Musik in der Sozialen Arbeit

Fachbereich Sozialwesen der FH Münster beruft Steven Bolarinwa als Professor


Münster (16. November 2020). Profibasketballer – das wollte Steven Bolarinwa als Jugendlicher eigentlich werden. Aber das Konzert des Modern String Quartet änderte alles: „Das war ein regelrechter Schlüsselmoment. Ab dem Zeitpunkt wusste ich: Ich werde Musiker“, erinnert sich der Sohn eines Dirigenten. „Die haben trotz klassischer Besetzung mit Streichinstrumenten total moderne, jazzige Musik gemacht, die richtig gegroovt hat. Das war völlig neu für mich als bis dahin rein klassischen Geiger und hat mich komplett umgehauen.“ Daraufhin entschied sich Bolarinwa für ein Jazzmusikstudium an der Musikhochschule Köln, und zwar mit dem hierzulande im Jazz eher seltenen Hauptfach Violine. Nun ist er als Professor für das Lehrgebiet „Musik in der Sozialen Arbeit“ an den Fachbereich Sozialwesen berufen worden und tritt damit die Nachfolge von Prof. Dr. Hans Hermann Wickel an.

Sein zweites Studium führte Bolarinwa in seine Geburtsstadt zurück: „An der Musikhochschule München habe ich Filmkomposition studiert. Das hat mich gereizt, weil beim Film alles dabei ist: Klassik, Jazz, Pop und noch vieles mehr. Mich interessiert einfach das große Spektrum der Musik.“ Nachdem er einige Jahre als Musiker tätig war, unter anderem als Jazzgeiger, Komponist, Arrangeur und Produzent im Tonstudio, beschäftigte ihn zunehmend die Frage, wo und wie man Musik jenseits von Konzertpodium, Tonstudio und Wettbewerb noch sinnvoll einsetzen kann. Dies brachte ihn zur Musik in der Sozialen Arbeit und dazu, ein drittes Studium zu absolvieren: den Master „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ am Center for World Music der Universität Hildesheim. „Das war eine äußerst inspirierende Verbindung aus Musikpädagogik und Musikethnologie“, sagt der 43-Jährige. In verschiedenen Weiterbildungen unter anderem in Elementarer Musikpädagogik und Community Music vertiefte er seine Kenntnisse über die gesellschaftlich relevante Bedeutung von Musik weiter.

Lehrerfahrung sammelte Bolarinwa als Musikpädagoge an Musikschulen und an allgemein- und berufsbildenden Schulen, als Dozent zahlreicher Workshops, Kurse und Weiterbildungen sowie als Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Düsseldorf. Zudem war er vor seiner Berufung an die FH Münster bereits als Professor für „Theorien und Methoden der Kulturarbeit und ästhetisch-kulturelle Bildung in der Sozialen Arbeit“ mit dem Schwerpunkt Musik an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg tätig. „Ich habe das starke intuitive Gefühl, an der FH Münster beruflich so richtig ‚zuhause‘ angekommen zu sein. Ich hoffe natürlich, dass sich das bewahrheitet und freue mich besonders auf konstruktive Begegnungen mit den Kolleginnen und Kollegen – sehr gerne auch interdisziplinär – und mit den Studierenden.“

In der Lehre legt er Wert darauf, den Studierenden der Sozialen Arbeit „die Kraft der Musik“ zu vermitteln und ihnen nahezubringen, wie sich durch Musik Gruppenprozesse gestalten und Ermöglichungsräume schaffen lassen, beispielsweise für Empowerment. „Musik kann sich sehr positiv auf das Selbstwertgefühl auswirken, weil sie alternative Identitäten ermöglicht und Selbstwirksamkeit erfahrbar macht, zum Beispiel, wenn sich ein Jugendlicher plötzlich als Gitarrist und nicht mehr nur als sogenannter ‚Schulversager‘ erlebt“, erläutert der Hochschullehrer. Weitere Themen, die ihn umtreiben, sind kulturelle Diversität und der Anschluss an internationale Diskurse. „Ich möchte genauer hinschauen, auch wie in anderen Ländern Musik in sozialen Kontexten eingesetzt wird. Das international etablierte Konzept der Community Music zum Beispiel, das gesellschaftliche und pädagogische Ideale wie Inklusion, kulturelle Teilhabe und soziale Gerechtigkeit mit gemeinsamem Musikmachen vereint, ist hierzulande erst seit einigen Jahren bekannt – und steht dennoch der Musik in der Sozialen Arbeit außerordentlich nahe. Hier den Austausch weiter zu befördern finde ich total spannend.“

Besonderen Spaß mache ihm seine Arbeit immer dann, wenn sowohl die Studierenden als auch er im Seminar so richtig in Flow kämen – „etwas, das man keineswegs dem Zufall überlassen muss“.


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