Achtung, Schimmel! Unser Toxikologe erklärt, was zu tun ist

Wenn man die schwarzen Flecken sehen kann, ist es längst zu spät: Dann ist der Schimmel auf dem Siegeszug. Wie man ihm vorbeugt und inwieweit er gefährlich ist, erklärt Prof. Dr. Thomas Schupp von unserem Fachbereich Chemieingenieurwesen.

Prof. Dr. Thomas Schupp ist Toxikologe an unserem Fachbereich Chemieingenieurwesen. (Foto: FH Münster/Pressestelle)
Prof. Dr. Thomas Schupp ist Toxikologe an unserem Fachbereich Chemieingenieurwesen. (Foto: FH Münster/Pressestelle)

Herr Prof. Schupp, Schimmel an der Wand kennt jeder. Aber was genau ist Schimmel eigentlich?

Schimmelpilze sind ganz einfache Mikroorganismen, die von organischen Materialien leben. Für unsere Natur und Umwelt sind sie sehr wertvoll – sie zersetzen zum Beispiel abgestorbenes Holz oder unseren Kompost. Wenn wir den Schimmel sehen können, geht es dem Pilz so gut, dass er selbst schon Schimmelpilzsporen bilden kann. Aber dass er sichtbar ist, ist nicht gleichzeitig ein Indiz dafür, dass wir gefährdet sind.

 

Nicht?

Nein, der Schimmel ist eher ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt. Es kann am Gebäude liegen, dass zum Beispiel Dämmungen nicht richtig verarbeitet wurden oder es Leckagen gibt. Aber in den meisten Fällen verhalten sich die Menschen so, dass Schimmelpilzsporen bei ihnen gerne auskeimen. Zum Beispiel, wenn Wasserdampf aus unserer Zimmerluft an kalten Stellen kondensiert – hinterm Schrank an der Außenwand oder im Badezimmer. Und viel Feuchtigkeit zusammen mit einer angenehmen Temperatur sind optimale Bedingungen für Schimmelbildung.

 

Was kann man dagegen am besten tun?

Auf jeden Fall ausreichend stoßlüften, mindestens zweimal am Tag. Und ist die Luftfeuchtigkeit im Raum höher als 80 Prozent, sollte man auch die Fenster aufreißen. So zieht der Wasserdampf ab. Ganz leicht lässt sich das mit Feuchtemessgeräten, so genannten Hygrometern, überprüfen. Wenn man den Raum danach aufheizt, geht außerdem die relative Feuchtigkeit der neuen Luft zurück. Deshalb ist es auch dann sinnvoll zu lüften, wenn es draußen regnet. Und wenn der Schimmel schon sichtbar ist: Auf Ursachensuche gehen, und Ursache beseitigen! Kurzfristig hilft es, ihn mit Spiritus abzureiben, den man mit Wasser geringfügig verdünnt hat. Gesonderte Schimmelvernichter sind nicht nötig.

 

In welchen Räumen entsteht denn die meiste Feuchtigkeit?

Vor allem die Wohnräume sind betroffen. Bei jedem Ausatmen geben wir Wasserdampf ab – deshalb ist die relative Konzentration im Schlafzimmer am Ende der Nacht oft hoch. Im Bad natürlich per se, und in der Küche müssen alle lüften, die ohne Abzugshaube kochen. Der Kardinalfehler ist deshalb, Wäsche in seiner Wohnung zu trocknen. Auf die Dauer kann das zu einer feuchten Wohnung führen.

 

Und die zieht dann wiederum Schimmelpilze an. Wann können sie gefährlich werden?

Mit der normalen Schimmelpilzsporenkonzentration in der Luft werden gesunde Menschen spielend fertig, auch Kinder. Anders ist das bei Leuten, deren Immunsystem nur eingeschränkt arbeitet – zum Beispiel bei AIDS-Kranken oder Patienten, die eine Chemotherapie machen. Bei allen können aber erkältungsähnliche Symptome auftreten wie eine verstopfte Nase, Reizhusten oder gerötete Augen. Und es gibt auch giftige Schimmelpilze, die gefährlicher sind. Befallene Bauten sollten deshalb von einem Mikrobiologen beurteilt werden, damit ein Umweltmediziner dann entsprechende gesundheitliche Aussagen machen kann. Und auch schon mit einer feuchten Wohnung ist nicht zu spaßen: Es gibt nämlich Hinweise, dass kleine Kinder anfälliger für Asthma sind, wenn sie unter einer dauerhaften Belastung von Schimmel und einer feuchten Wohnung stehen.

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