Roboter und mobile Büros: Wie verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt?

Smartphones, selbstfahrende Autos, vernetzte Maschinen – die Digitalisierung in Alltag und Wirtschaft schreitet voran. Welche Auswirkungen hat das auf die Arbeitswelt von morgen? Darüber sprachen wir mit Prof. Dr. Tobias Rieke von unserem Institut für Technische Betriebswirtschaft (ITB).

Prof. Dr. Tobias Rieke lehrt und forscht an unserem Institut für Technische Betriebswirtschaft (ITB).
Prof. Dr. Tobias Rieke lehrt und forscht an unserem Institut für Technische Betriebswirtschaft (ITB).

Was genau versteht man unter Digitalisierung?

Digitalisierung beschreibt im betriebswirtschaftlichen Kontext die Veränderung von Prozessen, Produkten und Geschäftsmodellen durch den Einsatz digitaler Technologien. Zwar wurden bereits vor mehr als 25 Jahren bahnbrechende IT-Verfahren entwickelt, die Unternehmen stark verändert haben. Jetzt haben wir durch die wachsende Vernetzung und Automatisierung einen hohen Reifegrad erreicht.

Auch kann es als gesellschaftliches Phänomen verstanden werden: Unser Alltag ist heute sehr stark von IT durchsetzt. Beim Thema künstliche Intelligenz hat die Forschung große Fortschritte gemacht – man denke nur an die Verwendung von Smartphones, die uns mittlerweile auf Basis von gesammelten Daten immer individuellere Unterstützung bieten.

 

Stichwort Automatisierung: Hin und wieder liest man Warnungen, dass in 15 Jahren Roboter einen Großteil der heutigen Jobs übernehmen. Wie ist Ihre Einschätzung?

Natürlich führt die Automatisierungstechnik zum Beispiel durch die Entwicklung zu sogenannten cyber-physischen Systeme dazu, dass sich auch Tätigkeiten der Mitarbeiter verändern. Wo bislang eine Abstimmung über Menschen erfolgt ist, wird diese stärker von Maschinen und IT erledigt. Der Mitarbeiter übernimmt dann häufig wichtigere Aufgaben und hat dafür bessere Werkzeuge zur Verfügung. Dies betrifft auch den Büroarbeitsplatz, wo Vorgänge durch IT und eine bessere Informationslage jetzt ganz anders unterstützt werden können.

Diese Veränderung hat in einer alternden Gesellschaft, in der es zunehmend schwierig wird, Fachkräfte zu finden, ja auch etwas Gutes. Und es entstehen neue, anspruchsvollere Arbeitsplätze sowohl in etablierten Unternehmen als auch in vielen neu gegründeten Start-ups, die teilweise durch die Digitalisierung sehr schnell sehr erfolgreich werden können. Ich denke da an junge Unternehmen wie Airbnb und Uber, die ausschließlich online agieren und in den vergangenen Jahren extrem gewachsen sind.

 

Einige Studien zeigen, dass die zunehmende Digitalisierung die Arbeitnehmer stresst, andere sehen eher positive Effekte. Wie sind Ihre Beobachtungen?

Auch in dieser Hinsicht bringt die Digitalisierung Licht- und Schattenseiten mit sich. Für viele Arbeitnehmer hat digitales Arbeiten den positiven Effekt, dass sie flexibler sind und den Beruf besser mit ihrer persönlichen Situation vereinbaren können. Für andere bedeutet eine ständige Erreichbarkeit puren Stress. Flexibilität oder Agilität wird aber auch für Unternehmen eine erforderliche Kompetenz werden, um erfolgreich am Markt agieren zu können. Mitarbeiter werden sich daher im Unternehmen immer wieder mit neuen Themen beschäftigen müssen. Für diese braucht es dann auch nicht mehr unbedingt einen festen Arbeitsplatz. Es reichen ein Laptop und das Smartphone. Gleichzeitig ist es nötig, dass man Kompetenzen erwirbt, wie man eine ständige Erreichbarkeit und stetige Veränderung für sich positiv nutzt und die eigene Work-Life-Balance findet.  

 

Wer mehr zum Thema erfahren möchte, ist zum Vortrag „Digitalisierung: Sind Nerds die Manager von morgen?“ von Prof. Rieke auf dem Campus-Fest eingeladen. Die öffentliche Veranstaltung findet am 7. Juni um 16 Uhr in Hörsaal S1 auf unserem Steinfurter Campus, Stegerwaldstraße 39, statt. Der Eintritt ist frei. 

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