Auf dem Drahtesel durchs 20. Jahrhundert

Absolventin der Fachhochschule Münster präsentiert Bildband mit Fahrradklassikern


Buch Klassische Fahrräder des 20. Jahrhunderts
Insgesamt 21 Fahrräder präsentiert die Designerin Katharina Tenberge in ihrem Buch „Klassische Fahrräder des 20. Jahrhunderts“, das im Delius Klasing Verlag erschienen ist. (Foto: Tenberge)
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Münster (17. November 2011). Katharina Tenberge ist Diplomdesignerin und liebt alte Dinge. Ihrer Leidenschaft für Altes und Schönes hat sie sich auch während ihres Designstudiums an der Fachhochschule Münster gewidmet. Für das Seminar „Visuelle Informationsvermittlung im Museum - Sammeln, Zeigen, Erklären" bei Prof. Hartmut Brückner hat sie sich auf die Suche nach einem Sammlerthema gemacht. Und als Münsteranerin hielt sie Ausschau nach einem, das zu ihrer Heimat passt.

Auf einer Ausstellung lernte sie Andreas Perk kennen - und dieser konnte ihr genau das bieten, wonach sie gesucht hatte, denn Perk sammelt Fahrräder. Rennräder zum Beispiel - aber vor allem Fährräder mit Geschichte. Aus der Begegnung ist ein Bildband entstanden, der Perks Sammlerschätze zeigt: „Klassische Fahrräder des 20. Jahrhunderts".

Insgesamt 21 Fahrradklassiker setzt Tenberge fotografisch in Szene und nimmt den Betrachter mit auf eine authentische Tour durch die Zeit, denn sie zeigt die Räder so, wie sie in der Sammlung Perks stehen: Gesäubert und fahrtüchtig zwar, aber mit Kratzern, Dellen und anderen Gebrauchsspuren - eben so, wie sie der Sammler vom Vorbesitzer erhalten hat. Perk legt Wert darauf, die Fahrräder in ihrer Originalität zu bewahren und nichts zu verändern, was ihnen ihren ganz speziellen, individuellen Reiz nehmen könnte. So bekommt der Betrachter einen realitätsnahen Einblick in die Fahrradgeschichte des vergangenen Jahrhunderts.

Ein Hodot-Luxusrad von 1907 macht mit Flügelpedalen, Holzkotflügeln und Kerzenlaterne den gediegenen Auftakt. Eine frühe Idee zur Velo-Federung zeigt das Anker-Sichelrad aus dem Jahr 1935 mit seiner geschwungenen Gabel. In den 40er und 50er Jahren beherrschten dann Touren- und Sporträder von Adler, Rixe, Dürkopp oder Miele die Szene, und mit einem Rennrad von Bauer holte Heinz Müller 1952 den Weltmeistertitel im Radsport. Praktisch wurde es 1965 mit dem Neckermann-Klappfahrrad, während das Mentor Bonanzarad mit Lenkerfransen, Sitzbank und elektrischer Hupe ein gewisses Easy-Rider-Feeling auf den Radweg brachte. Mit einem vollverchromten Luxusmodell, das die britische Firma Raleigh für Offiziere im Afrika-Dienst konstruiert hatte, endet die fotografische Tour im Jahr 1975.

Zwischen den Vorstellungen der einzelnen Modelle erfährt der Betrachter Interessantes über die historische Entwicklung der Fahrradtechnik - und findet kuriose Details mit aktuellem Bezug: Während die Münsteraner heute immer wieder über Nummernschilder für die Leezen diskutieren, zeigt Tenberges Bildband, dass es eine Kennzeichnungspflicht schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab. Jeder Fahrradhalter musste damals selbst eine Besitzerplakette montieren und damit nachweisen, dass er die fällige Fahrradsteuer entrichtet hatte. Denn vor rund 100 Jahren war Radfahren und der Besitz einer eigenen Leeze vor allem eines: Luxus.

Katharina Tenberge: Klassische Fahrräder des 20. Jahrhunderts, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 24,90 Euro, ISBN 978-3-7688-5329-3


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