Effektivere Strahlentherapie bei Krebserkrankung

FH Münster und Harvard Medical School forschen gemeinsam


Münster/Steinfurt (30. Januar 2018). Krebs noch besser bekämpfen – das ist das Ziel eines Forscherteams um Prof. Dr. Thomas Jüstel vom Fachbereich Chemieingenieurwesen der FH Münster. Unterstützt werden sie von der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts: Die beiden Forschungseinrichtungen arbeiten seit Ende 2016 zusammen.

Die Idee der Wissenschaftler: Winzige Nanopartikel in den menschlichen Körper einführen. Diese werden selektiv mittels tumorspezifischen Antikörpern an die bösartigen Krebszellen angehaftet und dann mit Röntgenstrahlung bestrahlt. Dadurch geben die Nanopartikel UV-C Strahlung ab und greifen damit das Erbgut der Krebszellen an. Herkömmliche Strahlentherapien könnten damit sehr viel zielgerichteter und effektiver sein – und das mit geringeren Nebenwirkungen. Inzwischen führt die Harvard Medical School Labortests mit diesen Partikeln an humanen Hautzellen durch.

„Mehr als Petrischalenversuche haben wir zwar noch nicht, doch wir konnten bereits nachweisen, dass durch unser Verfahren lokal bei gleicher Strahlendosis, die biologische Wirksamkeit um den Faktor zwei gesteigert werden kann“, sagt Jüstel. „Das ist ein erster Erfolg!“ Der Chemiker forscht gemeinsam mit seinem Team an den Nanopartikeln, während die Wissenschaftler in den USA um Dr. Martin Purschke die biochemischen Prozesse untersuchen. Solch eine themenübergreifende Zusammenarbeit kann auch dazu führen, dass manchmal auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das jeweils andere Team wechseln. „Das ist eine tolle Möglichkeit, Auslandserfahrung zu sammeln“, so Jüstel. „Dr. Mathias Müller zum Beispiel hat bei uns studiert, und ich habe seine akademische Laufbahn bis hin zur Promotion begleitet. Seit etwa einem Jahr arbeitet er in den USA im Team von Dr. Purschke.“

Zustande kam der Kontakt vor rund zweieinhalb Jahren auf Initiative der Harvard Medical School. „Die Kollegen sind auf uns aufmerksam geworden, weil wir 2004 ein Patent zu dieser Idee in den angemeldet haben“, so Jüstel. „Sie haben mich kontaktiert, und seitdem arbeiten wir zusammen. Schließlich ist die Radioonkologie der Medizinbereich, dessen Therapieformen bei mehr als 50 Prozent aller Krebserkrankungen zum Einsatz kommen. Wenn sie noch besser werden kann, wäre das ein Riesenschritt.“


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