Mit Motivation durchs Studium boxen

Eine Mitarbeiterin der Pressestelle stellt sich den praktischen Herausforderungen eines ungewöhnlichen BWL-Seminars


Milana Mohr (2.v.r.) von der Pressestelle beim Dehnen auf dem Platz.
Milana Mohr (2.v.r.) von der Pressestelle beim Dehnen auf dem Platz.
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Münster (4. März 2013). „Versuch macht kluch" - das hat meine Oma aus dem Ruhrgebiet immer gesagt, und sie hat Recht behalten: Manche Dinge muss man selbst ausprobieren, bevor man darüber schreiben kann. In diese Kategorie gehört auch das BWL-Seminar „Social Business & Motivation", was Prof. Dr. Olaf Arlinghaus vom Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Münster gemeinsam mit dem Boxprofi Dr. Farid Vatanparast anbietet.

Rückblick erste Veranstaltung:

Es ist noch dunkel, als sich die Studierenden gegen 7.30 Uhr in der Boxhalle in Münster-Coerde einfinden. Schnell sind alle umgezogen. Dann geht es los. Der Navy-Seals-Test, den verschiedene Spezialeinheiten weltweit durchlaufen, steht an. Die Studierenden sollen zeigen, wo sie sportlich stehen: Laufen, Liegestütze, Sit-ups und Klimmzüge stehen auf der Agenda. Zuerst geht‘s raus in den Herbst - zum Laufen auf dem Sportplatz. Die Jungs, die „bestimmt alle Fußballer sind", setzen sich schnell ab. „Verausgabt euch nicht sofort", ruft Boxtrainer Vatanparast der joggenden Gruppe hinterher.

„Nur 20 Glückliche haben den Zuschlag erhalten, es haben sich mehr als 100 angemeldet", berichtet Professor Arlinghaus. Das außergewöhnliche Seminar ist bei den angehenden Betriebswirten beliebt. Warum, werden mir die Studierenden später berichten. Denn beim Laufen fehlt uns die Puste. Eine Studentin sagt noch, „wenn man beim Laufen noch quatschen kann, stimmt das Tempo". Wir aber werden immer ruhiger.

Als die Fußballer uns beim Laufen in unserer gerade geschafften vierten Runde überholen, ruft ihnen Arlinghaus zu: „Das ist Ihre letzte Runde." „Gilt das auch für uns?", prustet meine Mitläuferin mit roten Wangen hervor. Spätestens jetzt hat mein Herz sehr viel damit zu tun, Blut durch die Adern zu pumpen. Mein Puls ist hoch. Auch für uns kommt die letzte Runde. „Geben Sie noch einmal Vollgas", ruft Arlinghaus. 2,4 Kilometer, 14 Minuten und 21 Sekunden später bin ich am Ziel. Eine Meisterleistung für Laiensportler und eine Laienleistung für Meistersportler.

Nach 28 Liegestützen halte ich die Kamera beim Fotografieren mit leichtem Zittern. Ein anderer Teilnehmer hat in den zwei Minuten 98 Liegestütze gemacht. Die 58 Sit-ups, die die Bauchmuskulatur fordern, fallen mir leichter. Meine Armfunktionen normalisieren sich wieder - bis die Klimmzüge an der Stange anstehen, die vor der ganzen Gruppe gemacht werden. Das Publikum feuert an. Ich schaffe einen. Das Maximum der Männer liegt bei 15. Studentin Theresa Pöhler schafft immerhin sechs: „Ich war ziemlich überrascht, ich habe das nie vorher ausprobiert." Im Anschluss wird erstmalig die richtige Boxhaltung geübt. Immer, wenn einer etwas falsch macht, müssen alle in der Gruppe zehn Liegestütze machen. Meine Arme werde ich noch den ganzen Tag spüren.

Vatanparast macht deutlich, was die angehenden Betriebswirte aus seiner Sicht aus dem Seminar mitnehmen: „Sie lernen hier viele nützliche Dinge für den Beruf wie Disziplin, den Umgang mit Kritik und Niederlagen, Zusammenarbeit im Team, Motivationstechniken, Zielstrebigkeit, Schnelligkeit und Flexibilität sowie Körpersprache und Auftreten." Seine Liste ist noch länger. Wichtig ist ihm, dass seine Sportart „beim Durchboxen durchs Studium und durchs Leben hilft." Auch der Theorieblock des Seminars setzt an dieser Schnittstelle an: Die Teilnehmer lernen die richtige Work-Life-Balance zu finden. Dazu bringt Arlinghaus die Themen Selbstmanagement, Selbstmotivation und Lebensplanung sowie Strategien zum Stressabbau zur Sprache. Vatanparast ergänzt die Lehrinhalte um die Entwicklung eines Sozialprojektes. Der Boxprofi weiß, wovon er spricht: Seit Jahren engagiert er sich ehrenamtlich für das pädagogische Konzept „Farid´s QualiFighting", für das er bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.

Letzte Veranstaltung:

„Ich habe die Erkenntnis mitgenommen, dass ich stärker bin, als ich dachte. Ich bin zu vielem fähig, wenn ich nur daran glaube. Das hat mir das Seminar gezeigt." Phyllis Briggs ist mit ihrer Wahl zufrieden. Ihr war besonders wichtig, etwas für ihr späteres Berufsleben zu lernen: „Es werden im Job auch immer monotone, langweilige und eintönige Aufgaben auf uns zukommen, wo wir einfach kein Ende sehen." Der Boxprofi Vatanparast habe ihnen in dem Seminar Wege beigebracht, um die Monotonie durchzustehen, sie auszuhalten, das Ziel im Auge zu behalten und sich durchzuboxen. Frederike Goblirsch ist etwas anderes im Gedächtnis geblieben: „Besonders inspiriert hat mich der Vortrag über das Thema Motivation von Prof. Arlinghaus. Ich habe mir vorgenommen, mein Leben einfach wieder zu leben - mit allem was dazu gehört." Eines haben jedoch beide Studentinnen aus dem Seminar mitgenommen: Die Dinge mit dem nötigen Ehrgeiz anzugehen und auszuprobieren - auch wenn sie zunächst unerreichbar scheinen.

Auch Arlinghaus ist am Ende auch zufrieden: „Die Männer haben im sportlichen Bereich eine Leistungssteigerung von 100 Prozent erreicht, bei den Frauen sind es sogar 300 Prozent. Für mich ist es immer wieder ein besonderer Moment, wenn ich sehe, wie Studierende über ihre Grenzen hinausgehen und ganz andere Dimensionen erreichen." Von dem Lehrbeauftragten Vatanparast hätten die angehenden BWLer dabei in punkto Motivation viel gelernt, ist sich der Professor sicher. Vatanparast: „Ich arbeite gerne mit Studierenden zusammen und kann ihnen ganz praktisch näher bringen, was mich beim Durchboxen immer wieder motiviert hat."

Und mein Fazit? Meine Testteilnahme an dem ungewöhnlichen Seminar hat sich gelohnt, um auszuprobieren, wo die eigenen Grenzen liegen. Versuch macht eben kluch.


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