Das Kind soll im Mittelpunkt stehen

Fachtag an der Fachhochschule Münster beschäftigte sich mit Änderungen des Vormundschaftsrechts


Münster (29. November 2013). Wenn Eltern das Sorgerecht entzogen wird, übernehmen nahestehende Personen, das Jugendamt oder ein Verein die Vormundschaft für minderjährige Kinder. In Deutschland gibt es derzeit etwa 65.000 Vormundschaften und Pflegschaften - was das Thema zu einem wichtigen Arbeitsfeld der Jugendhilfe macht. Um Entwicklungen und Gesetzesänderungen zu beleuchten, aktuelle Fragen der Fachpraxis aufzugreifen und vorausschauend Vorschläge für weitere Reformen zu erarbeiten, hat der Fachbereich Sozialwesen diese Woche an der Fachhochschule Münster einen Fachtag Vormundschaften veranstaltet. Rund 160 Vertreter von Behörden, Vereinen und Hochschulen aus ganz Deutschland nahmen teil.

„Bei der Umsetzung der Reformen zeichnet sich ab, dass die Vormundschaft stärker als in der bisherigen Praxis ein Mittel zur persönlichen Vertretung von Kindern und Jugendlichen und zur Stärkung ihrer Rechte wird", schätzte Stefan Gesmann, Leiter des Referats Weiterbildung des Fachbereichs Sozialwesen, die derzeitige Lage ein. Zusammen mit Antje Krebs vom LWL-Landesjugendamt Westfalen hatte er die fachliche Leitung der Tagung inne.

Was sind Kinderrechte und was nützen sie ihnen? Darauf ging Prof. Dr. Manfred Liebel in seinem Vortrag ein. Er hob hervor, dass die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 ein großer Schritt gewesen sei, da Kinder dort erstmals als Subjekte eigenen Rechts anerkannt wurden. Ein Manko sei aber, dass die Rechte bisher kaum einklagbar sind. Für einen sehr wichtigen Bestandteil des Kinderschutzes hält er die Partizipation - auch mit Blick auf Vormundschaften. Sein Fazit: „Man kann das Kindswohl nicht ermitteln, ohne die Kinder selbst einzubeziehen." Hier bestehe in Deutschland noch großer Handlungsbedarf.

Unter dem Titel „Quo vadis Vormundschaftsreform?" gab Wolfgang Rüting, Leiter des Amts für Kinder, Jugendliche und Familien im Kreis Warendorf, einen Überblick, wie die 2011 und 2012 in Kraft getretenen Änderungen derzeit in die Praxis umgesetzt werden. Zwar habe sich in der Qualitätsentwicklung der Amtsvormundschaft viel getan, die Schaffung vormundschaftlicher Organisationsformen außerhalb des Jugendamts gehe allerdings nur mühsam voran. „Nur eine starke Vormundschaftspraxis sichert die Rechte und Interessen des Kindes im Spannungsfeld der Rechte und Interessen der Erwachsenen", verdeutlichte Rüting. Es sei wünschenswert, die Beteiligung des Kindes an der Regelung seiner Angelegenheiten fachlich auszugestalten.

Im Anschluss an die Vorträge boten vier verschiedene Foren den Teilnehmern Raum für Austausch und Diskussionen. Eine Gruppe beschäftigte sich mit der Kooperation zwischen Allgemeinem Sozialen Dienst (ASD) und Vormundschaft. Hermann Sandknop, Fachstellenleiter Bezirksübergreifende Dienste im Jugendamt Münster, und Bernd Mix vom Jugendamt Osnabrück gaben dabei Einblicke in ihre Arbeit.

Anette Tenhumberg vom Pflegekinderdienst (PKD) des Jugendamts Münster begleitete gemeinsam mit Dr. Martina Cappenberg die Diskussion darüber, wie die Kooperation zwischen PKD und Vormundschaft gestaltet werden kann. Das dritte Forum stellte die Frage „Wohin geht die Reise: Vereins- oder Amtsvormundschaften?". Impulse für den Austausch gaben hier Prof. Dr. Hans-Jürgen Schimke und Tilman Fuchs, Leiter des Jugendamts Kreis Steinfurt. Eine weitere Gruppe, in der auch Liebel und Krebs vertreten waren, nahm die Beteiligung von Kindern in der Vormundschaft in den Fokus.

Der Fachtag Vormundschaften bildete den Auftakt des neuen Weiterbildungsprogramms des Fachbereichs Sozialwesen der Fachhochschule Münster. Interessierte finden die Angebote unter www.weiterbildung-sozialwesen.de.


Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Widerruf finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Seite drucken