Wenn fasten, dann richtig: Ernährungsexpertin klärt auf

Mit dem Aschermittwoch startet die Fastenzeit. 40 Tage lang, bis Ostern, üben sich viele Menschen in Verzicht – auf Süßigkeiten, Alkohol, Fleisch oder Fernsehen und Smartphone. Manche verzichten gleich ganz auf feste Nahrung und machen eine richtige Fastenkur. Was ist dabei aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zu beachten? Drei Fragen an Prof. Dr. Ursel Wahrburg vom Fachbereich Oecotrophologie · Facility Management unserer Hochschule. 

Prof. Dr. Ursel Wahrburg ist Ernährungswissenschaftlerin am Fachbereich Oecotrophologie – Facility Management der FH Münster.
Was aus ernährungswissenschaftlicher Sicht beim Fasten zu beachten ist, verrät Prof. Dr. Ursel Wahrburg vom Fachbereich Oecotrophologie · Facility Management. (Foto: FH Münster/Wilfried Gerharz)

Frau Prof. Wahrburg, wie gut tut es, 40 Tage lang auf Alkohol, Fleisch oder Süßigkeiten zu verzichten?

Sehr gut! Wer liebgewonnene Produkte bewusst meidet, lernt den Genuss wieder zu schätzen. Es ist eine interessante Erfahrung, die in keinem Fall schadet. Und auch die gesellschaftliche Akzeptanz ist gestiegen. Denn ob vegan, laktose- oder glutenfrei – es gibt viele verschiedene Ernährungstrends, also warum nicht auch einfach mal fasten?

 

Manche verzichten auf liebgewonnene Produkte, andere planen eine richtige Fastenkur. Was ist damit gemeint?

Bei einer Fastenkur nimmt man für eine bestimmte Zeit keine feste Nahrung zu sich. Doch dabei ist Vorsicht angesagt: Länger als eine Woche sollte das auf keinen Fall dauern. Und am besten bleibt man – sofern möglich – während dieser Zeit zuhause. Wer eine Fastenkur machen möchte, sollte fünf Faustregeln beachten: Erstens viel trinken, wie zum Beispiel ungesüßten Tee, Saftschorle und natürlich Wasser. Zweitens auf Genussmittel wie Kaffee oder Alkohol verzichten. Drittens den Stoffwechsel und die Verdauung anregen, zum Beispiel durch Abführmittel oder Schwitzkuren. Zum Fasten gehört viertens auch, Außenreize zu vermeiden und die Innensteuerung zuzulassen, also Ruhe zu haben und auf sich selbst zu achten. Und fünftens ist es wichtig, all das zu tun, wonach der Körper verlangt, zum Beispiel viel schlafen und frische Luft tanken. Nach der Fastenkur sollte man den Körper langsam wieder an feste Nahrung gewöhnen. Das Fastenbrechen startet zum Beispiel mit einem Apfel, dann folgt etwas Suppe und langsam immer mehr, bis das normale Essenspensum wieder erreicht ist.

 

Für wen ist eine solche Fastenkur geeignet und für wen eher nicht?

Grundsätzlich für jeden, der sich fit fühlt – bitte aber immer nur nach Rücksprache mit dem Hausarzt. Gibt es aus ärztlicher Sicht keine Bedenken, steht einer Fastenkur nichts im Wege. Leichter wird es mit Menschen an der Seite, die Unterstützung und eine fachkundige Anleitung bieten können. Außerdem gibt es viele Bücher zum Thema, die sicherlich hilfreich sind. Wer aber Herz-Kreislauf-Probleme hat oder schwanger ist, sollte auf keinen Fall fasten. Auch Menschen, die abnehmen möchten, sollten lieber ein anderes Mittel wählen. Wer fastet, verliert zwar in den ersten Tagen viel Wasser, der eigentliche Fettabbau beginnt aber erst nach drei Tagen – ein dauerhafter Gewichtsverlust ist dadurch nicht möglich.

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