Insekten – Proteinlieferanten der Zukunft?

Workshop an der Fachhochschule Münster ging Geschmack und Nährwert auf den Grund


Münster (26. März 2013). Der Eiweißbedarf wächst weltweit, die Futtermittelpreise steigen. Auf der Suche nach alternativen Eiweißquellen lohnt sich der sprichwörtliche „Blick über den Tellerrand". Sind Insekten eine reelle Proteinquelle? Was ist vorstellbar, wie sieht der rechtliche Hintergrund aus, und was findet Zustimmung in der Lebensmittelwirtschaft? Und abgesehen davon: Wie schmecken Insekten? Diesen Fragen gingen 30 Teilnehmer des FOOD FUTURE-Workshops an der Fachhochschule Münster auf den Grund.

Prof. Dr. Guido Ritter vom Institut für Nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft an der FH Münster informierte zunächst über die Entwicklung unseres Geschmackes, unserer Esskultur sowie verschiedener sozialer und kultureller „Genussformen" und erklärte die Bedeutung von Proteinen und alternativen Proteinquellen für unsere Ernährung. Dass es nicht unbedingt eklig sein muss, Insekten zu essen, demonstrierte der Ernährungswissenschaftler mit einem herzhaften Biss in ein Insekt selbst, bevor er die Teilnehmer zur Verkostung gegrillter Larven und in Schokolade verhüllter Heuschrecken einlud. Ritter: „Geschmack ist eben auch eine Frage der Gewohnheit. Heute essen wir mit Sushi rohen Fisch, was vor einigen Jahren noch abwehrende Reaktionen hervorgerufen hat."

Dr. Markus Grube beleuchtete den rechtlichen Hintergrund - hier gibt es offensichtlich noch Klärungsbedarf. „Fraglich ist, ob Insekten möglicherweise als neuartige Lebensmittel angesehen werden, womit eine Zulassung als so genannte Novel Food erforderlich würde", so der Jurist der Lebensmittelrechtskanzlei Krell, Weyland Grube. Ungeklärt seien darüber hinaus auch hygienerechtliche Fragen oder auch solche zur Haltung als Nutztiere. Hier könnten Wissenschaft und Wirtschaft mit konkreten Vorschlägen auf den Gesetzgeber zugehen.

Das unterschiedliche Potenzial von Insekten als Lebens- und als Futtermittel hob Dipl.-Ing. Kolja Knof von der Hochschule Bremerhaven hervor. Die Verwendung als Lebensmittel sei aus Verbrauchersicht sicherlich problematisch, im Bereich Futtermittel werde aber intensiv an der industriellen Produktion von Insekten geforscht - Beispiele aus Zucht, Verarbeitung und Einsatzmöglichkeiten belegen dies. Der enge rechtliche Rahmen erschwere aber bislang den Schritt in die Praxis.

Einen Einblick in die Arbeit in den Niederlanden gaben Marian Peters vom Fachverband VENIK und Arnoud Togtema vom Institut Food & Biobased Research, die sich in verschiedenen Forschungsprojekten mit der Insektenzucht sowie der nachhaltigen Herstellung von Proteinauszügen und Produkten beschäftigen.


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