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Jedes Material lässt sich analysieren

Von Kunstgemälden bis zur Zahnfüllung: Anwender der Röntgenfluoreszenz bringen sich an der FH Münster auf den neuesten Stand


Münster/Steinfurt (8. März 2019). Wie lassen sich Gemälde und Kunstobjekte zerstörungsfrei untersuchen? Liegt das Geheimnis der Stradivari in ihrem Lack? Was passiert zwischen Füllung und gesundem Zahn? Diese und weitere Fragestellungen diskutierte Prof. Dr. Martin Kreyenschmidt an der FH Münster mit 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis beim 26. Anwendertreffen für Röntgenfluoreszenz- und Funkenemissionsspektrometrie.

„Wir haben verschiedene Zusammensetzungen von Füllungen in Zähnen analysiert und untersucht, wie sich die Elemente im Laufe der Zeit im Zahn verteilen“, berichtete Leona Bauer vom BLiX, die an der TU Berlin und der Charité in ihrer Promotion erforscht, wie sich die Zusammensetzung von Füllungen mit der Zeit verändert und welche Elemente sich lösen. „Wir konnten nachweisen, dass einige Füllmaterialien viel Zink enthalten, das sich durch die Dentin-Kanäle im Zahn verteilt“, sagte Bauer. Warum gerade Zink? Eine Vermutung ist die antimikrobielle Wirkung zur Vermeidung von Sekundärinfektionen und weiterem Karies. Weitere Forschungen dazu stehen noch aus. Bauer hat aber auch exotische Elemente wie zum Beispiel Bismut in den untersuchten Füllungen entdeckt.

Spannend waren auch die Berichte von Dr. Alex von Bohlen vom Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS), der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit in die Welt der Kunstanalytik nahm. Er untersuchte unter anderem die Farben in einem Porträt von Johann Sebastian Bach mit Synchrotron-Strahlung, um zu klären, ob es das erste Gemälde ist, das zu Lebzeiten des Musikers entstand und sein tatsächliches Aussehen zeigt.

Stephanie Hanning aus dem Labor für Instrumentelle Analytik der FH Münster präsentierte Ergebnisse aus Forschungsarbeiten, die einen neuen Weg aufzeigen, wie schnell geklärt werden kann, ob giftige oder verbotene bromhaltige Flammschutzmittel in Dämmmaterialien enthalten sind. Dies ist zum Beispiel wichtig für eine schnelle Entscheidung, ob Styropor als Sondermüll entsorgt werden muss oder recycelt werden kann.

„Es geht uns beim Anwendertreffen darum, Experten aus Wissenschaft und Praxis disziplinübergreifend zusammenzubringen und Erkenntnisse, Erfahrungen und Ideen auszutauschen“, sagte Prof. Kreyenschmidt. „Dies ist eine ideale Ausgangsbasis, um neue Lösungsansätze für die vielfältigen Fragestellungen zu entwickeln und innovative Projekte anzustoßen.“

Kreyenschmidt hat die zweitägige Konferenz auf dem Steinfurter Campus der FH Münster zusammen mit von Bohlen, Dr. Jörg Flock und Dr. Eckard Pappert, beide von ThyssenKrupp, und Stephanie Hanning von der FH Münster organisiert. Die Hochschule veranstaltet die Tagung jährlich gemeinsam mit dem Deutschen Arbeitskreis für Analytische Spektroskopie (DAAS), dem ISAS und dem Chemikerausschuss des Stahlinstituts VDEh. Ergänzend zu den Fachvorträgen präsentierten zahlreiche Aussteller instrumentelle Neuentwicklungen.


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