Trinkwasser im Urlaub: Obacht vor Keimen und Chlor aus der Leitung

Wasser aus der Leitung ist praktisch, lecker und kostengünstig. Doch was bei uns gilt, muss nicht unbedingt in anderen Ländern so sein. Warum Reisende im Urlaub beim Leitungswasser genauer hinschauen sollten, erklärt Prof. Dr. Helmut Grüning, Experte für Wasserversorgung und Entwässerungstechnik an unserer Hochschule. 

Prof. Dr. Helmut Grüning ist Experte für Wasserversorgung und Entwässerungstechnik am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt der FH Münster. (Foto: FH Münster/Wilfried Gerharz)
Prof. Dr. Helmut Grüning ist Experte für Wasserversorgung und Entwässerungstechnik am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt der FH Münster. (Foto: FH Münster/Wilfried Gerharz)

Herr Prof. Grüning, wie ist die Wasserqualität in Urlaubsländern?

Wer beispielsweise in den Niederlanden oder in Skandinavien Urlaub macht, der braucht sich bezüglich der Wasserqualität überhaupt keine Sorgen zu machen. Dort lässt sich bedenkenlos Wasser direkt aus der Leitung trinken. Das gilt selbstverständlich auch für Deutschland: Trinkwasser ist zwar nicht steril, das ist aber auch gar nicht nötig. Der Anteil pathogener Mikroorganismen ist so gering, dass kein Gesundheitsrisiko besteht und der Genuss von Leitungswasser völlig unkritisch ist. Aber wer schon etwas weiter in den Süden fliegt, zum Beispiel nach Spanien oder in die Türkei, sollte auf Leitungswasser lieber verzichten. Dies gilt insbesondere für Reiseziele in Afrika oder Asien. In Ländern mit eingeschränkten Hygienestandards können Keime im Leitungswasser enthalten sein, die Durchfall auslösen, schlimmstenfalls sogar Cholera, Typhus und Ruhr. Werden diese Erkrankungen nicht oder nur unzureichend behandelt, wird’s schnell gefährlich.

 

Was sollten Reisende also tun?

Sie sollten lieber immer nur Wasser in verschlossenen Behältern kaufen und auf Leitungswasser komplett verzichten, also auch beim Zähneputzen lieber nur abgefülltes Wasser verwenden. Und in der Bar den Cocktail lieber ohne Eiswürfel bestellen. Denn Bakterien vertragen hohe Hitze nicht, sind aber relativ kälteunempfindlich. Aufpassen sollten Urlauber auch bei Wasser, das stark nach Chlor riecht, also viel Desinfektionsmittel beinhaltet. Denn das heißt nicht automatisch, dass dieses Wasser hygienisch einwandfrei ist. Wirklich sauber ist Leitungswasser nur, wenn im Wasserwerk entsprechende Filter eingesetzt wurden. Ist das nicht der Fall, hilft auch viel Chlor nicht.

 

Wer Leitungswasser trinkt, was gibt’s da grundsätzlich zu beachten?

Ganz wichtig: Erst einmal den Hahn aufdrehen und das Wasser laufen lassen – und zwar so lange, bis es kühl ist. Denn erst dann sind etwaige Bakterien oder gelöste Metalle ausgespült. Laufenlassen sollte man das Wasser übrigens nicht nur nach längerer Abwesenheit in einem Ferienhaus, sondern auch schon morgens nach dem Aufstehen. Denn durch den Nichtgebrauch über Nacht stagniert das Wasser, deshalb lieber erst einmal gut durchspülen. Und grundsätzlich natürlich immer ein bisschen genauer hinschauen, nicht nur beim Wassertrinken, sondern auch beim Schwimmen im Meer. Bei uns haben Badegewässer eine sehr gute Qualität. Doch in manchen Urlaubsländern wird Abwasser direkt ins Meer geleitet, ohne reinigende Kläranlage dazwischen. Urlauber sollten sich deshalb auch den Badeplatz ganz genau aussuchen.  

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