Haut ist nicht gleich Haut: Prachtburschen entwickeln innovativen Online-Hautpflege-Berater für den Mann

Wie geht es unseren Gründer*innen heute? Michael Gebhardt hat bei uns am Institut für Technische Betriebswirtschaft (ITB) studiert und zusammen mit Christoph Wendt 2017 die Prachtburschen gegründet. Wir haben Wendt getroffen und mit ihm über die digitale Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells gesprochen.

Prachtburschen ist ein Pflegestudio, das sich auf die Bedürfnisse der männlichen Haut spezialisiert hat. Ihr bietet kosmetische Behandlungen und Pflegeberatung für Männer an und verkauft passende Produkte. Wie habt ihr auf die derzeitigen pandemiebedingten Herausforderungen für euch als Pflegestudio reagiert?

Christoph: Grundsätzlich hatten wir eh vor 2020 dafür zu nutzen, digitaler zu werden. Aber natürlich sind wir dabei von normalen Umsätzen samt Umsatzsteigerungen ausgegangen. Dann kam alles anders, und all unsere Umsätze sind weggebrochen. Auf einmal hatten wir Zeit, uns voll auf die Digitalisierung zu konzentrieren. Das haben wir dann auch intensiv gemacht. Über 800 Arbeitsstunden sind dann in unser Projekt geflossen, was wir im normalen Tagesgeschäft nicht hätten leisten können.

Was für ein Projekt habt ihr dann im digitalen Bereich aufgezogen?

Christoph: Unser Ziel war es, ein digitales Pendant zu unseren sonst analogen Angeboten im Salon zu schaffen. Wir wollten keinen reinen Online-Shop, in dem sich der Kunde durch eine Vielzahl von Angeboten klickt und sich mühsam Informationen zu einzelnen Produkten beschaffen muss. Das Problem besteht unserer Erfahrung nach meistens schon darin, dass der Kunde selbst seine Haut gar nicht so gut kennt und entsprechend nicht die richtigen Produkte für sich auswählen kann. Deshalb haben wir unseren Hautpflege-Berater entwickelt, der als erstes Online-Tool beim Hautgefühl des Kunden beginnt.

Wie funktioniert der Hautpflege-Berater genau und was muss der Kunde dafür über seine Haut wissen?

Christoph: Ist man als Kunde auf Produktsuche, muss man häufig anfangs angeben, ob man eine trockene, fettende, normale oder Mischhaut hat. Aber eben genau das für sich zu bestimmen, fällt schwer. Unser Hautpflege-Berater funktioniert deshalb genau andersrum. Der Kunde muss seinen Hauttyp bzw. das Ergebnis gar nicht wissen. Bei uns beginnen wir mit Fragen nach dem Hautgefühl. Spannt meine Haut nach dem Duschen? Schuppt sich meine Haut? Glänzt meine Haut? Die Antworten sind ganz einfach aufgebaut und der Kunde klickt sich durch drei bis fünf Schritte, für die er maximal 100 Sekunden braucht. Das war auch unser Anspruch. Wir bieten kurze, knappe und schnelle Beratung, für die kein Vorwissen nötig ist. Und genau das ist ein riesen Unterschied zur herkömmlichen Produktsuche im Online-Kosmetikdschungel.

Das hört sich aus Kundensicht ganz einfach an. Wie sieht die Logistik dahinter aus?

Christoph: Eben genau das war uns wichtig, es muss für den Kunden übersichtlich sein. Im Hintergrund war das für uns natürlich viel Arbeit, weil wir den Logistikbaum dahinter selbst entwickelt haben. Nach dem ersten Lockdown sind wir die Schritte der „digitalen Hautanalyse“ immer wieder mit Bestandskunden durchgegangen und haben optimiert und optimiert. Wir waren dabei auf ein genaues Wording in unseren Fragen angewiesen, sodass sich die Kunden damit identifizieren und die einzelnen Schritte nachempfinden können. Für so etwas braucht man beides: Fachwissen und die Brille des Kunden. Hat sich der Kunde durchgeklickt, werden ihm geeignete Produkte angezeigt. Zu jedem haben wir ein passendes kurzes Erklärvideo online gestellt, um auch so die Beratung, die es sonst persönlich vor Ort gibt, ins digitale zu übertragen. Wir erklären also zum Beispiel: Wie trage ich das Produkt auf? Welche Menge ist korrekt? Wie oft verwende ich das Produkt? Die komplette Hautpflegeberatung eben.

Auch haben wir auch einen Behandlungs-Berater neu entwickelt. Möchte man also zum Beispiel eine Gesichtsbehandlung buchen, kann man sich vorab online beraten lassen, welche die richtige sein könnte. Der Prozess ist ebenso einfach, kurz und knapp aufbereitet, wie der Hauptpflege-Berater.

Wie geht es jetzt aktuell für euch weiter? Welches Fazit könnt ihr aus euren neuen Online-Angeboten ziehen? Was würdest du rückblickend über die letzten zwölf Monate sagen?

Christoph: Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt unter Einhaltung aller Hygienebestimmungen wieder öffnen und unsere Kunden persönlich begrüßen dürfen. Wir sind erleichtert, dass wir uns durch den Onlinebereich zukunftsfester machen und schon einige Kunden über unsere Region hinaus gewinnen konnten. Unsere Zielgruppe haben wir erweitert und so auch vermehrt feststellen können, dass das Bewusstsein des Mannes für Pflege zunimmt.

Zudem stehen wir im engen Austausch mit anderen Kosmetiker*innen und haben ein Hygienekonzept heruntergebrochen auf den Alltag eines Kosmetikstudios verschriftlich, sodass auch andere Kosmetikstudios davon profitieren können. Das wurde schon nach dem ersten Lockdown als „best practice Beispiel“ von Fachmagazinen gelobt und ist auf unserem Blog nachzulesen. Uns freut sehr, dass wir in diesen schweren Zeiten so einen Beitrag für unsere Branche leisten können.

Den Kopf in den Sand stecken, das war für uns nie eine Option und ein positiver Aspekt der Pandemie ist definitiv, dass wir durch die daraus entstandene „freie Zeit“ so detailliert digital wurden, wie wir es wohl sonst zeitlich nicht hätten umsetzen können.

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