Internationale Kompetenzen bei Auszubildenden fördern: Hochschulpreis für Regina Hofmann

Für ihre hervorragende Masterarbeit am Institut für Berufliche Lehrerbildung der FH Münster erhielt Regina Hofmann 2023 den Hochschulpreis.

In ihrer Masterarbeit nahm Regina Hofmann Wege der europäischen Zusammenarbeit an Berufskollegs in den Blick. Die heutige Berufsschullehrerin konzipierte ein Projekt, bei dem Berufsschüler*innen in ganz Europa über die Erasmus+-Onlineplattform eTwinning gemeinsam lernen können. Für ihre hervorragende Abschlussarbeit verlieh ihr unsere Hochschule den Hochschulpreis.

Hofmann hat am Institut für Berufliche Lehrerbildung (IBL) unserer Hochschule, des Münster Centrum für Interdisziplinarität (MCI), den Master Lehramt an Berufskollegs studiert. Während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres und mehreren Praktika im Ausland konnte Hofmann selbst internationale Berufserfahrung sammeln. „Ich habe aus dieser Zeit sehr viel mitgenommen und kann einen Auslandsaufenthalt nur weiterempfehlen.“ Doch im Gegensatz zu vielen Studierenden verbringt nur ein sehr geringer Teil der Auszubildenden einen Part der Ausbildung im Ausland. „Die Forschung spricht viel über internationale berufliche Handlungskompetenz, die Arbeitgeber fordern sie. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Berufskollegs haben daher auch eine besondere Verantwortung, Auslandserfahrungen für Auszubildende anzubieten“, so die Hochschulpreisträgerin.

Eine Möglichkeit der internationalen beruflichen Bildung sieht Hofmann im eTwinning. Auf der Onlineplattform können sich Lehrkräfte von Schulen in Europa anmelden, Partnerschaften mit anderen Schulen schließen und gemeinsam Lehr- und Lernprojekte durchführen. Berufsschüler*innen aus Deutschland können so mit anderen Auszubildenden aus Europa gemeinsam in internationalen Gruppen etwas erarbeiten – von einem Projekttag bis hin zu mehreren Wochen Laufzeit. Die Schüler*innen und auch die Lehrkräfte kommen weitestgehend online zusammen. „Ohne weite Wege lassen sich Treffen einfacher organisieren und diese Situation findet sich später genauso im Berufsleben – Projekttreffen per Videokonferenz haben durch die Pandemie einen großen Aufschwung bekommen.“ Für ihre Masterthesis hat Hofmann zunächst bestehende eTwinning-Projekte analysiert, um Hindernisse und Gelingensfaktoren auszumachen und diese für ein eigenes Projektkonzept zu nutzen.

Herausforderungen gebe es einige: Die internationalen Online-Projekte erfordern Eigeninitiative der Lehrkräfte, Zeit, vor allem für die Einarbeitung in das neue Format, eine gute Motivation der Schulklasse und auch die Bereitschaft, auf Englisch zu unterrichten. „Aber es lohnt sich!“, ist Hofmann überzeugt. Die Schüler*innen und auch die Lehrkräfte kommen untereinander sehr schnell in einen intensiven Kontakt. „Man erlebt tatsächlich Europa. Und die Projekte kommen der späteren beruflichen Realität sehr nah.“ Neben den rein technischen Unterschieden in den Ländern, sei auch kultureller Austausch immer wichtiger in der beruflichen Zusammenarbeit.

Zum Thema ihrer Masterarbeit habe sie ein Seminar zu Europäisierung von Prof. Dr. Thilo Harth inspiriert, der auch ihre Thesis betreute. „Lehrkräfte an Berufskollegs sollen Orientierung für den europäischen Bildungsraum und Arbeitsmarkt geben. Frau Hofmann bietet in ihrer Masterarbeit dafür einen praktischen Kompass“, so Harth. Der thematische Schwerpunkt passe zudem hervorragend zum aktuellen europäischen Jahr der Kompetenzen. „Ich nutze die Erkenntnisse aus der Arbeit von Frau Hofmann für meine Aufgabe als unabhängiger EU-Experte im Team EUROPE DIRECT der Europäischen Kommission, die Europäische Union auf verständliche Weise zu erklären“, lobt der Professor für Technik- und Hochschuldidaktik.

Hofmann ist selbst kürzlich als Lehrerin an einem Berufskolleg gestartet. Sie kann sich gut vorstellen, selbst in Zukunft ein eTwinning-Projekt durchzuführen. Nur das in ihrer Masterarbeit entwickelte werde es so nicht sein. „Es ist für Auszubildende im Maschinenbau konzipiert, die in durchmischten Gruppen gemeinsam nach Kundenwünschen ein Produkt und dazu einen nachhaltigen Produktionsprozess entwerfen und sich diesen gegenseitig vorstellen sollen.“ An einem Berufskolleg mit dualem Ausbildungssystem, an dem in Blockwochen unterrichtet wird, sieht sich Hofmann selbst einem der erkannten Hemmnisse gegenüber: der kürzeren Zeit, die die Schüler*innen in den Schulblöcken dort verbringen. „Das erfordert eine andere Projektorganisation.“   

 

Zum Thema: Gerade einmal ein Prozent aller Absolvent*innen eines Jahrgangs erhält ihn: den Hochschulpreis. Jedes Jahr kürt das Präsidium gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde der FH Münster e. V. (gdf) auf Vorschlag der Fachbereiche die besten Abschlussarbeiten. Zu den Preisträger*innen des Hochschulpreises für die besten Arbeiten aus 2022 gehört auch Regina Hofmann vom Institut für Berufliche Lehrerbildung. Sie erhält den Preis für ihre Masterarbeit „Wege der europäischen Zusammenarbeit am Berufskolleg – Konzeption eines eTwinning-Projekts für das Berufliche Gymnasium für die Fächer Deutsch und Wirtschaftslehre/Politik“. Eine vollständige Übersicht aller gewürdigten Absolvent*innen ist im Jahresbericht ab Seite 38 abrufbar: fh.ms/jahresbericht-22.

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