Partielle Sonnenfinsternis am 25. Oktober: Prof. Dr. Thomas Jüstel erklärt das Phänomen

Am 25. Oktober verdeckt der Mond 25 Prozent der Sonne im Münsterland. Prof. Dr. Thomas Jüstel erklärt, welchen Nutzen die Wissenschaft aus einer Sonnenfinsternis ziehen kann.

Rund ein Viertel der Sonne wird am 25. Oktober im Münsterland verdunkelt sein. Zur Mittagszeit findet eine partielle Sonnenfinsternis über Europa statt – denn der Mond bewegt sich von 11:08 Uhr bis 13:08 Uhr zwischen Sonne und Erde. „Seinen Höhepunkt erreicht das Ereignis im Münsterland um 12:07 Uhr“, sagt Prof. Dr. Thomas Jüstel, Dekan am Fachbereich Chemieingenieurwesen unserer Hochschule. Er ist Experte für UV-Strahlung sowie Lichtquellen und blickt dementsprechend interessiert in den Himmel, zur Sonne und in die Sterne. „Bei gutem Wetter wird die partielle Sonnenfinsternis wieder sehr eindrucksvoll. Wichtig ist jedoch, das Phänomen nur mit einer speziellen Brille, einer sogenannten SoFi-Brille, zu beobachten, um den Augen nicht zu schaden.“

Bei einer partiellen Sonnenfinsternis bedeckt der Mond die Sonne bloß teilweise. „Das Phänomen ist nur möglich, wenn Neumond herrscht“, erklärt Jüstel. „Sonne, Mond und Erde befinden sich dann auf einer Linie, auf der sogenannten Knotenlinie, welche die Schnittlinie der Erdbahn- und der Mondbahnebene ist.“ Die letzte partielle Sonnenfinsternis war im Münsterland am 10. Juni 2021 zu beobachten – ein solches Ereignis findet im Schnitt jedoch nur alle vier bis fünf Jahre statt, so Jüstel.

Viel seltener kommt es zu einer totalen Sonnenfinsternis an einem bestimmten Ort auf dem Globus. Die letzte konnte in Deutschland am 11. August 1999 beobachtet werden, die nächste wird es erst am 3. September 2081 geben – und eine totale Sonnenfinsternis ist insbesondere für die Wissenschaft von großem Wert: „Bei einem derartigen Phänomen kann man die Atmosphäre, auch Corona genannt, um die verdunkelte Sonne herum leuchten sehen“, erklärt der Wissenschaftler. „Bei einer totalen Sonnenfinsternis im Jahr 1868 wurde dabei das Element Helium entdeckt. Der Begriff ,Helios‘, von dem sich der Name ableitet, ist das griechische Wort für Sonne.“

Eine weitere Sonnenfinsternis ermöglichte im Jahr 1919 den Beweis eines der größten wissenschaftlichen Meilensteine: Der britische Astrophysiker Arthur Stanley Eddington und sein Team konnten dabei mithilfe genauer Beobachtungen Sternenpositionen vermessen, die sich eigentlich hinter der Sonne befinden sollten. „Möglich war dies, weil durch die Schwerkraft der Sonne der Raum gekrümmt wird. Das Licht von Sternen hinter der verdunkelten Sonne konnte dadurch auf der Erde beobachtet werden, weil es durch das Sonnenlicht während der Finsternis nicht überlagert wurde“, erklärt Jüstel. „Eddington bewies damit die Krümmung der Raumzeit und damit eine Vorhersage der allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein.“ Seit Mitte der 90er-Jahre nutzen Astrophysiker*innen die partielle Verdunkelung von Sternen, um Planeten jenseits des Sonnensystems zu suchen. Diese Methode ist heute als Transitmethode bekannt und hat bisher schon zur Entdeckung einer Vielzahl dieser Exoplaneten geführt.

„Das Phänomen der Sonnenfinsternisse auf der Erde wird in ferner Zukunft jedoch immer weniger spektakulär werden, weil sich der Mond pro Jahr um 3,82 Zentimeter von der Erde entfernt“, so Jüstel. „Eines Tages – wenn auch erst in 600 Millionen Jahren – wird er so weit weg sein, dass dann eine totale Sonnenfinsternis nicht mehr beobachtet werden kann.“

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