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Lebensmittel: Bis zu 50 Prozent landen auf dem Müll

Kooperationsprojekt von Fachhochschule Münster und Verbraucherzentrale NRW hat Verringerung von Abfall zum Ziel


Münster (1. September 2011). Den Begriff der „Überflussgesellschaft" prägte der US-Amerikaner John Kenneth Galbraith bereits in den 50er Jahren. Damit kritisierte der Ökonom unter anderem die Tendenz zur Verschwendung in industrialisierten Gesellschaften. Heute bemühen sich Experten der Lebensmittelindustrie, Warenverluste zu verringern, zum Beispiel durch Abfallmanagement und Prozessoptimierung.

Allerdings nehme die Branche - etwa aus Gründen des Marketings - zugleich die Vernichtung großer Warenmengen in Kauf. Das sagt Prof. Dr. Petra Teitscheid vom Institut für Nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft (iSuN) der Fachhochschule Münster. Zusammen mit Prof. Dr. Guido Ritter leitet sie das Projekt „Verringerung von Lebensmittelabfällen - Identifikation von Ursachen und Handlungsoptionen in NRW", welches das iSuN zusammen mit der Verbraucherzentrale NRW heute (1. September) startet.

„Tatsache ist, dass 25 bis 50 Prozent der Lebensmittel auf dem Weg vom Acker bis zum Teller weggeworfen oder vernichtet werden - das ist inakzeptabel", sagt Ritter. Das Projekt soll deshalb Wege ausloten, mit denen sich die hohen Verlustquoten verringern lassen. Dafür stellt das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (MKULNV) die finanziellen Mittel zur Verfügung.

Zunächst erarbeiten die Experten vom iSuN eine Studie mit belastbaren Daten, die Hinweise auf Ursachen und mögliche Handlungsstrategien geben soll. Dafür werten die Wissenschaftler vorhandene Daten zur Abfallentstehung aus, vergleichen diese mit Werten aus dem europäischen Ausland und erheben eigene Daten zum Wegwerfverhalten der Verbraucher. Auf dieser Grundlage schätzen sie die ökologischen, sozialen und klimarelevanten Folgen der Warenvernichtung und identifizieren geeignete Maßnahmen in NRW.

„Grundsätzlich unterscheidet man bei Lebensmittelabfällen zwischen Warenverlusten und Warenvernichtung", sagt Teitscheid. Während bei Warenverlusten die Rohwaren betroffen seien, die aus dem Verarbeitungsprozess herausgenommen werden müssen, würden bei der Warenvernichtung bereits verzehrfertige Speisen weggeworfen, so die Hochschullehrerin. „Das kann an mangelnder Nachfrage liegen oder schlicht daran, dass zu große Portionen auf den Teller kommen."

Laut einer Forsa-Umfrage werfen rund 84 Prozent der Deutschen Lebensmittel weg, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen oder die Ware verdorben ist - gleichzeitig plage 69 Prozent der Bürger dabei ein schlechtes Gewissen. Nicht ganz zu Unrecht, denn dahinter stecke ein ethisches Dilemma: „Vor dem Hintergrund der steigenden Weltbevölkerung und des zunehmenden Hungerproblems sind Lebensmittelabfälle ein ernstes Problem. Studien zeigen, dass die Reduktion der Abfälle eine wesentliche Stellschraube für die Ernährungssicherheit auf unserem Planeten ist", sagt Teitscheid.

Damit sinnvolles Handeln vor Ort möglich wird, ermitteln die Nachhaltigkeitsexperten zunächst Daten, die sich speziell auf NRW beziehen, ganz nach dem Grundsatz „global denken, lokal handeln".


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