Energie schlau nutzen: Photovoltaik-Experte über Speicher und Wärmepumpen

Zu viel Strom, den gibt es gar nicht – sagt Prof. Dr. Konrad Mertens. Der Photovoltaik-Experte an unserem Fachbereich Elektrotechnik und Informatik macht sich stark für Energiespeicher und Wärmepumpen, und er räumt mit Gerüchten auf.

Herr Prof. Mertens, aktuell werden deutlich mehr Photovoltaikanlagen gebaut als in den letzten Jahren. Woran liegt das?

So allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass sich Solarstromanlagen für den Hausbesitzer nach wie vor lohnen. Die Erzeugung einer Kilowattstunde Solarstrom auf dem eigenen Dach kostet etwa 11 Cent. Nutzt man diese Energie für den eigenen Haushalt, muss man weniger Strom aus dem Netz beziehen und spart so deutlich Geld.

 

Jede zweite Photovoltaik-Anlage wird heutzutage direkt mit einem Batteriespeicher verkauft. Ist das denn auch lohnenswert?

Es wird immer Momente geben, in denen die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach mehr Strom produziert, als gerade im Haushalt gebraucht wird. Deshalb ist es naheliegend, den selbst gewonnenen, überschüssigen Strom einfach zu speichern und zum Beispiel abends oder nachts einzusetzen, wenn die Sonne nicht scheint. Bislang sind die Solarbatterien allerdings noch relativ teuer, so dass sich der Kauf für Privatleute selten rechnet. Es ist allerdings ein tolles Gefühl, seinen eigenen Strombedarf zu fast 100 Prozent aus umweltfreundlicher Solarenergie zu decken.

 

Könnte man den Strom in einem Batteriespeicher auch bis zum nächsten Winter speichern und dann erst nutzen?

Batteriespeicher sind in erster Linie Kurzzeitspeicher. Sie können den Strom – je nach Batteriekapazität – für einen oder zwei Tage speichern. Am besten wäre es natürlich, man lädt mit dem Solarstrom zusätzlich sein Elektroauto auf – ich denke, in ein paar Jahren wird das Elektroauto zumindest als Zweitauto gang und gäbe sein. Will man den Solarstrom über längere Zeiten speichern, lässt sich in wenigen Jahren die noch recht frische Power-to-Liquid-Technologie einsetzen. Sie macht aus überschüssigem Strom und Kohlendioxid flüssiges Methanol. Es lässt sich leicht transportieren, in einem Tank speichern und so lokal sehr gut nutzen. Bei Strombedarf nutzt man die Energie des Methanols, um daraus wieder elektrische Energie zu machen.

 

Wenn man sich noch keinen Energiespeicher anschaffen möchte, gibt es Alternativen, den überschüssigen Strom zu verwenden?

Die gibt es: Wärmepumpen kommen dank Photovoltaik immer mehr in Mode. Sie wandeln Strom in Wärme um und das sehr effizient: Aus einer Kilowattstunde Strom machen sie je nach Modell drei oder vier Kilowattstunden Wärme! Recht günstig sind Brauchwasser-Wärmepumpen, die Trinkwasser erwärmen und meist im Keller stehen. Will man den Solarstrom auch für die Heizung nutzen, verwendet man Heizungs-Wärmepumpen, die meist im Garten installiert werden.

 

Was für Möglichkeiten gibt es in größeren Dimensionen?

Um auf Atom- und Kohlekraftwerke verzichten zu können, benötigen wir die Power-to-Gas-Technologie. Sie wandelt überschüssigen Strom in Erdgas um. Zwar gibt es dabei Verluste, vor allem, wenn man das Methangas dann wieder rückverstromt. Aber die Verluste sind eigentlich nicht schlimm – wenn der Strom aus den erneuerbaren, ohnehin zur Verfügung stehenden Energien stammt. Daher ist mein Appell an alle Hausbesitzer: die ohnehin vorhandenen Dächer soweit es geht zur Solarenergieerzeugung nutzen! Es gibt kaum eine andere Technologie, die so flächeneffizient und mit so wenig Umweltauswirkungen saubere Energie liefert.

 

Aber was hindert die Menschen daran?

Es gibt einige Gerüchte, die sich leider hartnäckig halten – dass Photovoltaik-Anlagen immer noch viel zu teuer seien oder dass die Feuerwehr ein Haus nicht löscht, wenn darauf Solarmodule installiert sind. Beides stimmt nicht: Jetzt ist eine gute Zeit zum Investieren, die Anlagen sind immer günstiger geworden und je nach Dachgröße ab 6.000 Euro zu haben. Und die Feuerwehrteams löschen auch ein Haus mit Photovoltaik-Anlage, das brennt. Sie müssen das Gebäude genauso behandeln wie ein Haus, das noch am Stromnetz hängt, zum Beispiel höhere Sicherheitsabstände beim Löschen einhalten.

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