Erste Wasserstofffachtagung unserer Hochschule bringt die Energiewende voran

Komplexe Herausforderungen erfordern interdisziplinäre Zusammenarbeit: Etwa 40 Fachleute aus Industrie und Forschung kamen zur ersten Wasserstofffachtagung unserer Hochschule, um über grünen Wasserstoff zu sprechen.

Für die Energiewende weg vom fossilen Träger hin zu einem regenerativen bedarf es innovativer Forschung. Um die Erzeugung grünen Wasserstoffs voranzutreiben, hat sich an unserer Hochschule in den vergangenen zwei Jahren das Wasserstoffcluster gebildet: Interdisziplinär arbeiten darin Wissenschaftler*innen verschiedener Fachbereiche zusammen, um gemeinsam den Energieträger zu erforschen und auch Lösungen auf konkrete Fragestellungen von Unternehmen zu finden. Zum Abschluss des vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts, der gleichzeitig Start für die weitere Arbeit in diesem Feld ist, hat das Team des Clusters unter Leitung von Prof. Dr. Christof Wetter und Prof. Dr. Thomas Jüstel nun die erste Wasserstofffachtagung am Steinfurter Campus durchgeführt. Circa 40 Expert*innen aus Forschung und Industrie trafen sich im GRIPS III-Gebäude, um über verschiedene Wasserstoff-Erzeugungsmöglichkeiten, dessen sichere Speicherung und Transport sowie vieles mehr zu sprechen.

„Die FH Münster soll die Drehscheibe für das Thema Wasserstoff im Münsterland werden“, stellte Jüstel zu Beginn der Tagung in Aussicht. Und dass sie dafür auf dem besten Weg ist, machte bereits der Eröffnungsvortrag von Tim Pier klar. Der wissenschaftliche Mitarbeiter promoviert am Fachbereich Chemieingenieurwesen unter Jüstels Aufsicht zur Entwicklung von Keramiken, die für die sogenannte Photokatalyse geeignet sind – ein Prozess, bei dem diese Materialien mithilfe von Sonnenlicht Wasser direkt in Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten können. „Bei der Arbeit handelt es sich um ein Forschungsprojekt, das innerhalb unseres Clusters entstanden ist“, sagte Wetter im Anschluss. „Ich freue mich schon darauf, die dabei entstehende Doktorarbeit zu lesen.“

Knapp 30 Kilometer östlich von Steinfurt entstehen in der Klimakommune Saerbeck ebenfalls zahlreiche Ideen zur nachhaltigen Wasserstoffproduktion. Einerseits führt das Forschungsteam von Wetter und Prof. Dr. Elmar Brügging im Bioenergiepark im großen Maßstab Projekte durch, andererseits arbeitet die Firma Enapter in Saerbeck gemeinsam mit unserer Hochschule an der Entwicklung und dem Bau des ersten Anion-Exchange-Membran-Elektrolyseurs der Megawattklasse: der AEM-Multicore. Ein Elektrolyseur spaltet Wasser mithilfe elektrischer Energie und wandelt Wasserstoff-Ionen in gasförmigen Wasserstoff um. Die Enapter-Elektrolyseure sollen dies mit grünem Strom bewerkstelligen. Im Forschungsprojekt Elefact (kurz für „Electrolyser Factory“) entwickeln Hochschule und Unternehmen außerdem eine Fabrik zur Produktion von Elektrolyseuren verschiedener Größenordnungen – von der kleinen Anlage für zu Hause bis zum großen Industrie-Elektrolyseur. Bei der Tagung gaben Enapter-Chefingenieur Dr. Holger Eisenlohr sowie Elefact-Teamleiter Jan Tiemeyer Einblick in die Zusammenarbeit.

Prof. Dr. Elmar Brügging referierte danach über die biologische Wasserstofferzeugung, die er und sein Team in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Forschungsprojekten vorangetrieben haben. Mithilfe der dunklen Fermentation – der bakteriellen Produktion von Wasserstoff unter Abwesenheit von Sauerstoff und Licht – gewinnen die Forscher*innen grünen Wasserstoff aus bislang ungenutzten industriellen Reststoffen. Im Projekt HyTech entwickelten Brügging und Co. zuletzt eine zweistufige Versuchsanlage, die aus besonders stärkehaltigen Industrieabwässern – etwa von Brauereien oder Süßwarenfirmen – Wasserstoff fermentiert hat. Die Erkenntnisse dieser experimentellen Methode wendet Brügging nun im Projekt Solidscore auf Feststoffe an. „Wir sind weiterhin dabei, die dunkle Fermentation zu erforschen, bevor sie in größerem Maßstab eingesetzt werden kann“, so Brügging. „Der Prozess wird die Elektrolyse nicht ablösen, aber ein weiterer Baustein zum Gelingen der Energiewende sein.“

Im Anschluss kamen bei der Wasserstofffachtagung weitere Vertreter aus der Industrie über ihren Umgang mit dem Energieträger zu Wort – etwa zum klimaneutralen Lastverkehr, der Wasserstoffwirtschaft und weiteren Anwendungsbeispielen. Brügging und Prof. Dr. Stephanie Möller gaben zum Abschluss einen Ausblick auf den Wasserstoff in Forschung und Lehre an unserer Hochschule. „Die äußerst komplexen Herausforderungen der Welt sind nur interdisziplinär anzugehen“, sagte Carsten Schröder, Vizepräsident der FH Münster, in seinem einleitenden Grußwort zur Tagung. „Unser Wasserstoffcluster ist in mehreren Fachbereichen und Instituten an der Hochschule angegliedert und kooperiert eng mit der Industrie“, sagte Jüstel dementsprechend. Auch nach Projektende soll der Cluster deshalb weiterhin bestehen und die Wasserstofffachtagung zum jährlichen Austauschtermin werden.

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