Kardiotechnik intensiv: Medizintechnik-Studierende hospitieren im OP

Die Herz-Lungen-Maschine gehört logischerweise zur Standardausstattung im OP – und deshalb hat auch unser Zentrum für Medizintechnik (ZEM) eine. Wie sie funktioniert und bedient wird, das lernen die Studierenden unter anderem im Modul Kardiotechnik: an fünf Blocktagen mit intensiver Theorie und Praxis. Zum Abschluss des Moduls ging es jetzt für eine Exkursion an die Medizinische Hochschule Hannover (MHH).

Jörg Optenhöfel verantwortet dort den Bereich der Kardiotechnik, und leitet jährlich im Sommersemester das Modul bei uns in Steinfurt. Am MHH hatte er für die Studierenden zunächst vier Vorträge von Herzchirurgen organisiert. Einige hatten Videos von Herzoperationen mitgebracht. „Es war sehr spannend, die Medizintechnik und Kardiotechnik auch mal aus Ärztesicht zu hören“, erzählt Niels Hinricher, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZEM, der die 20 Studierenden auf ihrer Exkursion zusammen mit seinem Kollegen Maximilian Kehmann begleitete. Eine Assistenzärztin hatte sogar drei Patienten eingeladen, die eine Herzpumpe – einen sogenannten Left Ventricular Assist Device – implantiert bekommen haben und das dazugehörige Akku-Pack um den Hals oder um die Hüfte gegurtet mit sich herumtragen. Sie erzählten von ihrem Alltag mit dem Zweieinhalb-Kilo-Päckchen, von täglicher Physiotherapie und wie es sich anfühlt, wenn das eigene Leben von Medizintechnik abhängt.

Nach den Vorträgen und dem Besuch der Patienten hatte die Studierenden-Gruppe noch die Chance, Kardiotechnik live im OP zu sehen. In einem Saal waren sie mit dabei, wie die Chirurgen einen Bypass am Herzen setzten – mit einem Schnitt unter der Brust wurde der Brustkorb geöffnet, das Herz schlug währenddessen weiter. Die Haut war mit Jod eingepinselt. In der Kinderherzchirurgie durften sie bei einer komplizierten Aortenbogen-Rekonstruktion dabei sein – am Rande des Saals, aber natürlich voll ausgestattet mit Haube, OP-Kleidung und Mundschutz – und die Atmosphäre bei einer solch überlebenswichtigen Operation miterleben. Durchgeführt hat diese Dr. Alexander Horke, der vorher noch bei den Hörsaal-Vorträgen mit dabei war. „Es ist super, dass wir die Möglichkeit dazu bekommen haben“, sagt Hinricher.

Die Zusammenarbeit zwischen unserer Hochschule und der MHH besteht seit mehr als fünf Jahren. ZEM-Leiter Prof. Dr. Claus Backhaus und Optenhöfel wollen das Modul Kardiotechnik auch nutzen, um das theoretische Wissen zu vermitteln, das Absolventen benötigen, wenn sie Kardiotechniker werden wollen. Diese Fachkräfte sind stark nachgefragt. „Die Motivation seitens der MHH ist also auch, Nachwuchs für Kardiotechniker zu gewinnen, und tatsächlich arbeiten jetzt ein paar unserer Absolventen dort oder als Kardiotechniker am UKM“, so Hinricher.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Widerruf finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Seite drucken