Anonymous im Krieg gegen den IS: Drei Fragen an Prof. Schinzel

Nach den Anschlägen in Paris hat die Hacker-Gruppe Anonymous der Terror-Miliz IS den Krieg erklärt. Was genau können die Hacker ausrichten und wie gefährlich könnten Cyber-Angriffe der Terroristen sein? Drei Fragen dazu an Prof. Sebastian Schinzel, Experte für IT-Sicherheit vom Fachbereich Elektrotechnik und Informatik.

In einer Videobotschaft erklärte das Anonymous Netzwerk der Terror-Miliz IS den Krieg.
Kampfansage: In einer Videobotschaft erklärte das Anonymous Netzwerk der Terror-Miliz IS den Krieg. (Screenshot: Youtube)
Professor Sebastian Schinzel lehrt an unserem Fachbereich Elektrotechnik und Informatik. (Foto: Wilfried Gerharz)
Professor Sebastian Schinzel lehrt an unserem Fachbereich Elektrotechnik und Informatik. (Foto: Wilfried Gerharz)

Anonymous hat dem Islamischen Staat in einem Internet-Video den Krieg erklärt. Haben sie vielleicht ein paar Beispiele dafür, womit die Hacker dem Terror-Netzwerk schaden könnten? 

Die Anschläge des IS scheinen im Vorfeld sehr detailliert abgesprochen zu werden.  Interessant ist vor allem, dass der IS es erstaunlich gut hinbekommt, die Kommunikation selbst vor den Geheimdiensten geheim zu halten. Frankreich hat ja die hierzulande kritisch diskutierte Vorratsdatenspeicherung schon 2006 eingeführt und konnte damit die beiden Attentate aus 2015 nicht verhindern.

Ein offensichtliches Ziel von Anonymous wäre also, die Kommunikationsstrukturen zu infiltrieren. Darüber könnte man Informationen über IS selbst und geplante Anschläge bekommen.

 

In den Medien ist zunehmend von „den geheimen Kommunikationswegen der Terroristen im Netz“ die Rede. Was für geheime Wege könnten das zum Beispiel sein?

Wir haben durch Edward Snowden nicht nur etwas über das Ausmaß der Abhörmaßnahmen von Geheimdiensten gelernt, sondern auch darüber, welche Kommunikationskanäle von Geheimdiensten leicht abgehört werden können und welche schwierig oder unter Umständen gar nicht. Snowden hatte seine Emails mit den Journalisten über "PGP" verschlüsselt. Er hatte die Daten der NSA mit dem Programm "Truecrypt" verschlüsselt und er nutzte das Netzwerk "TOR", um sich pseudonym im Netz zu bewegen. Scheinbar ist alleine die Kombination und korrekte Anwendung dieser drei Programme ausreichend, um den mächtigsten Geheimdienst der Welt auszutricksen.

Diese Werkzeuge sind seit Jahren frei im Internet verfügbar und sehr gut dokumentiert. Jeder kann diese Programme nutzen; so auch Terroristen. Vor allem die USA und Großbritannien diskutieren daher gerade, die Sicherheit solcher Werkzeuge per Gesetz zu reduzieren, z.B. durch den Einbau von Hintertüren. Da die Attentäter von Paris jedoch zumindest in Teilen unverschlüsselt über SMS kommuniziert und private Kreditkarten zum Bezahlen von Hotelzimmern verwendet haben, scheint das zu weit gegriffen, da selbst relativ offensichtliche Indizien nicht erkannt werden konnten.

 

Vereinzelt gibt es Befürchtungen, dass es in Zukunft auch Hacker-Angriffe des IS geben könnte. Wie genau könnten solche Angriffe denn aussehen bzw. was könnten die Ziele sein?

Das primäre Ziel des Terrorismus ist es, Angst zu schüren - was derzeit ja gelingt. Wenn wir uns jetzt noch viele weitere Schreckensszenarien überlegen, dann hat der Terrorismus sein Ziel erreicht. 

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