Funktionsfähig trotz Corona: Warum die Krise auch eine Chance sein kann

Plötzlich ging es ganz schnell: Viele Unternehmen und Hochschulen schickten ihre Angestellten – sofern die Arbeitsprozesse es erlaubten – ins Homeoffice. Möglich macht das die IT. Welche Chancen die Digitalisierung jetzt bietet und warum sie aber kein Allheilmittel ist, erklärt Prof. Dr. Wieland Appelfeller vom Institut für Prozessmanagement und digitale Transformation (IPD) der FH Münster.

Herr Prof. Appelfeller, wie bleiben Unternehmen oder Hochschulen in Zeiten der Coronakrise funktionsfähig?

Das gelingt unter anderem durch IT. Denn sie macht es möglich, dass jetzt viele Beschäftigte, gerade jene in administrativen Prozessen, von zu Hause aus arbeiten können – sofern der Zugriff auf die entsprechenden Systeme gewährleistet ist. Meetings finden dann über virtuelle Räume oder Telefonkonferenzen statt. Und was die Hochschulen betrifft: Für sie kann die Coronakrise eine Chance sein, noch mehr Online-Lehre zu etablieren. Aber alle Probleme löst die Digitalisierung bei weitem nicht.

Welche denn nicht?

Zum Beispiel die Problematik der Kinderbetreuung. IT sorgt auch nicht dafür, dass in der Produktion Arbeitsplätze in größere Räume verlagert werden, um Abstand zu halten. IT ersetzt nicht die fehlenden Zulieferteile in der Produktion. Und IT füllt nicht leere Restaurants und Geschäfte.

Aber grundsätzlich ist doch die Weiterarbeit an den Hochschulen im Vergleich zu der in Industrieunternehmen einfacher, oder?

Ja, das stimmt. Wir an der MSB, der Münster School of Business, erinnern zum Beispiel unsere Studierenden, dass zum Studium auch das Lesen von Büchern gehört, und wir unterrichten über Onlineplattformen. Für einige meiner Kolleginnen und Kollegen ist das schon lange gang und gäbe. Wer mit solchen Plattformen keine oder wenige Erfahrungen hat, kann sich aktuell einarbeiten oder sich unterstützen lassen. Wir helfen uns gegenseitig! Kritisch ist momentan, dass einige Plattformen überlastet sind. In Summe dürfte die Coronakrise für Hochschulen einen Schub für die Digitalisierung der Lehre bewirken. Ich erlebe seit Anfang der Woche, dass viele Kolleginnen und Kollegen sehr schnell auf neue Formen der Lehre umgestellt haben. Es gibt hierbei zum Teil noch technische Probleme. Vielfach läuft es aber auch schon gut. E-Klausuren werden eventuell zum Ende des Semesters ein Thema werden. Momentan kann ja niemand absehen, wie sich die Lage rund um das Coronavirus weiterentwickelt.

Welche technischen Voraussetzungen müssen Unternehmen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen? Was ist im Homeoffice zu beachten?

In vielen Fällen geht es einfach nur darum, internetgestützt auf die Applikationen des Unternehmens zugreifen zu können. Hierfür braucht man eine funktionierende – am besten schnelle – Internetverbindung und entsprechende Zugriffsrechte. In einigen Unternehmen könnte die mobile Hardware eine Herausforderung darstellen. Wenn die zu bearbeitenden Daten nur analog in klassischen Papierordnern vorliegen, auf die man im Homeoffice nicht zugreifen kann, wird es ebenfalls schwierig hier zu arbeiten.

Wird die Coronakrise die Digitalisierung in Unternehmen schneller vorantreiben?

Ja! Denn unter den Bedingungen der Krise gibt es zum Teil keine andere Möglichkeit als digital zu arbeiten. Wenn ein persönliches Treffen nicht möglich oder erlaubt ist, wird man auf virtuelle Plattformen ausweichen müssen. Sollten die hierbei gemachten Erfahrungen positiv sein, wird man nach der Krise vermehrt auch so weiterarbeiten.

Kann die Krise dazu führen, dass Unternehmen ohne digitale Strategie Insolvenz anmelden müssen?

Grundsätzlich sind alle Unternehmen gefährdet, deren Umsätze jetzt radikal einbrechen. Eine digitale Ausrichtung kann das Überleben begünstigen, aber nicht in jedem Fall absichern. Nehmen Sie ein Unternehmen, das im Bereich des sogenannten Plattformbusiness Anbieter und Nachfrager zusammenführt. Hierzu gehören zum Beispiel Unternehmen, die Hotels vermitteln. Wenn keine Hotels mehr besucht werden und niemand mehr reisen darf, sind diese Unternehmen trotz ihrer digitalen Strategie gefährdet, da sie keine Vermittlungsprovisionen mehr bekommen. Sie haben andererseits aber den Vorteil, dass ihre Fixkosten vergleichsweise gering sind. Auch können beispielsweise Onlinehändler besser als stationäre Händler durch die Krise kommen, da sie von den Ladenschließungen nicht betroffen sind.

Auch das Weiterbildungsangebot des Instituts für Prozessmanagement und Digitale Transformation „Einführung in die digitale Transformation von Unternehmen“ musste aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen verschoben werden. Wird es einen Ersatztermin geben?

Ja, wir mussten uns natürlich auch im Bereich der Weiterbildung an die Vorgaben, die ich als sinnvoll erachte, halten. Einen Ersatztermin wird es geben. Wir legen ihn aber erst fest, wenn wir klarer abschätzen können, wann eine Präsenzveranstaltung wieder möglich sein wird. Grundsätzlich ist auch denkbar, dass wir Weiterbildungen in Zukunft zunehmend digital durchführen.

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