Ressourceneffizienz auf Knopfdruck

Zurück an der FH Münster: Alumnus, Bauingenieur und ehemaliger Niederlassungsleiter unterstützt ressourceneffizientes Bauen mit BIM-Methode


Münster (17. März 2022). Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind zwei wichtige Schlagworte für seine Promotion am Fachbereich Bauingenieurwesen der FH Münster, an der er vor rund 20 Jahren sein Bauingenieur-Diplom erwarb: Nach vielen Jahren in der Baubranche ist Dirk Klöpper zurück an seiner ehemaligen Hochschule und entwickelt ein digitales Entscheidungstool für Planer*innen, um ressourceneffizientes Bauen zu unterstützen. Auf Knopfdruck gibt das Programm Daten darüber aus, wie teuer etwa die Bauprodukte des Innenausbaus sind, aber auch, wie viel Geld Bauherr*innen oder Betreiber*innen später im Lebenszyklus des Gebäudes in die Hand nehmen müssen – beispielsweise für den Umbau, den Rückbau und die Entsorgung der Bauteile.

Dahinter steckt zum einen, dass das Bauwesen in Deutschland immense Mengen an Ressourcen verbraucht. Zudem gehen rund 55 Prozent des produzierten Abfalls auf das Konto der Bauwirtschaft. Recycelfähige Materialien einsetzen, modulare Bauprodukte nutzen, die später einmal einfach rückgebaut und in anderen Gebäuden eingesetzt werden können – das ist die nachhaltigere Variante, aber auf den ersten Blick auch die teurere. „Viele möchten ressourceneffizient bauen, aber es muss sich natürlich rechnen. Ein Beispiel: Eine rückbaubare Modul-Trennwand für Büros kostet pro Quadratmeter rund 200 Euro. Eine Gipskarton-Wand ist um die Hälfte günstiger, wird später aber entsorgt“, so Klöpper. Für gewerbliche Gebäude rechnen Fachleute etwa alle fünf bis zehn Jahre mit einem Mieterwechsel, der sei häufig mit einem Umbau verbunden. „Das Bewertungsmodell errechnet, wie teuer der Innenausbau eines Bürogebäudes tatsächlich, also langfristig gesehen, wird“, erklärt der Bauingenieur. So liefert das entwickelte Ressourcenpotenzial-Bewertungstool Architekt*innen eine Einschätzung. „Ein Mehrinvestment zu Beginn zahlt sich später oft aus – finanziell und für die Umwelt.“

Für Architekt*innen bedeutet das, einen digitalen Gebäudeplan mit der Methode Building Information Modeling (BIM) zu erstellen. In einem virtuellen Modell erfassen die Planenden alle relevanten Daten, etwa welche Art von Bauteilen wo verbaut werden. In Klöppers Tool tragen die Achitekt*innen zusätzliche Eigenschaften der Bauteile ein: Sind es beispielsweise Verbundbaustoffe, sind sie beschichtet, sind Bauprodukte bereits in ein Rücknahmesystem eingebunden? Auf dieser Grundlage gibt das Tool eine Prognose über den Wert und die Kosten des Gebäudes aus: Wie schnell lässt es sich umbauen und damit Mietausfälle einsparen, wie teuer ist die Entsorgung, wie viel sind die einzelnen Komponenten der Bauteile in Zukunft noch wert.

Für Klöpper bedeutet das Programmieren, eine Datenbank aufbauen und Prognostizieren, wie sich die Kosten in Zukunft entwickeln. „Bei manchen Punkten wie den Kosten für eine Demontage lässt sich ein Trend fortschreiben. Bei anderen ist es schwierig, beispielsweise schwanken die Deponiegebühren stark. Hier spielen auch zukünftige politische Entscheidungen mit rein“, erklärt Klöpper.

Bevor der Wahl-Münsteraner seine Promotion begann, war Klöpper 20 Jahre lang in der Wirtschaft als Bau- und Projektleiter tätig, zuletzt zwölf Jahre lang beim Bauunternehmen Goldbeck als Prokurist und Niederlassungsleiter. Über das Hochschulbeauftragtenprogramm von Goldbeck kam der FH-Alumnus 2016 zurück an die FH Münster, diesmal als Lehrbeauftragter am Fachbereich Bauingenieurwesen. Im Programm werden Mitarbeitende des Unternehmens zu persönlichen Ansprechpartner*innen für die Partnerhochschulen und halten beispielsweise Gastvorträge. „Die Lehre wollte ich gerne weiterführen. Außerdem macht es mir Spaß, in die Tiefe zu gehen, Probleme zu lösen und weiterzuentwickeln – ich bin immer gerne Ingenieur gewesen, doch je weiter man im Beruf kommt, desto weniger hat man oft mit dem ursprünglichen Thema zu tun“, so der 45-Jährige. An der FH Münster arbeitet Klöpper zusätzlich im Forschungsprojekt „RessProKA“ zu ressourceneffizienter Kreislaufwirtschaft im Innenausbaugewerbe. Sein Promotionsthema hat die Projektleiterin und Doktormutter, FH-Professorin Dr. Sabine Flamme, angestoßen. Erstbetreuer ist Prof. Dr. Markus König von der Ruhr Universität Bochum. Klöppers Einschätzung: „Eine spannende Promotion, die die Zukunftsthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit vereint.“


Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Widerruf finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Seite drucken