Wenn das Waschbecken zur Keimschleuder wird

FH Münster analysiert für Gebäudetechnikunternehmen Kemper Warm- und Kaltwasserleitungen


Prof. Dr. Carsten Bäcker und Stefan Brodale schrauben eine Waschbeckenarmatur an ihre selbst gebaute Vorwand inklusive Hohlraum.
Prof. Dr. Carsten Bäcker (l.) und Stefan Brodale schließen eine Armatur an ihr aufgebautes Trinkwasser-Installationsmodell mit Warm- und Kaltwasserleitung an. (Foto: FH Münster/Pressestelle)
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Münster/Steinfurt (26. Oktober 2017). Der Weg durchs Krankenhaus führt vorbei an unzähligen Waschbecken, die vor jeder Station auf Personal und Besucher warten. Händewaschen und Desinfizieren nicht vergessen – damit Keime, Bakterien und Viren auf der Strecke bleiben. Aber es gibt ein Problem: Keime können auch direkt aus dem Wasserhahn der Waschbecken kommen. Genauer gesagt können sie entstehen, wenn die Hitze der 55 bis 60 Grad heißen Warmwasserleitung, die an die Waschbecken-Wandarmatur angeschlossen ist, auf die Kaltwasserleitung übergreift – und die darf aus hygienischen Gründen maximal 25 Grad warm sein.  Wann dies der Fall ist und wie man das Problem in den Griff bekommt, daran forschen Prof. Dr. Carsten Bäcker und Projektingenieur Stefan Brodale vom Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt der FH Münster im Auftrag des Unternehmens Gebr. Kemper aus Olpe.

Zunächst warfen die Gebäudetechnikexperten dafür einen Blick hinter die vermeintliche Zimmerwand. „Dahinter befindet sich nämlich ein Hohlraum mit Luft, durch den etliche Leitungen gezogen werden, unter anderem auch die Kalt- und Warmwasserleitung und die Zirkulationsleitung, die das Warmwasser auf Temperatur hält“, erklärt Prof. Bäcker. „Unsere Aufgabe war es, zu beobachten, bei welchen Trinkwasser-Installationen eine Verkeimung auftreten könnte – das heißt, wie die Leitungen verlaufen, wenn sie eine Verkeimung begünstigen, wann also die Kaltwasserleitung wärmer ist, als sie eigentlich sein darf.“

Dafür haben Bäcker und Brodale eine Testwand inklusive Schacht gebaut und mit Temperaturfühlern versehen. Anschließend wurden Thermografieaufnahmen an unterschiedlichen Installationssystemen gemacht. „Sie haben uns gezeigt: Die Kaltwasserleitung ist wärmer, wenn die Leitungen nicht genug räumlichen Abstand zueinander haben. Dann greift die warme Umgebungsluft der Warmwasserleitung auf die Kaltwasserleitung über“, fasst Brodale zusammen. „Und am geringsten ist der Abstand an der Wandarmatur für Waschbecken, wenn die Leitungen hinter der Wand zusammenfließen.“ Eine Idee gegen diesen Effekt haben Bäcker und Brodale schon entwickelt: Die Warmwasserleitung muss oberhalb der Armatur in den Hohlraum verlegt werden und die Kaltwasserleitung unterhalb – mit einem Abstand von mindestens einem Meter. „So hat die warme Luft keine Chance, sich zu verteilen, denn sie steigt ja nach oben“, erklärt Brodale.

Nun forscht das Team des Labors für Haus- und Energietechnik der FH Münster an weiteren Lösungen, die dafür sorgen, dass die Kaltwasserleitung auch wirklich kalt bleibt. „Wir empfehlen in jedem Fall, die Vorwand thermisch vom Schacht zu trennen“, sagt Bäcker. „Durch den Schacht kommen die Leitungen in die verschiedenen Stockwerke eines Gebäudes – darin befinden sie sich auf engstem Raum, und die Luft wird dementsprechend warm.“ Deshalb wollen Bäcker und Brodale auch getrennte Schächte mit getrennten Leitungen bauen und überprüfen, ob sich das kalte Wasser so abschotten lässt.

Der nächste Untersuchungsschritt bezieht sich dann auf horizontale Trinkwasser-Installationen – bei denen die Zuleitungen aus der Decke kommen. Der Forschungsauftrag von Kemper läuft noch bis Anfang 2018.


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