Parceros“ durfte auf ihrer Reise natürlich auch nicht fehlen.

Für ihre Reise hatten sie nur den Hinflug gebucht – einen Rückflug haben die beiden privat nicht mehr bekommen können, da die internationalen Flughäfen in Kolumbien komplett geschlossen wurden. Anfang Juli meldeten sie sich deshalb beim Auswärtigen Amt. Sie bewarben sich dann auf humanitäre Flüge zurück in die Heimat, warteten und bekamen wenige Tage vor Abflug die Nachricht, Mitte Juli von Bogotá aus zurück nach Deutschland fliegen zu können. Die Flüge mussten selbst bezahlt werden, waren aber vom Staat organisiert. Freunde der beiden brachten sie in die kolumbianische Hauptstadt Bogota, wo der deutsche Zoll die Passkontrolle übernommen und Fieber gemessen hat. “Die Rückreise war nochmal ein unglaubliches Abenteuer: Mit einem völlig überfüllten Kleinwagen, die Latin-Beats aus dem Radio schallend, haben wir uns den Weg gen Bogota gebahnt.”, erklärt Fabian lächelnd. Quarantäne und Coronatest folgten dann in Deutschland. „Wir wussten nur aus dem Internet und von Freunden, wie man sich hier zu verhalten hat“, sagt Marius über die Rückkehr nach Hause. „In Kolumbien hatte jeder durchgehend eine Maske auf. Essen kann man sich nur liefern lassen. In Deutschland konnte man seinem Leben zu diesem Zeitpunkt fast normal nachgehen.“

Feierabend! Nach getaner Arbeit genießen sie den Sonnenuntergang in Santa Elena.
Feierabend! Nach getaner Arbeit genießen sie den Sonnenuntergang in Santa Elena.

Marius und Fabian ziehen aber trotz allem ein sehr positives Fazit aus ihrem Auslandsaufenthalt: „Sowohl das Studium, die vielen Erfahrungen als auch die beiden letzten Monate in den Bergen Medellíns waren es wirklich wert! Die Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit der Kolumbianer gegenüber Fremden ist einfach toll. Das können wir Deutschen definitiv noch von dort lernen. Wir können wirklich nur jedem Studenten ans Herz legen ein solches Semester zu realisieren, insbesondere in Südamerika, weil hier einfach die Kultur eine völlig andere ist.” Fabian und Marius möchten auch in Zukunft wieder dorthin zurückkehren, ihre kolumbianischen Freunde besuchen und das Land weiter kennenlernen. “Wir haben das Buch gerade erst geöffnet, dort sind noch viele, viele ungelesene Seiten zu entdecken.”

Von Lisa Feldkamp


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