Energielabel A+++: Nur Marketing oder wirkliches Sparpotenzial?

Natürlich möchte man der Umwelt zuliebe gut mit Strom haushalten – aber das A+++-Gerät ist am teuersten. Tut’s nicht auch A++ oder A+? Antworten hat Leistungselektroniker Prof. Dr. Tilman Sanders.

Herr Prof. Sanders, die Skala der Energielabels reicht von G bis A, wobei sich die Stufe A noch einmal aufteilt in A+, A++ und A+++. Warum verwendet man eine so verwirrende Skala?

Ursprünglich ist dieser Energie-Effizienz-Index eine Idee der EU gewesen, um uns Verbraucher beim Kauf von Wasch- und Spülmaschinen oder Kühlschränken – also Geräten, die viel Energie verschlingen – zu unterstützen. Gleichzeitig ist er eine Methode, um volkswirtschaftlich Energie zu sparen. In den letzten Jahren kamen immer effizientere Geräte auf den Markt, die noch besser sind als die aktuell beste Klasse. Deshalb wurde die Stufe A systematisch erweitert. Gegen Ende 2018 soll eine neue Skala eingeführt werden, die wie ursprünglich nur von G bis A geht. Das wird vermutlich ein bisschen Chaos in der Übergangsphase geben, da die besten Einstufungen A und A+++ dann kurzzeitig parallel existieren könnten.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang denn genau energieeffizient?

Dass man eine bestimmte Wirkung mit möglichst geringen Mitteln erreicht. Ich könnte meine Teller mit Wasser aus dem Feuerwehrschlauch reinigen – das wäre zwar effektiv, aber nicht effizient, weil ja viel mehr Wasser als nötig dabei verbraucht wird. Hinzu kommen in diesem Zusammenhang Energie und Leistung. Wir bezahlen den Verbrauch unserer Energie, die Kilowattstunden. Die Leistung beschreibt, wie schwer oder leicht etwas geht, wie viel Power sozusagen hinter der Energie steckt. Leistung und Energie sind über die Zeit miteinander verknüpft. Ein Fön zum Beispiel hat eine hohe Leistung, ist aber nur ganz kurz am Tag im Einsatz. Deshalb ist sein Stromverbrauch nicht sehr hoch. Anders sieht es beim Kühlschrank aus, der immer läuft, egal mit welcher Leistung.

Besteht zwischen den Stufen A+, A++ und A+++ wirklich so ein großer Unterschied wie angegeben? Und wann lohnt es sich umzurüsten?

Die Abstände sind prozentual eingeteilt und werden nach oben hin kleiner. Das heißt: Ein Wechsel von einem C- auf ein A-Gerät ist effizienter als ein Wechsel von A auf A+++. Ob sich der Austausch lohnt, kann man selbst mit den Leistungs- und Energieangaben ausrechnen. Meistens rechnet sich A+++, wenn das Gerät häufig und lange benutzt wird.

Welche Geräte zum Beispiel?

Bei LED-Lampen lohnt es sich sehr schnell, da würde ich empfehlen, über kurz oder lang alle Lampen auszutauschen. Bei einem von mir vor kurzem betrachteten Standardkühlschrank mit durchschnittlichen Preisen aus dem Internet sah das schon anders aus. Die Klasse A+++ rechnete sich gegenüber der Klasse A+ erst, wenn man den Kühlschrank mindestens sieben Jahre nutzt. Bei A++ war das bereits nach einem Dreivierteljahr der Fall. Aber da darf man auch nicht vergessen: Der Stromverbrauch hängt zusätzlich von der Nutzung ab und vom Standort des Kühlschranks. Zudem fallen auch die Preise der besseren Geräte meist schnell, sodass der genannte Vergleich in einem Jahr ein ganz anderes Ergebnis liefern könnte.

Wie meinen Sie das? Wie lässt sich dadurch Energie sparen?

Ein Kühlschrank im Keller verbraucht zum Beispiel weniger, weil er nicht so viel Energie zum Kühlen braucht, als wenn er direkt neben dem Herd oder der Spülmaschine eingebaut ist. Gut ist es auch, wenn die Kühlschränke hinten einen Luftdurchzug haben, sodass die Wärme entweichen kann. Das senkt ebenfalls den Energieverbrauch. Und natürlich gilt: Je weniger man Geräte benutzt, desto weniger Strom verbrauchen wir. Es sollte aber nicht so sein, dass wir extreme Komforteinbußen durch Stromsparen hinnehmen müssen. Den Backofen nicht vorzuheizen wäre so ein Beispiel: Das würde zwar Energie sparen, aber wenn die Qualität der Brötchen zum Schluss nicht stimmt, hat man nicht wirklich was gewonnen.

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