Professionelle Wahrnehmung sozialer Wirklichkeit

FH Münster zeichnet Bachelorarbeit über zwei Disziplintheorien der Sozialen Arbeit aus


Münster (22. Juni 2021). Die Frage, ob Soziale Arbeit eine eigenständige Disziplin und Profession ist, prägt schon seit Jahren das professionelle Selbstverständnis der Sozialarbeitenden und die Debatte um die Akademisierung dieses Berufsfeldes. Theorien und Konzepte der Fachdisziplin sind bisher jedoch noch nicht selbstverständlich in der praktischen Arbeit verankert. Einen Beitrag hierzu leistet die Bachelorarbeit von Stephan Petz. Der Absolvent der FH Münster hat zwei wichtige Theorien der Sozialen Arbeit – die Handlungstheorie von Silvia Staub-Bernasconi und den lebensweltorientierten Ansatz von Hans Thiersch – miteinander verglichen und ein Instrument entwickelt, das Fachkräfte der Sozialen Arbeit nutzen können, um ihr professionelles Handeln theoretisch zu reflektieren. Dafür wurde er von der Hochschule mit dem Preis für die beste Bachelorarbeit am Fachbereich Sozialwesen im Jahr 2020 ausgezeichnet.

„Um die beiden Theorien miteinander vergleichen zu können, habe ich im ersten Schritt einen umfassenden Kriterienkatalog aufgestellt, mit dem sich die einzelnen Bausteine systematisieren lassen“, erklärt der 32-Jährige. „Dieses Instrument hilft dabei, die theoretischen Konzepte auf die Wahrnehmung der sozialen Wirklichkeit und die praktische Arbeit zu übertragen.“ Die Auseinandersetzung mit den Theorien seiner Fachdisziplin ist dem Bachelorabsolventen schon seit dem ersten Studiensemester wichtig. „Damals habe ich ein Grundlagenseminar zu Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit belegt und es gehörte zu meinen absoluten Lieblingsmodulen“, erläutert Petz. Ab dem zweiten Semester hat er in diesem Modul als Tutor gearbeitet und Studierenden dabei geholfen, sich in die grundlegenden Theorien hineinzudenken. „Viele hatten dabei ziemliche Schwierigkeiten und irgendwann war mir klar, dass ich in meiner Abschlussarbeit ein Instrument entwickeln wollte, das den Zugang zu wissenschaftlichen Theorien erleichtert“, erinnert er sich. Die Ergebnisse seines synoptischen Vergleichs lassen sich nämlich auch auf andere Theorien übertragen.

„Die Bedeutung seiner Erarbeitung betrifft die Professionalisierung der gesamten Sozialen Arbeit“, sagt Prof. Dr. Hugo Mennemann über die Relevanz von Petzs Abschlussarbeit und betont: „Praktiker*innen erfahren mit Hilfe des Vergleichs, wie unterschiedlich soziale Wirklichkeit professionell wahrgenommen und in ihr gehandelt werden kann.“ Der Pädagoge vom Fachbereich Sozialwesen der FH Münster hatte die Bachelorthesis betreut und mit folgender Begründung für den Preis vorgeschlagen: „Die Arbeit unterstreicht das zentrale Anliegen der FH Münster, Theorie und Praxis auf hohem Niveau miteinander zu verbinden und wird ohne Einschränkung als hervorragend bewertet.“

Zum Thema: Gerade einmal ein Prozent aller Absolvent*innen eines Jahrgangs erhält ihn: den Hochschulpreis. Jedes Jahr kürt das Präsidium gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde der FH Münster e. V. (gdf) auf Vorschlag der Fachbereiche und der Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtung die besten Abschlussarbeiten. Zu den Preisträger*innen des Hochschulpreises für die besten Arbeiten aus 2020 gehört auch Stephan Petz vom Fachbereich Sozialwesen. Eine vollständige Übersicht aller gewürdigten Absolvent*innen ist im FH-Jahresbericht ab Seite 54 unter fhms.eu/jahresbericht-20 abrufbar.


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