„Wir können es schaffen – wenn wir es wirklich wollen“

Steinfurter Campus-Dialoge der FH Münster beschäftigten sich mit Rohstoffen und Nachhaltigkeit


Prof. Dr. Reinhart Job
Prof. Dr. Reinhart Job diskutierte mit den Besuchern der Steinfurter Campus-Dialoge über den nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen. (Foto: FH Münster/Pressestelle)

Münster/Steinfurt (10. November 2017). „Moderne Industriegesellschaften sind süchtig nach Rohstoffen.“ So definierte Prof. Dr. Reinhart Job das Dilemma, mit dem er sich bereits seit mehr als 15 Jahren beschäftigt und das bei den „Steinfurter Campus-Dialogen“ der FH Münster im Mittelpunkt stand.

„Die Entwicklung von Gesellschaften und Kulturen war immer stark beeinflusst von Rohstoffen“, beschrieb Job, Dekan des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik, die historischen Hintergründe. „Umbrüche hingen oft mit Innovationen in den Materialwissenschaften zusammen.“ Heute besteht eine nahezu hundertprozentige Abhängigkeit von nicht-erneuerbaren Rohstoffen, die zum Beispiel für die Herstellung von Kunststoffen benötigt werden.

Und der Bedarf steigt und steigt. Rund 7,5 Milliarden Menschen bevölkern die Erde, mehr als die Hälfte wohnen in urbanen Regionen. Seltene Erden für Konsumgüter wie Smartphones, Dünger für den Anbau von Lebensmitteln und Sand für Beton, der für den Bau der vielen neuen Megacitys gebraucht wird: All diese Rohstoffe werden immer knapper.

„Zudem müsste aus humanitären Gründen eigentlich der Energieverbrauch der Welt drastisch erhöht werden“, so Job. Denn ethisch gesehen sollten seiner Meinung nach von den Rohstoffen alle Menschen gleichermaßen profitieren – also nicht nur in den Hightech-Gesellschaften, sondern auch in den Entwicklungsländern. Allerdings werden momentan 85 Prozent des Verbrauchs durch fossile Energiequellen abgedeckt. „Mittelfristig würden die Reserven an Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran sogar reichen – wenn uns Klimaerwärmung und Umweltschäden nicht interessieren“, brachte es der Hochschullehrer auf den Punkt. Probleme wie das Schmelzen der Pole, die Zerstörung der Meere und das weltweite Artensterben, die der hohe CO2-Ausstoß bereits jetzt verursacht, würden sich weiter verschärfen.

Aber welche Alternativen gibt es? „Die Nutzung der regenerativen Energien ist bei weitem noch nicht ausgereizt“, sagte Job. Sonne, Erdwärme und andere natürliche Quellen könnten einen größeren Teil der weltweit benötigten Energie liefern, wenn die Technologien konsequent weiterentwickelt würden. „Wir können das schaffen, wenn wir wirklich wollen“, so Job.

Ein großer Schritt wäre es, wenn kostbare Rohstoffe wie Erdöl nur noch zur Herstellung spezieller Produkte verwendet würden und nicht weiterhin etwa zur Wärmeerzeugung oder für kurzlebige Konsumgüter. „Wenn Sie Ihren Kamin anheizen, benutzen Sie dafür auch kein Bild von Rembrandt“, verdeutlichte Job.

Eine nachhaltig lebenswerte Welt für alle schaffen ohne Einschränkungen in unserem Konsumverhalten – das ist nach Einschätzung von Job und vielen Zuhörern, die sich zu Wort meldeten, nicht möglich. Dafür sei jeder Einzelne gefragt, aber auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die die Politik gestaltet, müssten sich ändern. Job: „Wie bereits Einstein sagte: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Zum Thema:
„Steinfurter Campus-Dialoge“
heißt die Veranstaltungsreihe, die die FH Münster und das KulturForum Steinfurt initiiert haben. Seit November 2015 erklären verschiedene Referenten Wissenschaftsthemen anschaulich und allgemein verständlich. Besucher sind eingeladen, mit Forschern ins Gespräch zu kommen und Einblicke in die Wissenschaft zu gewinnen.


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