Wie das Wetter wirklich wird: Unser Experte über Apps, genaue Prognosen und Energieeinsparung

Eine stündliche Wettervorhersage ist praktisch, genau wie das 14-Tage-Wetter. Aber oft passen die Prognosen nicht. Tobias Ausländer vom Fachbereich Energie · Gebäude · Umwelt erklärt, warum das so ist – und wo man richtige Daten herbekommt.

Tobias Ausländer ist Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter unseres Fachbereichs Energie · Gebäude · Umwelt und betreut unter anderem die Wetterstation auf unserem Steinfurter Campus. (Foto: FH Münster/Pressestelle)
Tobias Ausländer ist Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter unseres Fachbereichs Energie · Gebäude · Umwelt und betreut unter anderem die Wetterstation auf unserem Steinfurter Campus. (Foto: FH Münster/Pressestelle)

Herr Ausländer, warum empfinden wir Wettervorhersagen oft als so unpräzise?

Die Prognosen, auf die wir Zugriff haben, sind eigentlich schon sehr gut. Aber letztendlich sind sie keine Fakten, sondern eine Vorausberechnung der Wahrscheinlichkeit mit verschiedenen Einflussparametern – wie das zum Beispiel bei Wahlprognosen auch der Fall ist. Unsere Gesellschaft ist sehr zahlengeprägt und erwartet von Apps und Onlinediensten eine unglaubliche Datenqualität, die aber weder bezahlbar noch technisch realisierbar wäre. Denn so müsste jeder Ort seine eigene Wetterstation haben, die Daten aufzeichnet und auch so genannte lokale Wetteranomalien berücksichtigen. Das sind zum Beispiel nur lokal auftretende Regenschauer, wie sie oft in Altenberge vorkommen. Da aber eben nicht jeder Ort eine eigene Wetterstation hat, tauchen Phänomene wie dieses in keiner Wetterprognose auf. Das wissen nur die Einheimischen.

 

Wie kann man sich denn lokal passende Daten verschaffen, wenn die in den Wetter-Apps zu allgemein sind?

Das geht zum Beispiel an den Wetterstationen im Umkreis. Die für Steinfurt und Umgebung steht hier auf unserem Campus, sammelt seit 1996 Daten für Forschung und Lehre und ist seit 2007 amtliche Wetterstation. Sie ist eingebunden ist das Netz der MeteoGroup, die aus allen Daten und Wetterstationen in Deutschland Prognosen berechnet, zum Beispiel für die ARD und den WDR. So behält man auch anormale Regionen und Wetterphänomene im Blick. Es werden nämlich nicht nur Temperaturen gemessen und bestimmt, sondern beispielsweise auch Regen- und Sonnenstunden, Windrichtung und Windstärke oder die Lufttemperatur am Boden – die ist wichtig für die Voraussage von Glatteis. Wie die Wetterstation genau funktioniert, das erkläre ich gerne bei kleinen Führungen. Ich bin technisch für sie zuständig und habe öfter Grundschulklassen zu Besuch – dann erlernen wir gemeinsam im Sachunterricht die Grundlagen unseres Wetters.

 

Wofür sind die Wetterdaten sonst noch gut?

Die Daten sind für unsere Energieversorgung von besonderer Bedeutung. Winddaten und Einstrahlungswerte geben wichtige Hinweise, wo Windkraft- oder Photovoltaikanlagen am sinnvollsten platziert sind oder wie man beim Hausbau seine Eingangstür oder Terrasse ausrichten sollte. Außerdem lässt sich durch präzise Vorhersagen der Energieeinsatz am Gebäude senken – der Flughafen Düsseldorf macht das beispielsweise seit mehreren Jahren und spart so 20 Prozent seiner Energie ein. Und das könnte für jedes Gebäude möglich sein, wenn die Gebäudetechnik beispielsweise weiß, wann sie die Heizung wie einstellen muss und wann nicht. Oder wann und wie man durch Verschattung und heruntergelassenen Rollladen kühlen kann, anstatt die Klimaanlage anzuwerfen. Die Technik handelt quasi prophylaktisch. Das Wetter lässt sich mittlerweile zwei bis drei Stunden präzise und 15 Minuten ultrapräzise vorhersagen – das reicht für die Gebäudetechnik!

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