Kaufen oder lassen? So treffen wir Entscheidungen!

Weihnachten naht und damit die alljährliche Herausforderung, Geschenke zu besorgen – nicht nur für andere, sondern vielleicht auch für sich selbst. Die Entscheidung, ob man etwas kauft oder nicht, treffen wir spontan oder aber wohlüberlegt. Wie das funktioniert und wie sehr uns dabei Emotionen beeinflussen, erklärt Prof. Dr. Klaus-Ulrich Remmerbach vom ITB unserer Hochschule. Er lehrt Unternehmensführung, Wirtschaftsethik und Behavioral Management.  

Herr Prof. Remmerbach, wie treffen wir Entscheidungen?

Da unterscheiden wir grob zwischen zwei Arten. Auf der einen Seite entscheiden wir oft spontan. In diesen Fällen sprechen wir von System eins, das auf subjektiven Empfindungen, Gefühlen und Erfahrungen basiert. Dieses System ist besonders anfällig für emotionale Einflüsse, funktioniert aber in den meisten Fällen ausreichend genau und benötigt weniger kognitive Ressourcen. Auf der anderen Seite gibt es Entscheidungen, die besondere Aufmerksamkeit erfordern und nicht so schnell aus dem Bauch getroffen werden, dort sprechen wir von System zwei. Wenn wir beispielsweise ein neues Auto kaufen, müssen wir verschiedene Aspekte beachten: Was kann ich mir leisten? Wie viele Personen muss ich transportieren? Wie groß soll der Kofferraum sein? Nehme ich einen Benziner, einen Diesel oder ein Elektroauto? Aber selbst hier sehen wir, dass Emotionen einen großen Einfluss auf unsere Wahl haben. Die vielen großen SUVs in den Innenstädten sind sicherlich nicht ausschließlich das Ergebnis von rein rationalen Einflussfaktoren.

 

Unsere Entscheidungen sind also immer geprägt von Emotionen?

Wer eine Entscheidung trifft, kann erst mal nur das bewerten, was er zu diesem Zeitpunkt weiß und kennt. Wir können nicht in die Zukunft blicken, und wir erfahren erst im Nachhinein, ob wir eher richtig oder eher falsch gehandelt haben. So bilden wir eine Erinnerung, die uns in der nächsten Situation wieder beeinflusst. Natürlich hat das, was uns momentan bewegt, besonders großen Einfluss. Wir sind außerdem stark visuell geprägt. Sehen wir in den Nachrichten emotionale Bilder von Katastrophen, sind wir eher bereit, Geld zu spenden. Auch Verlustängste spielen bei Entscheidungen eine große Rolle. Wetten gehen wir meistens nur ein, weil wir uns einen größeren Gewinn erhoffen, als wir bereit sind einzusetzen. Wir nehmen erst dann einen Verlust in Kauf, wenn wir dabei die Chance haben, unseren Gewinn zu verdoppeln. Und nicht zuletzt versuchen wir immer eine Alternative zu wählen, mit der wir danach glücklicher sind als vorher. Wir prognostizieren also einen zukünftigen Emotionszustand.

 

Wie lässt sich Glück denn erreichen?

Leider ist das nicht so einfach zu beantworten. Schon die einzelnen Wissenschaften definieren Glück unterschiedlich. Glück ist ja auch immer etwas ganz Subjektives: Denken wir beispielsweise an eine bestimmte Situation oder an ein Ereignis zurück, das wir mit anderen geteilt haben, wird jeder Beteiligte andere Erinnerungen daran haben, was ihn am meisten beeindruckt, verängstigt oder gefallen hat. Unsere Gene spielen beim Thema Glück übrigens eine große Rolle: Ob wir mehrheitlich glücklich oder unglücklich sind, wird zur Hälfte durch biologische Gegebenheiten vorbestimmt. Das belegen verschiedene Studien der psychologischen Glücksforschung.

 

Wir haben unser Glück also nur bedingt selbst in der Hand?

Es gibt viele Faktoren, die wir aktiv beeinflussen können, um unserer Vorstellung von Glück näher zu kommen: In welchem Umfeld leben wir? Woran glauben wir? Befragt man beispielsweise Menschen in den USA und in Mexiko nach ihrem Glücksempfinden, wird man in beiden Ländern ähnliche Ergebnisse erhalten. Und das, obwohl das US-amerikanische Durchschnittseinkommen dreimal so hoch ist wie das in Mexiko. Die Werteorientierung in den einzelnen Kulturen spielt hierbei eine große Rolle. In der Ökonomie stellt sich die Frage: Wie wichtig ist der Beruf für unser Glück? Geld ist hier gar nicht so ein großes Thema, sofern wir die wichtigsten Grundbedürfnisse decken können. Ab einem Jahreseinkommen von etwa 60.000 Dollar kann kein Zusammenhang mehr zwischen Einkommen und persönlichem Glücksempfinden nachgewiesen werden.

 

Passend zum Thema hat Prof. Remmerbach einen Arbeitsbericht veröffentlicht. Er trägt den Titel „Glück, Enttäuschung und Bedauern – Emotionale Einflüsse auf Entscheidungen“ und ist im Verlag der FH Münster erschienen. 

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