Nachbarschaftshilfe im Urlaub: Wann bietet sie sich an, wann besser nicht?

Urlaubszeit – und kein Problem, den Nachbarn um Gefälligkeiten zu bitten? Wann es sich um eine kleine Bitte und wann eine Zumutung handelt, darauf antwortet der Politikwissenschaftler Dr. Sebastian Kurtenbach von unserem Fachbereich Sozialwesen, der sich auch mit dem Zusammenleben in Nachbarschaften beschäftigt.

Wann erkenne ich, ob ich meinen Nachbarn den Wohnungsschlüssel anvertrauen kann?
Es kommt auf die eigene Lebensphase an und darauf, wie gut man seine Nachbarn kennt. Grundsätzlich gehört es zum akzeptierten Verhalten, wenn man seine Nachbarn schon etwas länger kennt, bei ihnen den Wohnungsschlüssel zu deponieren. Das gilt nicht nur für die Urlaubszeit, sondern auch im Alltag. Denn die Türe fällt leicht hinter einem zu, und ein hilfsbereiter Nachbar ist günstiger als ein Schlüsseldienst. Wenn allerdings das Vertrauen fehlt oder er gesundheitlich dazu nicht in der Lage ist, sollte man sich eine Alternative überlegen.

 

Wenn die Familie von nebenan wegfährt, kann ich anbieten, die Katze zu füttern oder würde ich mich damit aufdrängen?
Auch hier gilt, dass es darauf ankommt, wie gut man sich kennt. Wenn die Nachbarin zugleich die Kommilitonin ist oder man bei Online-Plattformen miteinander vernetzt ist, dann kann man problemlos fragen. Haustiere können ohnehin ein guter Anlass ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Gibt es Aufgaben, die ich meinen Nachbarn in meinem Urlaub lieber nicht zumuten sollte?
Es gibt einen Verhaltenskanon, der akzeptiert ist, wie etwa Blumen zu gießen oder Post reinzuholen. Das hat aber Grenzen. Wenn man beispielsweise einen riesigen Garten hat, wäre es ganz schön viel verlangt, die Nachbarn zu fragen, sich um ihn zu kümmern. Nachbarschaftshilfe sollte keine Belastung sein, sondern ohne Einschränkungen in den Alltag zu integrieren sein.

 

Was ist ein angemessenes „Dankeschön“?
Häufig hat man schon ein Gespür dafür, da es ja auch die Beziehung untereinander widerspiegelt. Ein kleines Mitbringsel aus dem Urlaub kann da genauso angemessen sein wie die Einladung zum Grillen. Es kann auch verabredet werden, dass man als „Dankeschön“ im Urlaub des Nachbarn dessen Blumen versorgt.

 

Wie ist das generell – steigt das Interesse für die Nachbarn wegen der Hilfsdienste in den Ferien?
Ja, denn man plaudert dann über den Urlaub und was in der Zwischenzeit in der Nachbarschaft passiert ist. Das Wiederkommen ist ein Anlass, miteinander zu reden, und jedes Gespräch mit den Nachbarn kann das Vertrauen in sie stärken. 

Seite drucken