Giftexperte über Bleigießen: „Für Kleinkinder, Schwangere und Stillende ist das nichts!“

Silvester rückt näher – da ziehen viele los und holen sich Sets zum Bleigießen, um die Zukunft für das neue Jahr vorherzusagen. Was Blei mit unserer Gesundheit anstellt, erklärt Prof. Dr. Thomas Schupp.

Herr Prof. Schupp, allgemein ist die Annahme verbreitet, Blei könne für die Gesundheit gefährlich sein. Stimmt das?

Das stimmt, ein hoher Bleigehalt im Blut hat nämlich Konsequenzen auf unser Nervensystem, bei Erwachsenen, aber auch bei ungeborenen Kindern und Kleinkindern. Das hat man an Babys feststellen müssen: Je höher der Bleigehalt im Blut der Mutter, desto mehr hinken die Kinder nach in der Intelligenzentwicklung. Vereinfacht gesagt: Blei macht dumm, genauer Bleiverbindungen und pulverförmiges Bleimetall.

 

Wie kommt das Blei denn in unseren Körper?

Die Verbindungen und Pulver können durch die Luft als Staub oder haftend an Partikel in unseren Körper gelangen, oder gar, weil wir sie unachtsam verschlucken. Nicht umsonst dürfen Menschen, die mit Blei arbeiten, dies nur mit Handschuhen tun, und der Bleigehalt im Blut darf einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Mittlerweile hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft Bleiverbindungen auch als krebserzeugend eingestuft. Bei Lötarbeiten im Allgemeinen kann der Blutgehalt schon mal hochgehen, aber er liegt noch nicht im toxischen Bereich; Kolbenlöten im Elektrobereich scheint aber nicht zu einer messbaren Belastung zu führen.

 

Aber an Silvester machen doch alle Bleigießen – wie passt das zusammen?

Es gibt meines Wissens nach keine wissenschaftliche Studie, die sich mit dem Bleigehalt im Körper durch Bleigießen zu Silvester beschäftigt hat. Das wollen wir hier an der FH Münster anpacken. Natürlich ist das Bleigießen zu Silvester eine im Jahresverlauf einmalige Angelegenheit und nicht mit Arbeitsplätzen in einer Gießerei vergleichbar, aber es stellt sich ja auch die Frage, wie das eigentlich mit dem Wasser ist, das wir nach dem Bleigießen einfach so in den Ausguss kippen. Wie hoch ist da die Konzentration des gelösten Bleis, und ist sie schädlich? Dies werden wir ebenfalls untersuchen.  Und: Silvester 2018 wird es nicht mehr so einfach sein, Sets zum Bleigießen zu kaufen.

 

Warum denn das?

Schweden hat beantragt, auch massives Blei als entwicklungsschädigend zu kennzeichnen; das wird in 2018 umzusetzen sein. Laut Chemikalienverbotsverordnung dürften ab nächstes Jahr nur noch sachkundige Verkäufer Blei anbieten, wenn es denn durch Ausnahmeregelung erlaubt wäre. Fest steht aber schon jetzt: Für Kleinkinder, Schwangere und Stillende ist das nichts, und Blei gehört niemals in den Hausmüll, sondern zur Sondermüllsammelstelle!

 

Gibt es denn Alternativen für all die, die nicht aufs Orakeln verzichten wollen?

Zinn zum Beispiel ist für unsere Gesundheit deutlich unschädlicher, es ist nicht als gefährlich gekennzeichnet. Viele unserer Konservendosen mit Lebensmitteln sind von innen klassisch verzinnt. Zinn ist dem Blei in seinen Eigenschaften was den Schmelzpunkt angeht recht ähnlich, weshalb es sich zum „Zinn-Gießen“ gut eignen würde. Das Problem ist nur: Zinn ist teurer als Blei, und man könnte die gegossenen Figuren aufheben und dann im nächsten Jahr wieder einschmelzen, das ist auf jeden Fall nachhaltig. Eine weitere Alternative ist Kerzenwachs, das hat man außerdem eh meist zuhause. Es sieht allerdings gegossen nicht ganz so toll aus wie Blei. Da ist dann Kreativität gefragt!

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