Zirkuläres Bauen als Schlüsselstrategie für nachhaltige Architektur: Prof. Dr. Anja Rosen an den Fachbereich Architektur berufen

Prof. Dr. Anja Rosen war 35 Jahre alt, als sie ihr Architekturstudium an der MSA begann. Es folgte eine Promotion und die Gründung eines Fachplanungsbüros für nachhaltiges und zirkuläres Bauen. Jetzt wurde die 51-Jährige an unsere Hochschule berufen.

„Die Kreisläufe in der Natur haben mich schon immer fasziniert. Die Natur kennt keine Abfälle. Aus vergangenem entsteht immer wieder Neues“, sagt Prof. Dr. Anja Rosen. Im Gegensatz dazu ist das Bauwesen heute für mehr als die Hälfte aller Ressourcenverbräuche und Abfälle verantwortlich. Das will die Architektin ändern, die zum aktuellen Wintersemester für das Lehr- und Forschungsgebiet Circular Construction an unseren Fachbereich Architektur, die Münster School of Architecture (MSA), berufen wurde.

Der Waldkindergarten ihrer beiden Kinder, den sie lange vor ihrem Architekturstudium mitgegründet hat, hatte weder Dach noch Wände. „Wir müssen uns wieder mehr darauf besinnen, was wir wirklich brauchen und insbesondere beim Bauen das zirkuläre System Erde beachten“, fasst Rosen ihre Haltung zur Nachhaltigkeit zusammen. 

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und auch noch während ihres Bachelorstudiums an der MSA arbeitete Rosen im ökologischen Baustoffhandel, wo sie viel über kreislaufgerechte Baumaterialien gelernt hat. Hier reifte auch ihr Wunsch, Architektin zu werden und so schrieb sie sich mit 35 Jahren für das Architekturstudium an unserer Hochschule ein. Während des Masters baute sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin die Materialbibliothek an unserer Hochschule auf und sammelte gleichzeitig im Planungsbüro agn in Ibbenbüren Praxiserfahrung. „Ich war als Kind schon für viele Dinge gleichzeitig verantwortlich. Multitasking habe ich gelernt!“

Nach ihrem Abschluss folgte sie ihrer Professorin Annette Hillebrandt an die Bergische Universität Wuppertal, behielt aber ihre halbe Stelle bei agn. „Parallel in Wissenschaft und Praxis zu arbeiten, war sehr bereichernd“, so Rosen. „Auf diese Weise konnte ich innovative Projekte mit meiner Promotion verknüpfen.“ In ihrer Doktorarbeit entwickelte sie den Urban Mining Index, den sie erstmals in der Planung des Rathauses Korbach, einem ausgezeichneten Modellprojekt für kreislaufgerechtes Bauen, anwandte. „Damals war das eher noch Zukunftsmusik. Inzwischen hat das Thema glücklicherweise aber richtig Fahrt aufgenommen.“  

Zum aktuellen Wintersemester folgte Rosen dem Ruf an unsere Hochschule. „Als die 50-Prozent-Stelle ausgeschrieben wurde, habe ich nicht lang gezögert. Münster ist schließlich meine wissenschaftliche Basis. Und mich hat die große Praxisnähe hier an der Hochschule sehr gereizt.“ In ihrer Lehre am Department Baukonstruktion möchte sie die Studierenden ermutigen, das Bauen innovativ und kreativ mit zirkulären Strategien neu zu denken. Dabei kommt es der Professorin nicht nur darauf an, dass die Studierenden lernen, mit kreislaufgerechten Materialien demontable Konstruktionen zu entwickeln. Sie möchte die Weiterentwicklung des Bestands sowie die Wiederverwendung von Bauteilen mehr in den Fokus nehmen. „Die gestalterische Qualität ist dabei eine Grundvoraussetzung, denn ein schönes Bauwerk reißt man niemals ab“. Rosen wünscht sich, dass nicht nur Gebäude und Baumaterialien zirkulieren, sondern auch deren Nutzer*innen. „Viele Menschen leben in zu groß gewordenen Wohnungen. Wenn wir alle ein bisschen flexibler wären, könnte der Bedarf an Wohnraum aus dem Bestand gedeckt werden und wir würden an sozialem Zusammenhalt wachsen.“

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