Viele Stühle – doch setzen mag ich mich trotzdem nicht

Designstudierende erzählen in der Zeitung „KrakAUschwitz“ von einer außergewöhnlichen Exkursion


Seiten aus der Zeitung „KrakAUschwitz“
14 Studierende und 2 Professoren haben auf 44 Seiten in „The Last Newspaper“ ihre Eindrücke von „KrakAUschwitz“ festgehalten – in Texten, Illustrationen und Fotos. (Foto: FH Münster/Pressestelle).

Münster (29. Juli 2015). Es gibt Exkursionen, die führen in die beschauliche Toskana oder nach Südfrankreich. Die Designstudierenden spiegeln dann mit gestalterischen Mitteln ihre Eindrücke wider - immer vor dem regionalen Hintergrund mit seinen Menschen und Landschaften, mal dokumentarisch, mal gestalterisch. Die Exkursion nach Krakau und Auschwitz ging unter die Haut. Und so haben sich die Studierenden unter der Leitung von Prof. Rüdiger Quass von Deyen und Prof. Felix Scheinberger alles von der Seele geschrieben, gezeichnet und fotografiert, was sie bewegt hat. Einen Eindruck davon vermitteln die Exkursionsteilnehmer in der Zeitung „KrakAUschwitz". Damit, so formuliert es Quass von Deyen in seinem Beitrag „Stand der Dinge", das Flüstern hörbar bleibt.

Diesem Anliegen wird Annika Drees ganz direkt gerecht: Sie schlüpft als Ich-Erzählerin in die Rolle einer Deportierten und illustriert ihre Geschichte „Tausend zu eins" ganz reduziert mit Häusern, die den „Platz der Ghettohelden" säumen. Sie berichtet vom Denkmal aus 70 Stühlen. „Setzen mag ich mich trotzdem nicht." Denn jeder Stuhl steht für 1.000 getötete jüdische Menschen.

Während sich die meisten der Artikel damit befassen, den eigenen Standpunkt zum Grauen in Worte und Bilder zu fassen, macht Sebastian Metzing das jüdische Viertel Kazimierz in Krakau zum Ausgangspunkt seiner Doppelseite. „Ich wollte einen Kontrast setzen und einen Teil der traditionellen Kultur zeigen", sagt der Student im Schwerpunkt Kommunikationsdesign. Und deshalb recherchierte er zur in Osteuropa entstandenen Musik der Juden, dem Klezmer. Jedes Stück spiegele die momentane Gefühlslage wider, das Tempo passe sich immer der jeweiligen Stimmung an. „Auch heute gibt es noch eine kleine, aber junge und aktive Szene von Klezmer-Musikern, gerade auf den Straßen von Kazimierz."

In weiteren Beiträgen geht es auf Spurensuche „nach der Polin in mir", um einen Rundgang durch Krakau, um polnischen Fußball, Architektur sowie Essen und Trinken. Interessierte Leser können die Zeitung bestellen unter quassvondeyenfh-muensterde, sie kostet 8 Euro.

Zum Thema: Die Ausbildung am Fachbereich Design der FH Münster schließt das gesamte Designspektrum durch die vier angebotenen Schwerpunkte Kommunikationsdesign, Illustration, Mediendesign und Produktdesign ein. Sie gestattet den Studierenden ein ungewöhnlich offenes Feld für experimentelle Gestaltungen und zielbezogene Denkansätze, die optimal für den beruflichen Alltag vorbereiten. Exkursionen bieten Prof. Felix Scheinberger und Prof. Rüdiger Quass von Deyen für die Kommunikations- und Illustrationsstudierenden innerhalb ihres Seminars „Touristen im Regen" regelmäßig an. Vor der Reise nach Polen ging es bereits nach New York, Jerusalem und Rom. Nach der Rückkehr erscheint jeweils „The Last Newspaper".


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