Kleider machen Schüler

Studie der Fachhochschule Münster zeigt: 50 Prozent würden einheitlichen Look tragen


Münster (28. Mai 2009). Wie wohl fühlen sich Jugendliche in der Schule? Und was kann Schulkleidung für die Atmosphäre in Bildungseinrichtungen leisten? Rund 18 000 Schüler aus Nordrhein-Westfalen gaben in einer Studie des Fachbereichs Wirtschaft der Fachhochschule Münster aufschlussreiche Antworten auf diese Fragen. Ein erstaunliches Ergebnis: Die Hälfte würde Schulkleidung tragen.

Per Zufallsauswahl ermittelten Projektleiter Prof. Dr. Roland Multhaup und elf Studierende seiner Lehrveranstaltung „Strategisches Management" 500 Schulen. An je 125 Gymnasien, Gesamt-, Haupt- und Realschulen verschickten sie Fragebögen. Absolvent Kai-Christian Berghoff beteiligte sich als Spezialist und Schulkleidungsproduzent ebenfalls an der Studie. „Die Rücklaufquote lag bei über 40 Prozent, sonst beläuft sich diese bei schriftlichen Befragungen auf etwa fünf Prozent", verdeutlicht Multhaup. 50 Prozent der Schüler gaben dabei an, dass sie bereit wären, Schulkleidung zu tragen. Als Grund dafür nannten 42 Prozent die Erwartung, dass es mit einheitlichem Look weniger Probleme in der Klasse gebe. Vorteile sehen sie dabei vor allem in einer stärkeren Verbundenheit mit der Schule und einem besseren Gemeinschaftsgefühl in der Klasse.

„Diese Studie ist etwas Besonderes. Es gibt keine vergleichbare Untersuchung, die ein so umfassendes Meinungsbild zu Schulkleidung zeichnet ", sagt Multhaup von der Fachhochschule Münster. Barbara Sommer, Schulministerin in Nordrhein-Westfalen: „Die Studie bestätigt auch unsere Erfahrungen. Schulkleidung stärkt das Wir-Gefühl an einer Schule, wenn sich alle Beteiligten, also Eltern, Schüler und Lehrer gemeinsam für die Einführung einsetzen. Kinder möchten gerne dazu gehören, möchten Mitglied einer Gemeinschaft sein und dies auch nach außen zeigen." Unternehmer Berghoff sieht sich durch die Ergebnisse der Studie ebenfalls bestätigt: „Es ist wie in einem Sportverein, alle tragen ein Trikot, das stärkt das Teamgefühl." Unter Schulkleidung versteht der Unternehmer allerdings keine Uniform, sondern normale einheitliche T-Shirts und Kapuzenpullis mit Schullogo, aber eben ohne Herstellermarke.

Die Idee für die Untersuchung entwickelte sich aus seiner Diplomarbeit. Darin erforschte Berghoff die Akzeptanz von Lehrern gegenüber Schulkleidung. Diese sprachen sich zu 55 Prozent für die Einheitsgarderobe aus. Der Unternehmer gründete daraufhin die erste eingetragene Schulkleidungsmarke Deutschlands. Die Befragung der Schüler war nun die logische Konsequenz, so sagt er. Auch Multhaup ist dieser Meinung: „Im Marketing ist es selbstverständlich, die Kunden zu befragen."

Berghoff sieht Schulkleidung nur als ein Element in einem ganzheitlichen Konzept: „Bildung ist unser wichtigstes Kapital. Wir sollten alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um die Atmosphäre in Bildungseinrichtungen zu verbessern." Wenn der Wohlfühlfaktor steige, könnten die Schüler auch bessere Leistungen bringen. „Gerade in Zeiten, wo die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander geht, dürfen wir nicht zulassen, dass Kinder aus sozial schwächeren Schichten noch einmal aufgrund von Kleidung benachteiligt und diskriminiert werden", verdeutlicht er. Wichtig sei ihm, dass Schulkleidung vor allem markenunabhängig und kostengünstig angeboten wird.


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