„Immer wenn Sie zwei Jacken brauchen, ist Wintersemester“

Ana Flávia Medina e Marquez und Annamaria Deak erhalten internationale Preise der FH


Zwei strahlende Gesichter aus zwei Ländern: Die Studentinnen Annamaria Deak und Ana Flávia Medina e Marquez (v.l.) freuen sich über Auszeichnungen für ihre guten Studienleistungen und ihr soziales Engagement.
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Münster (13. November 2007). Sie heißen Anna und Ana, sie studieren beide an der Fachhochschule Münster am Fachbereich Wirtschaft, und sie sind ein bisschen aufgeregt. Kein Wunder – man bekommt schließlich nicht alle Tage einen Preis von seiner Hochschule verliehen.

Annamaria Deak aus Ungarn ist DAAD-Preisträgerin 2007. Mit der Auszeichnung würdigen der Deutsche Akademische Austausch Dienst und die FH Münster einmal im Jahr besondere Verdienste ausländischer Studierender. Neu ist, dass die Hochschule in Eigenregie einen weiteren Preis vergibt. Dieser Internationale Preis ging an die Kommilitonin Ana Flávia Medina e Marquez aus Brasilien.

Für beide Auszeichnungen sind sehr gute Studienleistungen die Pflicht, soziales Engagement für andere ausländische Studierende die Kür. Sowohl Deak als auch Marquez sind in dieser Hinsicht eine Idealbesetzung.

Beide unterstützen als studentische Hilfskräfte Neuankömmlinge aus anderen Ländern. Im International Office des Fachbereichs Wirtschaft und im International Office der Hochschule erklären sie Wege, helfen Formulare auszufüllen oder haben einfach nur ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte, die wohl jeder kennt, der einmal längere Zeit von zu Hause weg war.

„Als ich hier neu war“, erzählt Marquez, „habe ich schnell eine gute Freundin gefunden, die immer für mich da war.“ Diese Erfahrung wollte sie unbedingt mit anderen teilen. Am Fachbereich sei sie zunächst durch ihre außerordentlich hohe Punktzahl beim Deutschtest aufgefallen, berichtet Dekan Prof. Dr. Frank Dellmann. Nicht nur das Ergebnis eines Sprachkurses in Brasilien – „ich habe dauernd Deutsche Welle gehört und außerdem viel gelernt“, so die Studentin.

In Deutschland habe sie sich rasch eingelebt. Eingeschrieben ist die 24-Jährige im achten Semester des deutsch-lateinamerikanischen Studiengangs CALA – ein Doppelabschluss, der in beiden Ländern anerkannt wird. Als Rektor Dr. Klaus Niederdrenk die Heimweh-Frage aufwirft, lacht die Brasilianerin: „Klar hatte ich Heimweh, ich bin doch im Winter hier angekommen! Ich brauchte immer zwei Jacken und zwei Hosen übereinander.“

Obwohl der DAAD-Preis ein Dank für besonderes Engagement sein soll, kommt ihre Kommilitonin Annamaria Deak selbst kaum aus dem Danken heraus. „Ein halbes Jahr nachdem ich meinen Sprachkurs in der Hüfferstiftung gemacht hatte, durfte ich selbst schon in einem Büro im gleichen Gebäude arbeiten“, freut sie sich, „das fand ich einfach überwältigend.“ Als Tutorin im Welcome Service der Hochschule ist sie nun Ansprechpartnerin für Studierende aus aller Welt. „Die macht das so hervorragend“, lobt Nicole Strate-Speidel ihre Mitarbeiterin im International Office, „da werde ich eigentlich gar nicht mehr gebraucht…“

Deak ist mittlerweile im achten Semester des Diplomstudiengangs Wirtschaft. Warum sie sich für ein Studium in Deutschland entschieden hat? Die Begründung dafür sitzt bei der Preisverleihung neben ihr und strahlt mit der Studentin um die Wette: ihr Freund Laszlo Rokszin, ebenfalls Wirtschaftsstudent an der FH.

Die beiden Preisträgerinnen fühlen sich wohl an der Fachhochschule. „Das einzige Problem ist, dass man gar nicht merkt, wie schnell die Zeit vergeht“, findet Marquez. „Ist doch ganz einfach“, grinst der Rektor Prof. Dr. Klaus Niederdrenk, als er die Urkunden und Geldpreise überreicht. „Immer wenn Sie wieder zwei Jacken übereinander anziehen, ist Wintersemester.“

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