Qualität von Badegewässern: Bei knietiefem Wasser muss man die Füße sehen können!

Wer im Sommer gern in freier Natur schwimmt, weiß oft nicht, wie die Qualität eines Gewässers einzuschätzen ist. Was für einen ungetrübten Badespaß zu beachten ist und wo Informationen zu Badegewässern zu finden sind, erklärt Prof. Dr. Helmut Grüning vom Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt unserer Hochschule.

Prof. Dr. Helmut Grüning erklärt, warum man nicht einfach in jedem See oder Fluss Baden sollte.  (Foto: FH Münster/Wilfried Gerharz)
Prof. Dr. Helmut Grüning erklärt, warum man nicht einfach in jedem See oder Fluss Baden sollte. (Foto: FH Münster/Wilfried Gerharz)

Herr Prof. Grüning, kann ich zumindest in Deutschland eigentlich in jedem Gewässer baden gehen?

Nein, nicht jedes Gewässer ist zum Baden geeignet. Neben der Gewässerqualität ist insbesondere in Flüssen und im Meer zu beachten, dass gefährliche Strudelbildungen und Strömungen möglich sind. Hier besteht selbst für geübte Schwimmer die Gefahr, abgetrieben zu werden. Die vor allem in Nordrhein-Westfalen oft zum Baden genutzten Schifffahrtskanäle, wie der Dortmund-Ems-Kanal in Münster, sind Transportwasserwege und keine Badegewässer, da von Schiffen gefährliche Sogwirkungen ausgehen. Das Baden in allen Bundeswasserstraßen für Frachtschiffe ist nicht nur gefährlich, sondern grundsätzlich verboten.

Zur Bewertung der Qualität von ausgewiesenen Badegewässern gibt es eine Richtlinie des Europäischen Parlamentes und Verordnungen der jeweiligen Bundesländer. Hier werden Grenzwerte und die Häufigkeit von Probenahmen geregelt. Eine Auflistung der Badegewässer gibt es im Internet. Ansonsten kann beim Kreis oder der Kommune nachgefragt werden.

 

Wird die Gewässerqualität regelmäßig geprüft, oder ist bereits mit bloßem Auge zu erkennen, ob ich bedenkenlos in einem Gewässer baden gehen kann?

Eine Einschätzung mit bloßem Auge ist nicht ohne weiteres möglich. Sind allerdings Abfälle oder Hygieneartikel zu sehen, würde ich vom Baden generell abraten. Zum Schutz der Badenden entnehmen die Überwachungsbehörden während der Badesaison alle vier Wochen Wasserproben, um mikrobiologische Kenngrößen, also die Keimbelastung, zu ermitteln. Die Qualität eines Gewässers kann sich temporär ändern. Beispielsweise wenn nach intensiven Regenfällen – dem klassischen Sommergewitter – eine Einleitung von Abwasser aus der Kanalisation in ein Gewässer erfolgt. Das kann mehrmals im Jahr passieren. Für Badegewässer wird bei der Überschreitung bestimmter Grenzwerte dann ein zeitweiliges Badeverbot ausgesprochen.

 

Gehen von Wasservögeln oder bestimmten Pflanzen Gefahren für die Badenden aus?

Bei einem hohen Besatz an Wasservögeln besteht die Gefahr einer Verunreinigung. In seltenen Fällen kann es auch zur sogenannten Zerkariendermatitis, einer zumeist harmlosen Hautkrankheit, kommen. Die Erreger werden durch Vogelkot in das Gewässer eingetragen.
Außerdem können sich Cyanobakterien, oft als Blaualgen bezeichnet, in Gewässern mit hohem Nährstoffgehalt massenhaft vermehren. Sie bilden Giftstoffe, die bei Menschen Gesundheitsstörungen hervorrufen können.
Hier gilt die Faustregel: Wer knietief im Wasser steht und seine Füße aufgrund einer grünlich-blauen Verfärbung nicht mehr sehen kann, sollte das Gewässer meiden.
Allerdings geht die größte Belastung der Gewässer letztlich immer noch von uns Menschen aus.

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