Wenn es blitzt und donnert: Physiker erklärt Gefahren des Wetterphänomens

Wenn im Sommer die Hitze unerträglich ist, entstehen leicht Gewitter. Wie gefährlich sie sein können und was zu tun ist, wenn Blitze am Himmel zucken, das erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Mertins.

Prof. Dr. Hans-Christoph Mertins
Prof. Dr. Hans-Christoph Mertins ist Dekan des Fachbereichs Physikalische Technik der FH Münster. (Foto: FH Münster/Wilfried Gerharz)

Herr Prof. Mertins, wenn ich draußen bin und von einem heftigen Gewitter überrascht werde, was soll ich dann machen?

Ganz klar: Sie bringen sich sofort in Sicherheit. Zum Beispiel setzen Sie sich in ein Auto, das wirkt nämlich durch sein Metallgehäuse wie der Faraday`sche Käfig, der die starken elektrischen Felder kompensiert. Wenn Sie auf dem Land unterwegs sind und kein Gebäude mit Blitzableiter oder Auto in der Nähe ist, dann stellen Sie am besten die Beine dicht zusammen und gehen in die Hocke. Damit verringern Sie die sogenannte Schrittspannung, also die Spannung, die bei Blitzeinschlag in ihrer Nähe Ströme über die Beine durch ihren Körper treiben kann. Auf gar keinen Fall dürfen Sie sich flach auf den Boden legen. Denn damit vergrößern Sie die Spannung und folglich den Strom durch Ihren gesamten Körper.

Falls Sie im Freibad sind und ein Gewitter naht, sofort raus aus dem Wasser, denn dieses leitet den Strom, sollte ein Blitz einschlagen. Richtig gefährlich ist es auch, wenn Sie sich bei Gewitter unter einen Baum stellen, da dort vermehrt Blitze einschlagen. Denn der kürzere Abstand zwischen Wolke und Erde spielt eine verstärkende Rolle. Auch Kirchturmspitzen ziehen Blitze aufgrund der starken elektrischen Felder an spitzen, langen Gegenständen an. Wie genau eine Blitzentladung abläuft, weiß man noch nicht hundertprozentig. Fest steht aber: Je näher Sie sich an einem Blitzeinschlag befinden, desto gefährlicher wird es für Sie. Ganz abgesehen davon, dass Gewitter häufig mit heftigen Unwettern verbunden sind und Sie unter Bäumen auch noch der Gefahr von herabstürzenden Ästen ausgesetzt sind. Wenn ein Blitz einen Menschen trifft, endet das in der Regel tödlich.

 

Woran erkenne ich, wie nah ein Gewitter ist?

Das lässt sich ziemlich gut berechnen. Denn bei einem Gewitter taucht immer zuerst der Blitz auf. Hierbei wird heiße Luft erzeugt, die sich schlagartig ausdehnt. Diese Druckwelle schießt als Schall durch die Landschaft – das ist das, was wir als Donner hören. Der Schall benötigt ungefähr eine Sekunde, um 330 Meter weit zu kommen, also etwa drei Sekunden für einen Kilometer. Wenn Sie einen Blitz sehen und dann die Sekunden bis zum Donner zählen, wissen Sie, wie nah das Gewitter ist. Allerdings gibt es auch Gewitter, bei denen der Blitz nicht sichtbar ist. Das liegt dann daran, dass er sich zwischen zwei Wolkenschichten entlädt. Den Donner können Sie aber hören.

 

Treten heutzutage Gewitter häufiger auf?

Nein, die Anzahl von Gewittern ist unverändert stabil. Mitunter kommt es einem vor, dass es öfter blitzt und donnert, weil vielleicht die Berichterstattung zunimmt. Dabei sind Gewitter immer lokale Erscheinungen. Heiße Luft steigt nach oben, fällt an den Seiten der Wolke wieder ab, Eiskristalle werden in der Mitte durch Aufwinde hochgetrieben, und durch diesen Transport entsteht eine elektrostatische Aufladung. Wird sie zu groß, so kommt es zur elektrischen Entladung – es knallt, und das sehen und hören wir in Blitz und Donner. Wie genau das funktioniert, zeigen wir am Fachbereich Physikalische Technik übrigens auch in unserer Physikshow für Schülerinnen und Schüler. Dann holen wir eine echte Blitzentladung in den Hörsaal – und stoßen damit immer wieder auf staunende Augen. Bei aller Schönheit, die ein Gewitter sicherlich zu bieten hat, darf man nur eins nicht vergessen: Das Wetterphänomen kann schnell gefährlich werden, man sollte ihm unbedingt mit gebührendem Respekt begegnen.

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